Ach, heilger Christ, sei nicht so hart!
Es ist ja wider deine Art.
Bist du nicht gütig, fromm und mild
und das rechte Liebesbild?
Willst du nun zum Himmel eilen
und die Gaben nicht austeilen?
Die Kinder lassen sich erbitten;
sie wollen lernen bessre Sitten
und sich hinfort zum neuen Jahr
recht richten nach der Eltern Lahr.
Trotz des Protestes Ruprechts gibt der heilge Christ dieser Fürbitte nach:
Wenn sie ferner wollen frömmer sein
und leben nach dem Willen mein,
ich wills versuchen, will wiederkehren,
auch meine Gebote freundlich lehren.
Ihr Kinder dürft euch nicht mehr fürchten;
mein Zorn ist ganz und gar geschlicht',
euch bin ich hold, will euch bescheren
und Gottesfurcht euch selber lehren.
Auch hier schließt der Liedvers: »Heut schleußt er wieder auf die Tür« das Spiel. Der erste Engel spricht aber noch folgenden Epilog:
Gute Nacht, ihr lieben Kindelein!
Gehorchet euren Eltern fein,
so wird das liebe Jesulein
stets euer liebes Brüderlein sein.
Solches hab ich euch zuvor gesagt,
Vater, Mutter, Mädchen und auch Knaben.
Im Namen Gottes, Amen!
Das werde wahr!
Gott geb euch ein gutes neues Jahr!
Mit diesen Worten sind auch die Schatten, die der Tod über das Spiel warf, verscheucht.
Das Thalheimer Spiel.
Im Hauptstaatsarchiv zu Dresden befindet sich unter III, 100 Fol. 1 e sub + ein im Jahre 1873 vom Stollberger Amtsgericht eingeliefertes Aktenstück aus dem Jahre 1805 ff, welches die Bezeichnung trägt: »Die von einigen Bergleuten und Strumpfwürkern zu Thalheim begangene strafwürdige Handlung bey Darstellung der Geschichte der Geburt Jesu unter der Benennung des heil. Drey Königen- oder Engelscharspiel betr.«
Die Veranlassung der Einleitung der Untersuchung gab ein Manuskript unter der Ueberschrift: »Traurige Begebenheit zur Sittengeschichte unserer Zeiten.« Dieses war beim Schneeberger Wochenblatt eingegangen, man hatte aber Bedenken getragen, es abzudrucken, da der Verfasser sich nicht nennen wollte. Durch Vermittlung des Schneeberger Amts-Physikus ging es aber schließlich an das Stollberger Amt, das für Thalheim zuständig war, und das die Angelegenheit aufgriff.
Was war nun eigentlich geschehen? Lassen wir das interessante Schriftstück folgen: