Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie »Admiral v. Tirpitz« und »Staatssekretär Kraetke« jeden So. ab Schanghai über (390 Seem.) Tsingtau und (550 Seem.) Dairen nach (690 Seem.) Tientsin, Fahrzeit 4 Tage; Rückfahrt von Tientsin jeden Sa. oder So.—Ferner Dampfer »Gouverneur Jaeschke« und »Sikiang« jeden Mi. von Schanghai über Tsingtau und (500 Seem.) Tschifu nach Tientsin, Fahrzeit 5 Tage; Rückfahrt von Tientsin jeden Mi. oder Do. Im Winter (Dezember-März) ist der Hafen von Tientsin durch Eis geschlossen, dann laufen die Dampfer nach Dairen oder Tschinwangtao (von da mit Bahn nach Tientsin). Fahrpreise: von Schanghai nach Tsingtau I. Kl. $ 33, II. 20, hin und zurück $ 50 und 30; nach Tschifu I. 35, II. 20, hin und zurück 55 und 33; nach Dairen I. 45, II. 27,50, hin und zurück 67,50 und 41,25; nach Tientsin I. Kl. $ 60, II. 33, hin und zurück $ 90 und 50. (Der Wert des mexikanischen Dollars schwankt nach dem Silberkurs, z. B. Anfang 1903 = 1,66 M., Anfang 1907 = 2,40 M., zurzeit 2,35 M.).

Eisenbahn von Tsingtau nach Peking s. S.271; der Landweg ist besonders im Winter zu empfehlen, wenn die Schiffahrt nach Tientsin durch Eis gesperrt ist.

Fahrt von Schanghai nach Wusung S.246; die Yangtsemündung wird durch das nördl. Fahrwasser verlassen, das nahe an der 60 m hohen Insel Schaweischan (mit Leuchtturm) vorbeiführt. Die niedrige Küste kommt bald aus Sicht, das Wasser bleibt aber gelb gefärbt, solange der Kurs die seichten Bänke nördl. vom Yangtse kreuzt. Nach etwa 30 St. taucht das Lauschangebirge (S.270 ) auf, dessen Ost-und Südseite fast unmittelbar aus dem Meere bis 700 m ansteigt; die Hauptkette hat über 1000 m Höhe, der höchste Punkt, der Lauting, 1130 m. Die Küste in der Umgebung der Kiautschoubucht ist kahl, ebenso sehen die vorgelagerten Inseln Tschalientau (Leuchtturm mit starkem Blitzfeuer) und Taikungtau aus. Später erkennt man die Einfahrt in die Kiautschoubucht zwischen dem Kap Jaeschke an der Südseite, hinter dem sich ein 166 m hoher Hügel erhebt, und der niedrigen Halbinsel Yunuisan an der Nordseite unmittelbar vor der felsigen Halbinsel, auf der die Stadt Tsingtau (S.267 ) liegt, deren stattliche europäische Häuser aus großer Entfernung zu erkennen sind.

Kiautschou. Das am 14. November 1897 besetzte, der Verwaltung des Reichsmarineamts (Gouverneur: Kapitän z. S. Meyer-Waldeck) unterstellte deutsche Schutzgebiet umfaßt die große Kiautschoubucht bis zur Hochwassergrenze, die darin liegenden Inseln Yintau und Huangtau und die den Eingang zur Bucht bildenden Halbinseln sowie einige kleinere Inselchen; das ganze landfeste Gebiet ist nur etwa 550 qkm groß (Staat Hamburg 415 qkm). Eine 50 km breite »neutrale Zone« umgibt es. Der wichtigste Teil des Schutzgebietes ist die nördl. Halbinsel, nahe deren Spitze die Stadt Tsingtau angelegt worden ist. Die Kiautschoubucht selbst ist zwar groß u. vor Stürmen ziemlich geschützt, aber kein guter Naturhafen, da sie großenteils ganz flach ist; nur der Eingang und die diesem naheliegenden Teile sind tiefer, der Handelshafen ist auf der Innenseite der Tsingtau-Halbinsel durch Errichtung eines großen halbkreisförmigen Steindammes und Molen künstlich geschaffen. Tsingtau ist in erster Linie der politische Stützpunkt Deutschlands in Ostasien; doch hat es auch alle Aussicht, ein wichtiger Handelshafen zu werden, obgleich ihm die Wasserwege nach dem Binnenlande, die Hongkong bez. Kanton und Schanghai groß gemacht haben, fehlen; dieser Mangel wird aber zum Teil durch die Schantungeisenbahn ersetzt, die für den Zugang zum nördl. Teil der Großen Ebene eine breite, hinter der Kiautschoubucht sich öffnende Senke im Gebirgslande von Schantung benutzen konnte, und durch die Eisfreiheit des Hafens ausgeglichen. Das schon obenerwähnte, für nordchinesische Verhältnisse angenehme Sommerklima hat Tsingtau rasch zu einem beliebten Seebad für die Europäer ganz Chinas werden lassen.
In den wenigen Jahren, die seit der deutschen Besitzergreifung verflossen sind, ist unter den Gouverneuren Rosendahl, Jaeschke und Truppel an Stelle des armseligen, verseuchten Fischerdörfchens Tsingtau eine gesunde, mit allen modernen Einrichtungen versehene Europäerstadt mit zahlreichen öffentlichen Gebäuden und neben ihr, in der Nähe des Hafens, das Chinesenviertel Tapautau emporgewachsen. Die kahlen Berghöhen der Umgebung beginnen unter der Pflege der deutschen Forstverwaltung sich zu begrünen, und ein reger »Bergverein« sorgt für die touristische Erschließung des Lauschan mit dem Mecklenburghaus (S.270 ).— Vgl. Gg. Wegener, Das Kiautschougebiet (in Hans Meyer, Das Deutsche Kolonialreich, Band II).

Umgebung von Tsingtau.

Tsingtau.

Vgl. beifolgende Karte mit Plan.

Ankunft zur See. Der Dampfer steuert durch die 3 km breite Einfahrt zwischen Kap Jaeschke (l.) und Yunuisan-Leuchtturm (r.) in die Kiautschoubucht hinein, dann um die Tonne des Hufeisenriffs (r.) herum durch die Baggerrinne in den großen, neu angelegten Handelshafen, an dessen Kai festgemacht wird. Das Hafengebiet ist Freihafen; Tsingtau selbst gehört seit 1906 zum chinesischen Zollgebiet, doch ist Privatgepäck von Reisenden zollfrei. Zollabfertigung durch das chinesische Seezollamt an der Grenze des Freihafengebiets (C 2).
Gasthöfe: Prinz Heinrich (Pl. B5), Kaiser-Wilhelm-Ufer; 90 Z., F. $ 1, Ged. 1,50, Pens. $ 5-10, monatl. von $ 100 an.— Strandhôtel (D3), an der Auguste-Viktoria-Bucht (Kurhaus, geöffnet Mai-Oktober); 30 Z., F. $ 1, Ged. 1,50, Pens. $ 8-12, Monatspreise billiger. — Central (Pl. B5), 30 Z., Pens. $ 5-6.— Metropole, Friedrichstr. 260; 15 Z., Pens. $ 3-4.— Familienpension Luther, Hohenloheweg, Pens. $ 6. Küche gerühmt.— Pension Frau Mohrstedt; Pension Frau Röper, beide billiger und Irenestraße.
Restaurants: Hotel Kiautschou, Ecke Friedrich-und Prinz-Heinrich-Straße. — F. Vogt, Friedrichstr.— Zum Pschorrbräu ( Dachsel ), echte Biere, Küche gut, Tirpitzstr.— Haase, Friedrichstr. — Zur Börse, Schantungstr.— Lehmann, Schantungstr.— Bahnrestaurant, Hohenzollernstr.— Café: Keining, Friedrichstr., auch Konditorei.
Post, Tel. und Telephon (Pl. B5), Albertstraße. Telegraphenkabel nach Schanghai und Tschifu.
Wagen liefern J. Richardt und A. W. Heinzel, Speditionsgeschäfte.— Reitpferde (chines. Ponys) ebenda.— Rikschas I. und II. Kl. sind reichlich vorhanden. Automobile sind zu mieten.
Eisenbahn (Bahnhof A5) von Tsingtau über Kiautschou und Weihsien in 11 1 / 2 St. nach (412 km) Tsinanfu (S.272 ); Zweigbahn nach Poschan. (Direktion der Schantung-Eisenbahn in Berlin, Behrenstr. 14.) Die Strecke Tsinanfu-Tientsin (335 km) der Tientsin-Pukou-Eisenbahn ist bis auf die Hoanghobrücke fertig (vgl. S.275 und Reichskursbuch Nr. 706).
Dampfer (S.265 ): jeden Di. u. Sa. nach Schanghai, jeden Di. u. Fr. nach Dairen und Tientsin. Einmal monatl. direkter Reichspost-(Lloyd-)Dampfer nach und von Deutschland. Außerdem Fahrgelegenheiten mit englischen, chinesischen und japanischen Passagierdampfern (Fahrpläne in den Tageszeitungen).— Hamburg-Amerika Linie, Agentur Friedrichstr.— Norddeutscher Lloyd, Agent Melchers & Co., Kaiserstraße (Tel.-Adr.: » Nordlloyd, Tsingtau «).
Münzwesen und Geldverhältnisse chinesisch, vgl. S.219; deutsche Nickelmünzen zu 5 u. 10 Cents; chinesische 5-, 10-u. 20-Centsstücke werden nur mit 10-20 Proz. Verlust genommen. Silbergeld: Mexikanische Dollars; Banknoten der Deutsch-Asiatischen Bank zu $ 50, 20, 10, 5, 1.— Banken: Deutsch-Asiatische Bank (Pl. B5), Kaiser-Wilhelm-Ufer (Zentrale in Berlin, Behrenstr. 14); Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.— Hongkong & Shanghai Banking Corporation, Agentur: Arnhold, Karberg & Co.
Theater: ein chinesisches.
Klub: Tsingtau-Club (Einführung durch Mitglied erforderlich), am Kaiser-Wilhelm-Ufer.
Fremdenführer: »Führer für Tsingtau und Umgebung« von Dr. Fr. Behme und Dr. M. Krieger (4. Aufl., Wolfenbüttel 1911); in den Buchhandlungen in Tsingtau und auf den deutschen Dampfern zu haben (auch eine englische Ausgabe).
Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs (Vorsitzender H. v. Kropff ) erteilt Auskünfte und gibt den Führer des Verkehrsausschusses (Preis 30 Cents) heraus.— Bäder: Seebad mit Strandhotel (s. oben).— Ärzte: Mehrere Marineärzte; Zivilarzt Dr. Wunsch, Prinz-Heinrich-Straße; Zahnarzt Buchinger, Friedrichstraße.— Rote Kreuz-Apotheke, Prinz-Heinrich-Straße (Pl. B5). — Krankenhäuser: Vorzügliches Marinelazarett mit Frauenpavillon; Faber-Krankenhaus, für Europäer (Pl. B4); Faber-Hospital (C2), für Chinesen.

Buchhandlungen: Paul Lindner; — E. Rose, beide Friedrichstraße.— Deutsch-chinesische Druckerei und Verlagsanstalt Walther Schmidt, auch Buchhandlung, Friedrichstr. 410, gibt heraus die Tageszeitung: »Tsingtauer Neueste Nachrichten« nebst Wochenausgabe »Kiautschou-Post« (Redakteur H. v. Kropff).— Photograph: F. Takahashi, Friedrichstr.— Photographische Gebrauchsgegenstände liefert die Rote Kreuz-Apotheke, Prinz-Heinrich-Straße. —Das Photographieren von Festungswerken ist wie in Deutschland verboten.
Geschäftsadressen. Optiker und Uhrmacher: Fischer, Ecke Prinz-Heinrich- und Albertstr.; Kleiderhändler: Paul Heinrich, Friedrichstr.; Warenhäuser: Sietas Plambeck & Co.; Schwartzkopf & Co., Hohenzollernstr.; Baumann; Grill, beide Friedrichstr.; Konserven und Materialwaren: Boedicker & Co.; O. Linke, Prinz-Heinrich-Straße; China-und Japanwaren in Lack, Seide und Porzellan: Singtai & Co., Friedrichstr.; Cheap Jack & Söhne, chinesisches Seidenhaus, Kiautschoustraße.
Konsulate: Vereinigte Staaten von Amerika, Diederichsweg, Konsul Mac Nelly; England, bei Firma Cornabé, Eckford & Co., Ecke Schansi-und Tsinanstr.; Rußland, Vizekonsul Kropatschek, Bismarckstraße.

Tsingtau (»grüne Insel«), die Hauptstadt des deutschen Kiautschougebiets, hat (1910) 38OOO Einw., darunter 1600 Europäer (ohne 2500 Mann Militär), im Landgebiet wohnen 127000 Chinesen; die Stadt liegt auf 36° 4' nördl. Br. (wie Gibraltar) zwischen Hügeln auf der Halbinsel an der Ostseite der Kiautschoubucht. Sämtliche Hafenanlagen, städtischen Anlagen, Wege und Bahn sind deutsche Arbeit, mit deutschem Gelde geschaffen. Der Handelshafen (BC1; Großer Hafen genannt, im Gegensatz zum Kleinen Hafen[B2], der dem Dschunken und Bootsverkehr dient) mit großem Schwimmdock nimmt Schiffe jeder Größe auf, seine Kaianlagen sind mit Bahngleisen, Warenschuppen und mit einer größern Reparaturwerft versehen. Die Stadt ist weitläufig und gesund angelegt; an der Tsingtaubucht liegen das deutsche Geschäftsviertel (BC2, 3) mit dem alten Yamen, Lazarett und Kasernen (C3). Nördl. davon erstreckt sich bis zum Kleinen Hafen das Chinesenviertel Tapautau (C2, 3) mit Markthalle und Missionsanstalten. Zwischen Tapautau und dem Handelshafen sind die Lagerhäuser und Bureaus der großen Exportfirmen. Östl. vom Yamen liegt das Villenviertel an der Auguste-Viktoria-Bucht (D3). In der Tsingtaubucht (BC3) sind mehrere Landungsbrücken für Boote. Die Gesundheitsverhältnisse von Tsingtau sind dank der guten hygienischen Einrichtungen die besten an der ganzen ostasiatischen Küste geworden, daher und wegen des angenehmen Sommerklimas wird die Stadt von europäischen Badegästen aus allen Häfen Ostasiens als Seebad besucht. Die Gouvernementschule (C5) ist ein Reformrealgymnasium (1910 mit 170 Schülern und 10 Lehrern) in 9 Klassen (Vorschule, Sexta bis Sekunda); Alumnat für Auswärtige bei einem Oberlehrer sowie in einzelnen Familien. Die deutsche Mädchenschule wird von Franziskanerinnen geleitet. Die Kiautschoubibliothek umfaßt bereits etwa 30000 Bände, im Lesezimmer liegen 70 deutsche und englische Zeitungen und Zeitschriften aus. Die meteorologische Station (Direktor Dr. Meyermann; ein großes Observatorium, Geschenk des Flottenvereins, ist Anfang 1912 in Benutzung genommen) auf dem Wasserberg (BC4) gibt tägliche Wetterkarten heraus. Mehrere Krankenhäuser sind von den Missionen eingerichtet.