Von der Rauhheit des Gebirges ist schon manches garstige Lied gesungen worden. Die Schilderungen von der Unwirtlichkeit und Armut des Gebirges sind übertrieben oder längst überwunden. Das ganze etwa 6560 qkm umfassende Gebirge zählt ungefähr 2 Millionen Einwohner. Ackerbau und Industrie finden sich noch in den höchsten Gegenden.
Der Gebirgsbewohner hat sich der Natur seines Landes und dem Wechsel in seinem Erwerbsleben angepaßt. Die frühere bergmännische Bevölkerung hat den Übergang zur industriellen Betätigung dank ihrer Anstelligkeit und Schmiegsamkeit leicht bewerkstelligt. Über die Mißhelligkeiten des Lebens hilft dem Erzgebirgler sein Humor leicht hinweg. Derbkräftig sind Satire und Ironie ausgebildet. In guten Zeiten lebt er gern etwas lustig, wenn er es auch in ungünstigen Zeitläuften wieder büßen muß. Man lebt eben gern »gemütlich«.
In den Gegenden der Spitzen- und Posamentenindustrie macht man naturgemäß gern etwas »Staat«. Dem Fremden begegnet man mit Höflichkeit und gibt auf Befragen gern und ausführlich Auskunft.
Heiterer Sinn und Tiefe des Gemütes spiegeln sich in der Sangesfreude unserer Gebirgler wieder. Künstlerischen Drang beweisen auch die Erzeugnisse volkstümlicher Weihnachtskunst, wie Krippen, Pyramiden usw.
Der Dialekt gehört zu den mitteldeutschen Mundarten, infolge der reichlichen Zuwanderung fremder Bergarbeiter und Industriearbeiter haben sich thüringische, fränkische, vor allem Harzer Sprachbestandteile eingedrängt. Auffallend ist der Wechsel in der Mundart bei den Bewohnern links und rechts der böhmischen Grenze. Eine ziemlich umfangreiche Dialekt-Literatur ist vorhanden und weit verbreitet.
Der einstmals berühmte Erzbergbau ist nahezu erloschen. Während des Krieges zwang die Rohstoffnot dazu, in verschiedenen Gegenden den Betrieb wieder aufzunehmen. Nur in den Kohlengegenden lebt die einstige Bergherrlichkeit fort.
Mannigfaltig und vielgestaltig sind die Schönheiten des Gebirges. Hochragende, aussichtsreiche Berge, liebliche Flußtäler, gigantische Felsen, düstere Moore, stolze Burgen und Schlösser, betriebsame fleißige Städte und Dörfer, idyllische Dörfchen und Mühlen, dazu der prächtige Wald – alles dies vereinigt sich, um dem Naturfreund zu beweisen, daß das Erzgebirge keinesfalls hinter den übrigen deutschen Mittelgebirgen zurückzustehen braucht. Von Chemnitz aus kann man in bequemen Tageswanderungen viel Schönes sehen. Wer Gelegenheit hat, am Sonnabend Nachmittag oder Abend schon die Bahn benutzen zu können, kann ganz prächtige Wanderungen bis über den Kamm ausführen.
Berge und Höhen.
- Adelsberg 508 m
- Auersberg 1018 m
- Bärenstein 898 m
- Beutenberg 426 m
- Bühl 627 m
- Dittersdorfer Höhe 554 m
- Donnersberg 836 m
- Dreibrüderhöhe 688 m
- Fichtelberg 1213 m
- Gahlenzer Höhe 466 m
- Geiersberg 536 m
- Geisingberg 823 m
- Gleesberg 602 m
- Greifenstein 727 m
- Jöhstädter Höhe 820 m
- Kahlenberg 895 m
- Keilberg 1245 m
- Kuhberg 795 m
- Kupferhübel 841 m
- Morgenleite 813 m
- Mückentürmchen 808 m
- Peindlberg 974 m
- Pleßberg 1027 m
- Pöhlberg 833 m
- Rochlitzer Berg 378 m
- Schatzenstein 762 m
- Scheibenberg 805 m
- Schwartenberg 788 m
- Spiegelwald 727 m
- Tellkoppe 758 m
- Totenstein 479 m
- Waltershöhe 697 m