[»Er wußte nicht, daß sie geladen war«]
In unsern Haus ist ein Unfall passihrt. Mir wirde es nich sehr zur Ehre gereichn, wenn ich erzehlte, wer Schuld wahr. Ich bin ein entsetzlicher Junge. Dir, mein Tagbuch will ich alle meine Sindn geschtehn. Ich wollte es ja gar nich tun. Ferdin ich also dafir Schelte? Ich winschte die großn Leite mechtn mich nich immer so schimpfn. Ich bin ein schreklicher Junge aber nich absichtlich, es passihrt nur grad so. Jetz is die ganze Schtadt withend auf mir. Papa sagt er erwartet, das ich ins Gefengnis muß. Oh mein theires Tagbuch has du je gedacht das dein kleiner Eigenthimer in dem Kerker kommen wird? Oh es is greßlich den Kirchnforschteher un den Richter un das alte Fräuln Harkneß so die Schtirn auf sich runzln zu sehn, als wenn man ein herzloser Ferbrecher wer — wenn man es nich eimal hat tun wolln. In der Frih wahr ich ein sehr brafes Kind ich schpilte dribn bei Hansi Braun und nichs geschah — außer das ich bein Essn dribn blib, obwohl Hansis Mudter es nich wollte und dann kam er heriber un wir unterhiltn uns sehr gut. Wir warn obn in Mammas Zimmer wi sie zu Besuch aus wahr. Ich schtellte einen Sessl aufn Tisch un kraxlte henauf zu den oberstn Bredt fon den Kamihnschrank un nahm ein par Medezinflaschn un gab es Henschen zu kostn, weil er sagte es schmekt gut. Aber dann war er pletzlich ganz blaß un so krank in seinen Magn das er nich wußte ob er auf di Fiße oder aufn Kopf schteht. Also liß ihm Betti eine Schale schmutzign warmen Wasser mit Senf heneingemischt trinkn, so ein schreklicher Saft, das er alles wider henausschmeißn mußte un dann wahr ihm gut. Wi Betti um den Senf ging, gukte ich in Papas Tasche un fand dort so eine schpaßige Pestole. Hansi sagte es is ein Rewolwer un ich verbot ihm ein Wort zu sagn un lif un ferschtekte ihm unter meinen Polster.
»Wir wolln uns damit Schpaß machn, wenn dir wider ganz gut is,« sagte ich aber er mußte nachaus gehn nachdem er gebrochn hadte, sein Kopf tat ihm so weh.
Ich liß die Pestole unter meinen Polster weil ich mich firchtete Betti kennte sie sehn. Ich wollte meine Schwestern damit erschrekn, weil ich nich glaubte das sie geladn is, aber sie werdn doch erschrekn, wi wenn sie were. Medchen schrein immer wi toll, wenn sie eine Flinte oder Pestole sehn.
Also Herr Slokum kam wider zum Tee. Predger sin am libstn dabei zum Tee zu kommen, es is ihre halbe Arbeit herumzugehn un mit die Damen zu schpeisn. Ich blib ferschtekt. Pa mußte zu einer Fersammlung und Mamma ging sehn wi es Hansi geht. Susann ging mitn Dokter schpazirn un Elsbett un Lil gabn acht das der Predger in Sallohn nich einschlaft. Lily hadte seit den Abend wi sie weggelaufn war kein Wort zu mir gesprochn. Sie is gar nich mehr wi sie früer wahr, sie war so gut wi ein Junge zu einen Witz oder Schpaß, jetz mecht ich mich nich wundern, wenn sie einen Farrer heiratn mecht, so erns is sie. Ich winsche ich hedte das damals nich ausgetratscht, sie sagt, sie hedte mich zu sich genommen wenn sie Herrn Jones geheiratet hädte. So schwindn meine Hoffnungen eine nach der andere — das is eine traurige Welt.
»Nun,« sagte ich, »jetz will ich henauf schleichn un die Pestole holn, in Sallohn heneingehn un sie ein bischen aufschtörn. Sie is nich geladet. Oh was fir ein Schpaß, sie so quitschn zu hern! Betti,« sagte ich, »borg mir dein Umhengtuch, ein par Menutn, ich will Indjahner schpiln.«
Sie treimte nich in entferntsten fon einen Rewolwer un lieh mir ihr Tuch. Ich wiklte mich henein, nahm einen Schtock auf der Schulter schtatt einer Flinte un kroch hinauf, ganz leise damit sie nich bemerkn, das Indjahner ihr Lager umzingeln. Ich machte die Thir ganz, ganz leise auf un gukte henein. Der Predger un Elsbett warn am dribern Ende fon Zimmer am Sofa. Lil schtikte an einer Lampntatze, alles wahr ruig — die Schtunde war gelegen, der Moment war gekommen un mit einen unmenschlichn Geheil schtirzte ich in ihr Lager schrie dreimal »Hurra!« zilte mit der Pestole un sagte: »Ibergebt euch oder ich schise!«