Von Ningpo gehen die Küstendampfer nördl. durch die Hangtschou-Bai und folgen dem Dampferweg zur Yangtsemündung nach Wusung und (930 Seem.) Schanghai (S.246 ).
B. Die Reichspostdampfer fahren von Hongkong nö. durch die Formosa- (oder Fukiën- ) Straße, außerhalb (östl.) der Ockseuinseln und der Turnaboutinsel östl. Haitan (beide mit Leuchttürmen). Diese Gewässer sind reich an Seetieren; man kann Menschenhaie, auch Hammerhaie, Walfische und große Fliegende Fische sowie Delphine beobachten, außerdem große dunkelbraune Möwen und andre Vögel. Die See ist meist lebhaft bewegt, so daß sich bei nicht seefesten Reisenden zuweilen nochmals Seekrankheit einstellt; dann empfiehlt es sich, die frische Luft an Deck als bestes Heilmittel zu genießen, denn auf der Höhe von Swatau tritt man beim Überschreiten des Wendekreises des Krebses aus dem Tropengürtel in die gemäßigte Zone. Der NO.-Monsun bringt frischkühles Wetter.
Die Ostseite der Formosastraße bildet die Insel Formosa, von den Chinesen und Japanern Taiwan genannt, 395 km lang und etwa so groß wie Ostpreußen. Abgesehen von der kultivierten Küstenniederung im W., die von Chinesen bewohnt wird, ist die Insel noch sehr wenig bekannt. In dem gebirgigen, bis über 4000 m aufsteigenden Innern wohnen malaiische Stämme, wohl auch noch ältere Stämme bisher nicht sicher erforschter Herkunft. Seit 1895 gehört die Insel den Japanern, die Eisenbahnen, Landstraßen und Telegraphen angelegt haben. Wichtigster Seehafen ist Kiirun, am Nordende der Insel, mit vorzüglichem, von den Japanern stark befestigtem Hafen, Hauptstadt ist Taihoku mit etwa 100000 Einw.—Ein Besuch der landschaftlich sehr schönen Insel ist wohl lohnend, wird aber wohl kaum für den flüchtigen Weltreisenden in Betracht kommen, zumal die Unterkunftsverhältnisse auf der Insel noch sehr primitiv sind und der Reisende vielfach auf die Gastfreundschaft ortsansässiger Kaufleute u. a. angewiesen ist.
Vor der Westküste von Formosa liegen die basaltischen Pescadoresinseln (japanisch Hōko rettō ), die auf der Insel Ponghau ( Hōko tō ) den vorzüglichen Schutzhafen Makung ( Makyū kō oder Bakō kō ) haben, der als japanischer Flottenstützpunkt ausgebaut ist; sein Besuch ist Europäern nicht erlaubt.
Nördl. von Turnabout erreicht man das Ostchinesische Meer, das ähnliche Windverhältnisse wie das Südchinesische Meer (S.220 ) hat; doch weht der NO.-Monsun im November und Dezember als voller Sturm. Die besten Monate sind Februar, März und April mit meist heiterm Himmel. Taifune sind im Mai bis September nicht selten, Hauptzeit ist August, September und Oktober. Im Ostchinesischen Meer ist die Bahnrichtung der Taifune meist nördl. bis nö. (doch kommen auch andre Richtungen vor), deshalb sind die gefährlichen Windstriche andre als im Südchinesischen Meer, und dementsprechend ändern sich die Regeln zur Vermeidung der Sturmmitte.—Von Turnabout steuern die Postdampfer östl. der Insel Hieschan und dann zwischen den Felseninseln Tongting und Piting durch; dann wird der Leuchtturm der Steepinsel angesteuert und zwischen dieser Insel und andern durch auf die 118 m hohe südlichste Bonhaminsel (mit Leuchtturm) zugedampft. Nachdem die Bonhamstraße zwischen den Bonhaminseln und der Insel Pirie durchlaufen ist, steuert man auf die kegelförmige, etwa 80 m hohe Gützlaffinsel (mit Leuchtturm) zu, die wichtigste Ansteuerungsmarke für die Yangtsemündung; sie ist Signalmeldestelle für Schiffe, fünf Telegraphenkabel landen auf der Insel, davon laufen zwei nach Schanghai, eins nach Amoy, zwei nach Nagasaki. In der Nähe der Insel sichtet man das Tungscha-Feuerschiff, das auf der großen Yangtsebank die Einfahrt in die seichte Flußmündung bezeichnet; dort kommt der Lotse an Bord (falls er nicht schon in Hongkong sich einschiffte) und führt den Postdampfer in die an schmutziggelbem Wasser kenntliche Mündung des Riesenstroms, des Yangtsekiang, hinein, wo man anfangs nur Feuerschiffe und Seezeichen, später l. auch einen ganz flachen und öden Küstenstreifen sieht. Große Dampfer ankern bei niedrigem Wasserstand im Huangpu auf der Reede von
Wusung ( Woosung Forts Hôtel ), als Vorhafen für Schanghai wichtig, liegt an der Mündung des Huangpu in den Yangtse; die alte Stadt ist durch Überschwemmungen zerstört; jetzt sieht man nur einige Häuser und Lagerschuppen. Die 16 km lange Bahn nach Schanghai wurde 1876 erbaut, 1877 durch fanatische Chinesen zerstört (die in der Lokomotive eine Verhöhnung des Drachengottes sahen) und erst 1898 neu gebaut. Am Flusse sind Schiffbauwerften. Chinesische Kanonenboote und Zollkreuzer liegen vor Wusung.
Schanghai.
Schanghai.
Vgl. beifolgende Pläne.
Ankunft zur See. Die Postdampfer laufen jetzt meist durch das ausgebaggerte Asträa-Fahrwasser bis Schanghai; müssen sie gelegentlich in Wusung ankern, so befördern sie ihre Reisenden mit Tendern (Dampfbooten) nach Schanghai; da in der Hauptreisezeit die Gasthöfe in Schanghai oft überfüllt sind, tut man gut, auf seinem Dampfer zu bleiben, wenn man erst Nm. in Wusung ankommt und nicht Zimmer telegraphisch von Hongkong vorausbestellt hat.—Die fast zweistündige Fahrt im Huangpufluß bietet wenig Sehenswertes, da die Ufer flach und eintönig sind; der Dschunkenverkehr auf dem Fluß ist sehr lebhaft.