Ich wollte nich gern selber hinaufkrichn, weil mir Mamma gesagt hat, ich soll nie auf einem hohn Baum klettern — ich kennte henunterfalln.

Hansi sagte, er firchtet sich. Ich sagte: »Unsinn, Hansi! Ich wußte nich das du so ein Feiglin bist. Du kanns dir eine Menge Bretzln fir di 10 Cent kaufn.« — Dann kledterte er hinauf, aber er wahr noch nich di Helfte obn, wi er ausliß oder ein Ast abrach un er herunterpurzlte; so mußte ich den Drachn obn lassn, was wirklich gemein wahr — am erstn Tag, wo ich ihm gemacht hab. Hansi tat sich beim henunterfalln ein bischen weh. Sein Fuß is gebrochn; er wird sex Wochn im Bedt lign missn. Dokter Moor hat ihm eingerichtet un zwischen Helzer oder sowas geschtekt. Armer Hansi, ich mechte ihm schreklich gern sehn un fragn wi es is, aber seine Mamma will mich nich zu ihm lassn. Betti hat mir erzehlt, das sie gesagt hat, wenn Hansi gesund is wolln sie fortzihn fon da, sie will sein Lebn nich in der gefehrlichn Nachbarschaff fon so einen schlechtn, schlechtn Jungen wi ich bin, reskihrn. Si is wirklich gemein; ich hab ihm lib un mecht ihm nich um der Welt weh tun. Ich wußte nich, das er henunterfalln wird. Wenn er sich fest gehaltn hedt, wi ich ihm früer gesagt hab, hedte er sich den Fuß filleich nich gebrochn un ich hedte ihm die 10 Cent gegebn. Ich winsche ich kennte ihm sehn, wi schpaßig er auschaut in Schtekn eingebundn. Betti sagt, Mamma is so unwol, das sie sich zubedt legn muß; warum legt sie sich zubedt? Ihr Fuß is doch nich gebrochn. Manche Leite sin so dumm, das man gar nich weiß, was man fon ihnen denkn soll.

Betti sagt auch, das Papa schreklich withig is, wegn seinen bestn Regnschirm; sie habn die Schtike in meinen Zimmer gefundn, so das sie gleich wußtn, ich hab ihm zerschnittn. Wi ich nachaus kam, pakte er mich bei der Schullter, schtiß mich henauf in mein Zimmer un ferschperrte di Thir; nimand nich eimal Betti hat mir etwas zu essn gebracht. Ich winsche Familjen hedtn keine schlechtn Kinder, di in der Patsche kommen un dann hungern missn un so ein schrekliches Gefihl im Magn habn, nachdem sie sich den ganzn Tag bein Schpiln geplagt habn. Wenn ich wißte wo der Thirschutzferein is ich mechte ihnen schreibn, wi ich behandlt wer. Hansi is noch zu klein um zu der Gesellschaff eingeladn zu wern, also braucht er sich nichs draus zu machn, wenn sein Fuß gebrochn is. Er wird Scheleh bekommen, Eingesottnes un Hihnersuppe un eine Menge gute Sachn. Oh, wi hungrig ich bin! Ich winsche ich were Hansi. Ich winsche, ich were bei Rosas Gesellschaff un kennte Gefrornes essn. Ich winsche ich were in Robinson Krusohs Hitte un kennte gerestete Muschln essn. Ich winsche es mechte ein Brotfruchbaum in meinen Zimmer waksn. Wenn ich noch eine Lampe hedte, kennt ich wenigstns fon so gute Sachn lesn, aber sogar in mein theires Tagbuch muß ich bei Mondschein am Fensterbredt kritzln — jeder Trost is mir weggenommen. Ich wer mich ins Bedt legn un fersuchn, fon den schiffbrichign Matrohsn zu treimen, der auf das Schiff geholt un gefittert un bewirtet wurde — besser wi der arme Schorschi.

[Der erste April]

Ich habe gestern un forgestern Nacht nich zuhaus geschlafn weil ich meiner libn Lil einen unerwartetn Besuch machte, un so konnte ich nich in dir schreibn, libes Tagbuch. Weiß du libes Tagbuch forgestern wahr der erster Tag fon Monath Aprill. Sie nennen ihm den Aprillsnarrntag. Die Jungen erzehltn alle schon die ganze Zeit was sie machn wolltn, aber ich wahr so ruig wi eine Eule un Papa sagt, di denkt greßlich fihl.

Es war schreklich fad, seit Hansi sich den Fuß gebrochn hat weil seine Mudter mir nich erlaubte zu ihm zu gehn — sie hat immer eine geladete Pestole bei sich, sagn sie — ich sehnte mich nach ein bißchen Schpaß. Alle sagn, die Schtadt is greßlich fad, wenn Schorschchen nichs anschtellt, sie winschn, seine Schwester wer schon ferheirat, damits ein Ende hat, un sie wirds auch nechste Woche sein, wenn nichs inzwischn passihrt; aber ich will zun 1. Aprill zurikkommen.