Sie setzte sich nider un nam dem totn Vogl un weinte iber ihm, bis mir wahr, als ob ich am libstn in Erdbodn fersinkn mecht. »Du hast mir das Herz gebrochn, Georg, es tut mir leid, das ich dich letzte Nach mit nachaus nahm. Mein armer Dick wahr alle bösn Jungen der ganzn Kristnheit wert.« Dann fing ich auch zum weinen an un erzehlte ihr, wie offt ich winsche, ich wer tot oder lebte auf einer wiste Insl, damit ich meine Freinde nich in so fiele Patschn bring. Das ich mich immer anschtreng ein brafer Junge zu sein, aber immer bis zun Hals in der Patsche schtek, bis ich mich schenihr, auf der Schtraße zu gehn; dann sagte sie, sie will fersuchn mir noch dismal zu ferzeihn, allso fragte ich sie, warum sie nich selbs ein par Jungen hat, damit sie sich dran gewehnt, sie im Haus zu sehn. Sie sagte, sie is sehr fro, das sie keine hat — sie will ihr Geld fir die armen Heidn hinterlassn. Ich fragte sie, ob sie eine alte Jungffer is? Un sie lachte un sagte, ein pahr roe Leite nennen sie so. Ich fragte, ob di Herrn sie nich besuchn kommen, aber grad da kamen ein pahr Dahmen zu Besuch un sie mußte im Sallohn gehn. »Ich werde nich lang weg sein — hir is Papir un Bleischtiff, zeichne liber am Papir als mit deine nassn Finger auf das Fenster. Fersuch die Zeit so geduldig zu ferbringen, wi du kannst, wir wern gablfrihschtikn, wenn di Dahmen fort sin; berihr die Kefige nich mehr un sei ein brafer Junge.«

Ich hadte das Papir bald follgezeichnt un schaute dann auf der Katz un bemerkte, wi ehnlich ihr Rickn einer Lankarte wahr, di Flekn wahrn die Welteile un Insln, die weißn Pletze wahrn die Ozjahne. Es solltn die Nahmen draufschtehn, dachte ich mir. Ich machte das Schireisn sehr heiß um zuers die Linjen fon der Lenge un Breite draufzuzeichnen, damit es natirlicher auschaut, aber ich hadte filleich erst 2 Linjen gezeichnt, wi sie zu schpukn un zu mijaun anfing un Peter aus der Schpeiskammer kam, um zu schaun, was hir so richt un di Katz wollte nich schtillhaltn, un schprang grad auf der Wandschtellasch un schmiß eine blaue Kinesische Wase henunter, die schon seit ein par hundert Jare in der Familje wahr.

»Da schau her, Birschchen,« sagte Peter greßlich erns, »drei Sachn wahrn da, auf die unser gnä Fräuln etwas hilt — ihr Kanahrivogl, die schekige Katz un der blaue kinehsische Krug. Der Kanahrifogl is tot, die Katz is fersengt un der Krug is auf lauter Schplitter zerbrochn. Wenn ich du wer ich mechte den Hut aufsetzn un draußn wartn, bis mein Fater mich abholn kommt.« Er sagte es so erns un feierlich, das ich in meine Schue zidterte. »Fräuln Ward is sehr gut,« fur er fort, »aber ich firchte, sie wird dich zur Schtatsjohn zurikschikn. Wenn sies nich tut, so sollte sie wengstens.«

»Laß mich in der Kiche wartn,« sagte ich. »Hm! Di Kechin will keinen Jungen herumschtreichn lassn, wo sie is.« »Dann will ich gehn un in meinen Schlafzimmer bleibn,« sagte ich, weil ich mich zu sehr schemte un zu engslich wahr, um die Dahme wider sehn zu wolln. Ich ging in mein Zimmer un schperrte mich ein. Fräuln Ward schikte um mich, ich soll Gablfrihschtikn kommen. Ich schrih durch dem Schlißlloch, ich hab Heimwe un will nichs essn. Ich glaub sie wahr schon mid fon einen solchn Jungen, weil sie mich ruig obn liß. Ich weinte ein bischen, aber wi ich dachte, es wird bald 6 uhr sein, wahr mir wider besser. Ich machte das Fenster auf un schaute henauf un henunter um zu sehn, ob das kleine Medchen schon fon der Schule nachaus kommt. Ich sah, daß auf ein par Häusern Fahnen draußn wahrn, allso dachte ich, ich wer auch eine aufhißn. Auf meinen Bedt war eine rote seidne Decke, die nahm ich herunter un schpendelte sie der ganzn Lenge nach auf einen Bret, das ich unter den Bedt herfornam un hengte es zun Fenster henaus. Bald kamen eine Menge Leite die Schtufn henauf un leitetn an der Glocke.

Ich herte eine fon die Weiber sagn: »Ich hab nich gedacht, daß Fräuln Ward eine Auktzjohn in ihrn Haus habn wird. Sie muß inbegriff sein, nach Eiropa zu gehn. Ich hab mir immer gewinscht in das Haus heneinkommen zu kennen, un jetz is es enlich meglich.« Filleich 20 oder 30 Leite wahrn schon beisamm, bis Peter zu den Thor kam un herauf un herunter un iberall hinschaute, bis er meine rote Fahne sah un seine Faußt schidtlte um zu meiner Thir heraufkam un mir befahl, di Fahne einzuzihn; dann nahm er di Faane herein, schlug das Fenster zu un sagte ich bin »fohlkomen greßlich!« Un Fräuln Ward kam herein so ein bischen weinend un lachend zugleich un schaute auf ihrer Uhr un sagte: »Godtseidank, Peter es is schon fier.« Un dann fihrte sie mich henunter un schaffte mir ein risiges Schtik Kuchn essn, un 2 Krehmkuchn un eine Schale Kompoht un setzte sich nebn mir un hilt mich feß bei einer Hand — wi wenn ich ein Drachn wer un sie firchtete ich wirde ohne Erlaubnis un Follmach dafonflign — un sie sagte, sie wundert sich, das meine Mamma noch lebt; un grad 20 Menutn nach 5 uhr klinglte es un ich herte di Schtimme fon meinen Papa.

Er dankte ihr 10 000 mahl un sagte, er hofft, ich hab ihr nich zu fihl Mihe gemacht, zu was sie mit einen schwachn Lechln antwortete un er schaute scharf auf mir fon Kopff bis zu Fuß un dankte ihr nochmals. Allso schlang ich meine Arme um ihrn Hals un umarmte un kißte sie un sagte ihr, wi sehr lib ich sie hab, un ich winschte, das sie sehr bald kommt un mich un Mamma besucht; un wir beide fergossn ein pahr Trehnen un selbs Peter schidtlte mir die Hand un ich wahr auf den nachausweg.