Gut denn: Roman. Doch unter den betäubenden Strahlen einer Mitternachtssonne gelesen, scheint es erst zeitlich, dann über-, zuletzt unzeithaft, schnittig, Stahl: Epos.

Und endlich unter dem embryonalen, ja komischen Gelicht des ausgedörrten, beinah gekreuzigten Monds kriecht es vielleicht höchst lächerlich als abgekicherter Schwank hervor.

Gescheit und blöde, erlogen und wahr, schief wie ein lauter lungenblutender Traum, erhaben toll und toll erhaben, ganz närrisch: Fastnachtsspiel. Bei der schreienden Fackel der Selbstverbrennung jedoch, beweihraucht, martervoll ein Tedeum, geschrillt in den katholisch ehrfürchtigen Ausklang eines Gassenhauers: Aschermittwoch.

Aber Aschermittwoch mit Sonnenblumen.

Ich opfere dieses astronomische Punktierbuch, auch Bibel, geschrieben in Prag zu einer Zeit, die molluskenhaft, ich mathematisch wirklich nicht bestimmen kann, es sei denn mittels ultravioletter Geometrie, jenen, von denen Karl Einstein in Bebuquin sagt: „Zu wenig Leute haben den Mut vollkommenen Blödsinn zu sagen. Häufig wiederholter Blödsinn wird integrierendes Moment unseres Denkens“, darum sage ich einmal wieder einen andren, durchaus neuartigen Blödsinn.

In fünfzig Jahren oder in fünfzig Minuten ist dieser mein guter Blödsinn bestimmt apodiktische Weisheit.

DER ROMAN

Jörg Schuh stand breit am Baugerüst, lachte zugleich mit dem kreischen Ton des Stichels, kaute sein Brot und wußte, daß er Stukkatör. Scharf war Wind in dieser Vogelperspektive. Mit einem Aug am Gesims ornamentierend, mit andrem aufs Pflaster vierzig Stock tief hinabblinzelnd auf sonnbeklexten Asfalt, der grell herauf schrie. Trotzdem straßerasendes Gemensch sehr winzig unten wimmelte, sah er dennoch den großen Busen der Magd Hanne aus dem Wolkenkratzer gegenüber Nr. 69.

Der Busen, der Bubusen ist prächtig plastisch, als hätte ihn ein Stukkatör geformt! entriß sich ekstatischer Satz aus Jörgs bewundernder Kehle mit oberhalb geilen Glotzaugen, die überkegelten, Planke schaukelte, Kopf, Füße wankten quer durcheinander, Wind pfiff . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

(kroloscho su krolo su su suuuuu huih — — — iiihh! die Ewigkeit! in die Ewigkeit! Fahr mr Euer Gnadn? grüßte spiegliger Zylinder gelbblauen Mannes einladend, billig, der Kilometer drei Halsbrüche und neun Tode. Ich bin Ekstatiker aufm Kubus, im letzten Leben war ich Mathematikprofessor und da auf der großen Milchstraßn bin ich jetzt Droschkenkutscher. Also fahr mr Euer Gnadn? — Nein ich danke, ich nehme prinzipiell nur Taxameter! — Aber ich hab Gummireifen an den Radln, oh Marke „Gigant“. — Gehns in ein Bordell! — Bittäähh!