Das Steinbacher Mettenspiel.

»Christus ward heut geboren!« Ein altes Mettenspiel aus der Kirchgemeinde Steinbach i. Erzgeb. Angeblich von einem 1859 daselbst gestorbenen Kantor Hermann verfaßt. Im 1. Heft des III. Bandes der Mitteilungen des Vereins für sächsische Volkskunde mitgeteilt von Pfarrer Köhler und Kantor Bachmann zu Steinbach. Auch Dr. Alfred Müller hat das Spiel in seinem schönen Aufsatze: »Eine Mettenfahrt« (Glück auf 1900, Seite 2) beschrieben. Dieses Spiel ist bis auf die Gegenwart in der Steinbacher (bei Annaberg) Kirche aufgeführt worden. Das Spiel unterscheidet sich wesentlich von den volkstümlichen Spielen. Schon die Sprache ist nicht eigentlich volkstümlich. Der Anfang des Eröffnungsgedichtes lautet:

Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Liebe,
das im Zeitenlauf uns wiederkehrt!
Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Freude,
das uns dankend Gott verehren lehrt!
Sieh die Flur im weißen Winterkleide
und den Strom mit festem Eis belegt;
sieh den Lenz im bunten Festgeschmeide,
wie er herzlich seine Kinder pflegt!
Sieh, der Sommer spendet Frucht und Freude,
die der Herbst im Speicher sorglich legt.
Alles predigt: Gott ist die Liebe,
und im Herzen tönts: die Liebe ist Gott
usw.

In diesem Stile geht es weiter. Im Hirtengespräch sagt:

Ruben.

Welche Nacht sank auf die Erd hienieden,
wie ich sie noch nie erlebt, –
eine Nacht voll heilger Still und Frieden!
Heilge Andacht durch die Seele bebt!
Alles stille! selbst die Lüfte schweigen,
daß der Tritt im Sand zu Lauten wird,
und am Himmel, wolkenlos und heiter,
weidet seine Herd' der große Hirt!

Das Spiel mag, in der Kirche aufgeführt, eine tiefgehende Wirkung haben, es ist aber doch wohl nicht ein eigentliches Volksspiel. Auch die Musik ist etwas konventionell, etwa in der Art wie die Kantaten des alten Plauener Kirchenmusikdirektors F. M. Gast. Es ist im Graserschen Verlag erschienen.

Ein böhmisches Spiel.

In den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, III. Jahrgang 1865, Seite 115 teilt Joseph Stocklöw Teile eines Spieles mit, das in der Nähe von Schmiedeberg aufgeführt ward und den Namen des »boren Kinnel« führte. Hier finden wir unser »Bornkinnel« wieder. Das Spiel enthält nichts wesentlich Besonderes. Nur ist eine gesungene Verkündigung durch die Engel an Maria dabei. Auch sonst wird im Spiel, der böhmischen Sangesfreude entsprechend, viel gesungen.

Außer den angeführten Spielen haben sich noch viele Reste erhalten, die man an verschiedenen Orten »Weihnachtslieder« nannte. So teilt John (Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge Seite 176) ein Bruchstück solcher Spiele aus Olbernhau mit. Das unbegreifliche Verbot der Spiele hat verheerend gewirkt. Trotz aller behördlichen und geistlichen Maßnahmen ging aber das Volk nicht davon ab. Im geheimen wurde weiter gespielt. Auf originelle Weise umging ein Einwohner von Raschau das Polizeiverbot: er führte seine Engelschar im Puppentheater auf und fand enormen Zuspruch. So kam man schließlich darauf, für die Spiele eine der Polizei genehmere Form zu wählen. Die Geistlichen nahmen die Sache in die Hand und es entstanden eine größere Anzahl von sogenannten Weihnachtsstücken oder -spielen, z. B. die an den Pfarrern Steiniger (Lößnitz), Seidel (Lichtenstein), Lehmann (Freiberg), Müller (Zwickau), Bauer (Berthelsdorf), Löscher (Zwönitz) u. a. Das beste dieser Art hat unstreitig der oft erwähnte Gustav Mosen geschaffen. Er bringt in seinem mehrmals erwähnten Buche zunächst eine größere Anzahl der alten Spiele und meint zuletzt, daß man die Spiele, da sie meist Bruchstücke seien, nicht als abendfüllende Aufführung anwenden könne und dichtet aus dem Geist der Spiele heraus ein neues ganz treffliches Spiel. Es ist im Graserschen Verlag erschienen in einer Neubearbeitung Alfred Müllers.