Otto: Und haben Sie »Die Räuber« auch gelesen?
Bella: Die Räuber? — Nein.
Dr. Albert: Das ist ein Stück für Dich, Louis.
Louis: Ich möchte es hören, Albert.
Dr. Albert: Otto, Du hast es gelesen. Willst Du es nicht erzählen? — Das heißt, wenn es den Herrschaftenangenehm ist.
Herr Meister: O, sicherlich. Wir hören mitVergnügen zu. Beginnen Sie, Otto.
Der alte Graf von Moor hatte zwei Söhne, Karl und Franz von Moor. Am meisten liebte er Karl, den ältesten, und ihm gedachte er auch seinen ganzen Reichtum zu geben, — Schloß und Land und alles. Daher kam es, daß der jüngereneidisch wurde und lange hin und her dachte, wie er alles aus den Händen des Bruders an sichreißen könnte, und so ging er eines Tages mit einem Briefe, welchen er selbst geschrieben hatte, zum Vater und begann: Mein Vater, ich habe wieder einen Brief erhalten aus Leipzig, ein Freund schreibt mir über Karl, es ist gar Übles; wollt ihr es hören?
Und der alte Vater sprach: Über meinen geliebten Sohn schreibt er? Lies es; was es auch sei, ich will es hören.
Nun las Franz dem unglücklichen Vater vor, was er Schlechtesersonnen hatte. Des Vaters Auge füllte sich mit Thränen, und einmal nach dem andern rief er aus: O mein Sohn, warum kommst du nicht zurück zu mir an mein väterliches Herz und wirst wieehemals ein guter, braver Mensch. Schreibe ihm das, Franz, schreibe es ihm.
Karl von Moor studierte auf der Universität zu Leipzig. Eines Tages, da er in seinem liebsten Buche, in Plutarch, gelesen und vollBegeisterung ausgerufen hatte: Ja, das waren Männer und große Zeiten! da sprach Spiegelberg, ein Kamerad, zu ihm: Was hindert uns denn, Großes zu tun? Komm, Moor, laß uns Räuber werden! — Karl aber sprach: Findest du Freude an dem Galgen, Mensch, so gehe nur.