Gretchen: Sehen Sie einmal, meine Herren! Zuerst sprach der Herr Doktor und er sprach nur mit Schwester Martha, wenigstens sah er nur sie an; dann Herr Otto und er sprach zu niemandem mehr, als zu meiner Freundin Bella, und jetzt sprach Herr Louis zu seiner Schwester Martha ganz allein. — Niemand erzählt mir etwas, o ich fühle mich sehr zurückgesetzt, meine Herren!

Louis: Fräulein Gretchen, Sie müssen warten, bis meines Bruders Freund kommt. Wenn Sie ihn zum Reden bringen, so erzählt er Ihnen auch Geschichten. Nicht wahr, Albert?

Dr. Albert: Ja, ja, mein Fräulein, das tut er, und er erzählt viel, viel besser als ich!

Martha Parks: Das geht wohl nicht, besser als Du, Albert?

Dr. Albert: Nun gut, Ihr werdet schon sehen.Gewöhnlich spricht er sehr kurz; aber wenn wir ihn nur einmal zum Sprechen bringen können. Halt! Da fällt mir gerade noch zur rechten Zeit ein, daß ich unserer lieben Freundin Bella noch eine Antwort schulde auf ihre Frage: »Sind Sie unglücklich, Herr Doktor?« — Nein, mein Fräulein, ich bin es nicht; ein Teil meines Glückes aber wird Ihnen klar werden, wenn ich Ihnen das folgende Gedicht von Schiller deklamiere:

Die Teilung der Erde.

»Nehmt hin die Welt!« rief Zeus von seinenHöhen
Den Menschen zu; »nehmt, sie soll euer sein.
Euch schenk' ich sie zumErb' und ew'gen Lehen;
Doch teilt euch brüderlich darein.«

Da eilt, was Hände hat, sich einzurichten,
Es regte sichgeschäftig jung und alt:
Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten,
DerJunkerpirschte[VI-5]; durch den Wald.

Der Kaufmann nimmt, was seineSpeicher fassen,
DerAbt wählt sich den edlenFirnewein,
Der Königsperrt die Brücken und die Straßen
Und spricht: »Der Zehente ist mein.«

Ganz spät, nachdem die Teilung längstgeschehen,
Naht der Poet, er kam aus weiter Fern';
Ach, da war überall nichts mehr zu sehen,
Und alles hatte seinen Herrn.