Dr. Albert: Glaubst du nun an die Mission Amerikas, Freund Louis?
Louis: Ich muß wohl!
Dr. Albert: Und weißt du auch, wer mich zuerst das gelehrt hat? — Ein Mann, der es selbst nicht einmal wußte, der es aber fühlte, — der Komponist Rubinstein.
Ich hörte »Der Turm von Babel,« kurz bevor ich Deutschland verließ. — Der Herr hatte den Turm zerstört und die Sprachen der Menschen verwirrt. — Da ziehen die verschiedenen Nationen nach den verschiedenenErdteilen: Die Semiten nach Asien, die Hamiten nach Afrika, die Jafetiten nach Europa.
Auf ihrem Marsche singen sie Lieder. — Die Semiten singen eine ernste, tiefe, melancholische Melodie; — die Hamiten singen ein Lied, wobei man an nichts anderes denken kann, als an den Trab der Kamele in Ägypten, — die Jafetiten aber sangen eine wunderbar süße, schöne Melodie. — Und nachdem die drei Märscheverklungen waren, da fuhr mir urplötzlich derGedanke durch den Kopf: Nun sollte ein vierter Zug kommen und singen: Hail Columbia! —
Martha Meister: Oftmals habe ich daran gedacht: Was Columbus wohl fühlte, da er zum ersten Male den Fuß auf diesen Boden setzte?
Dr. Albert: Ich glaube, mein Fräulein, ich hatte von einem solchen Gefühl vor wenigen Tagen eineAhnung, da ich selbst an's Land kam. Die Erde hätte ich küssen mögen. — Der Himmel erschien mir viel höher, als anderswo, und die Luft viel kräftiger, und die Menschen viel lebendiger, energischer; — sie gingen einher, wie anderswo die Könige tun, und sprechen und blicken frei und tragen den Kopf so stolz.
O, rief ich einmal über das andere Mal aus: Das ist ein großes, großes Land, — meinVaterland — ah, lächeln Sie nicht! — Es könnte Ihnen gehen, wie mir: Ich stand mit Freunden in Neapel amHafen, und, da es Sonntag war, so hatten die Schiffe geflaggt. — Da kam ein Herr daher, und jeder konnte es sehen, daß er ein Amerikaner war. — Ererblickte am Maste unserSternenbanner und nahm den Hut von dem Kopfe und beugte sichehrfurchtsvoll. Alle lächelten, ich mit, — heute thäte ich's nicht. Hören Sie auch dieses:
Es war meine erste Seefahrt, — meine Reise nach Deutschland. — Viele Tage hatten wir nichts gesehen, als Himmel und Wasser, und wir verlangten alle nach Land.
Morgen vielleicht, hatte der Kapitän abends bei Tische gesagt, — morgen vielleicht sehen wir Land. — Süße Hoffnung! — Sie ließ mich keine Ruhe finden in der Nacht, und frühe am Morgen war ich bereits auf dem Verdecke.