Otto: Meine Herrschaften! Wir trinken Kaffee und Thee aus den Tassen und stoßen nicht an; wir trinken Wasser aus unseren Gläsern und stoßen niemals an; aber trinken wir Wein, dann stoßen wir an. — Warum tun wir das beim Wein allein? Warum?

Herr Meister: Ich habe niemals darüber nachgedacht, Herr Otto.

Otto: Nun wohl. Man erzählt sich:

Einmal saß ein Weiser mit seinen Schülern beim Weine. — Meister, sagte einJünger, wenn wir mit dir trinken, dann sind unsere fünf Sinne angenehm beschäftigt. An unserm ganzen Körper fühlen wir den Effekt des Weines; unsere Zunge schmeckt den Wein, unsere Nase riecht ihn und das Auge sieht ihn mitWohlgefallen; unser Ohr aber hört die hohen Worte der Weisheit, die du sprichst in der Begeisterung durch den Wein. —

Und wieder einmal saßen die Jünger zusammen beim Weine; aber der Meister war nicht bei ihnen. — Da sagte derselbe Schüler: Ach, heutegenießen nur vier Sinne den Wein; denn wir hören nicht die weisen Worte unseres Meisters.

So laßt uns denn, rief da ein anderer Schüler, die Gläser zusammen stoßen und rufen: Heil unserm Meister! — Sie taten so; sie hörten das Klingen der Gläser; und von diesem Tage an stoßen die Menschen an, wenn sie Wein trinken, und denken des Freundes oder der Freunde.

Herr Meister: Das ist eine feine Erklärung.

Bella: Und eine philosophische.

Dr. Albert: Jetzt will ich Ihnen noch eine Anekdote erzählen; dann ist die Tafelaufgehoben undwir begeben uns in das Musik-Zimmer.

In einem Hotel in Jena saß einst ein alter Herr in einer Ecke am Tische und trank Wein. — Der Wein aber war dem Herrn zu stark, und er mischte ihn darum mit Wasser.