Dampferfahrt. Aus dem Gelben Meere dampft man von Tschifu durch die mit Inseln reich besetzte Straße von Petschili in den Golf von Petschili ( Tschili ), dessen nördlichster Teil Liautunggolf heißt. Im Winter kann die Fahrt sehr kalt und stürmisch sein; meist benutzen die Dampfer die Tschangschan-Durchfahrt, wobei die Große Bambusinsel (Tatschuschan) etwa 4 Seem. und die Kleine Bambusinsel (Siautschuschan) r. und die Insel Tschangschan l. bleiben und dann das Blinkfeuer der Insel Hauki nahe passiert wird. Das Land an der Peihomündung ist so flach und niedrig, daß man nur die Schiffe auf der Reede, das Feuerschiff und r. den Leuchtturm auf der Insel Schaluitien sieht. Kleine Dampfer werden vom Lotsen über die Takubarre gebracht, während große auf der Reede, 8 Seem. seewärts von Taku, ankern; die Reisenden werden mit Dampfbarkassen in 1 St. an Land gesetzt. Bei der Einsteuerung in den Fluß sieht man die am 17. Juli 1900 während der Wirren eingenommenen Takuforts, bei deren Beschießung sich das deutsche Kanonenboot »Iltis« unter Korvettenkapitän Lans hervorragend auszeichnete; die durch Kapitän z. S. Pohl eroberten Forts sind jetzt gänzlich zerstört und dürfen nicht wiedererbaut werden; hinter dem alten Südfort am r. Ufer liegen die Lotsenhäuser der europäischen Takulotsen. Nach zwei scharfen Biegungen in der flachen Flußniederung des Peiho (vgl. beifolgende Karte), wo viele wagerecht drehende Windmühlen (Salzmühlen) die seichten Salzbecken mit Seewasser zur Salzgewinnung speisen, nahebei hohe Salzlager, vorbei am großen Fischerdorf Taku, erreicht man

Tongku ( Station Hotel; Hôtel du Louvre, französische Küche, 12 Z., Pens. $ 6; Bahnwirtschaft ), Hafenstadt für Tientsin und Peking, zugleich Ausgangspunkt der Bahnlinien nach Peking und Yingkou (Inkau), ein schmutziges Nest, in dem vorläufig noch deutsche, englische, japanische und französische Truppenposten stehen. Passagierdampfer landen an den Anlegebrücken nahe dem Bahnhof. Agentur des Norddeutschen Lloyd in Tongku (Taku): Melchers & Co. Außer den S.278 angeführten deutschen Dampfern nach Tschifu, Tsingtau und Schanghai laufen japanische, englische und chinesische ebendahin und nach Nagasaki, Kobe, Dairen, Antung (am Yalu), Tschimulpo und Hongkong. Man beachte, daß die nach Japan verkehrenden Dampfer meist klein, daher bei schlechtem Wetter recht unbequem sind; Weltreisende sollten möglichst die Vorschläge S.249 beachten, also von Berlin mit der Bahn über Peking-Hankau nach Schanghai reisen und von da mit großem Postdampfer nach Japan. Da außerdem für die Fahrt Tientsin-Japan meist wenig Kabinen I. Klasse verfügbar sind, muß man frühzeitig vorausbestellen.

Von Tongku nach Peking mit der Nordchinesischen Bahn in 1 1 / 2 St. für I. $ 1,6o, II. $ 1. (Die meisten Bahnbeamten sind Chinesen.) Haltestellen sind Hsinho und Künliangtschöng; nach schneller Fahrt durch die im Winter eintönige, im Sommer meist mit Kauliang, einer bis 3 m hohen Hirseart, bestandenen Ebene der Peihoniederung am l. Ufer des Flusses erreicht die Bahn (43 km) Stat. Tientsin Settlement.—Weiter nach Peking vgl. S.277.

14. Peking und Umgebung.

Vgl. beiliegendenPlan.

Ankunft. Die beiden Kopfstationen der Nordchinesischen Bahn und der Peking-Hankau-Bahn liegen östl. und westl. vom Haupttor Tchiën-mönn. Vom Mukdenbahnhof erreicht man das Hôtel des Wagons-Lits zu Fuß in 3 Min. durch das»Water Gate«. Vom Hankaubahnhof fährt man in Rikscha 10 Min. zum Hotel durch das Tchiën-mönn. Hausdiener der Gasthöfe sind am Bahnhof.
Gasthöfe: Grand Hôtel des Wagons-Lits (deutsche Leitung), I. Haus, mit allem Komfort, 100 Z., Pens. $ 8-12, oft überfüllt, daher telegraphische Vorausbestellung (»Wagonlits-Peking«) dringend anzuraten.— Hôtel du Nord (deutscher Inhaber O. Ludwig), beim Tore Hatamönn, billiger, aber (sehr primitiv) in alten Chinesenhäusern.— Hôtel de Pékin (italienische Leitung), am Nordglacis.—Chinesische Gasthöfe sind für europäische Reisende unbewohnbar. Chinesische Speisehäuser (stets ungemütlich und schmutzig) zeigt der Führer. Vorher zu Hause essen!
Telegraph in der Telegraph Lane (vgl. Plan).
Postanstalten, deutsche, französische, japanische, russische, im Gesandtschaftsviertel.
Wagen besorgen die Gasthöfe, ebenso Rikschas.
Automobile zu Fahrten zum Sommerpalast (1 St.), Zoologischen Garten ( 1 / 2 St.).
Führer (Erklärungen mit Vorsicht aufzunehmen) besorgen die Gasthöfe, desgleichen Reittiere und Tragstühle zu Ausflügen.
Eisenbahnen: Nordchinesische Bahn (Imperial Railways of North China) nach Tientsin (S.277 ) und nach Mukden (S.324 ) mit Anschluß an die Südmandschurische Bahn (Reichskursbuch 706) über Charbin-Irkutsk-Moskau nach Berlin (S.301 ); die Mongolische Bahn (Imperial Peking-Kalgan Railway) nach Suiyüan (S.295 ) und die Peking-Hankau-Bahn oder Peihan-Bahn (Reichskursbuch 706; Imperial Ching-Han Railway) nach Hankau (S.259 u.299 ).
Geld s. S.219. Viel falsches Silber-und Kupfergeld ist im Umlauf.— Banken: Deutsch-Asiatische Bank; Hongkong & Shanghai Banking Corporation; beide Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft, erstere auch der Deutschen Bank in Berlin und der Allgem. Deutschen Creditanstalt in Leipzig. Ferner (seit 1910) Russisch-Asiatische Bank; Yokohama Specie Bank; Banque de l'Indo Chine, sämtlich in der Gesandtschaftsstraße.
Theater: In der Chinesenstadt, die besten in dem 1900 niedergebrannten Stadtteil sw. vom sogen. Kaisertor in der Straße Dà-schi-laol und ihren Parallelstraßen. Theater alten Stils am Fleischmarkt Jóū-schi, sö. vom Kaisertor. Beste Plätze auf der Galerie; Mitnahme eines Führers ratsam.

Peking.

Reisebureau der Schlafwagengesellschaft im Hôtel des Wagons-Lits.— Führer: Boy-Ed, Peking und Umgebung, $ 2,20, und andre Führer in englischer Sprache im Hotel des Wagons-Lits käuflich.
Gesandtschaften (meist an der Gesandtschaftsstraße): Deutsches Reich, Gesandter Se. Exzellenz Wirkl. Geh. Rat Graf v. Rex (Sommersitz in Peitaiho). — Österreich-Ungarn, Ritter v. Kuczynski.
Deutscher Arzt: Stabsarzt Dr. Gelinsky, deutscher Gesandtschaftsarzt.— Deutsches Krankenhaus und Militärlazarett nördl. der deutschen Offiziershäuser. — Deutsche Apotheke: J. Betines & Co. im amerikanischen Hospital an der Hatamönnstraße, gegenüber Hôtel du Nord. Französisches Krankenhaus St.-Michel in der Gesandtschaftsstraße.
Geschäftsadressen. Deutscher Photograph: M. Hartung, gegenüber deutschem Offizierskasino; japanischer (gut) Yamamoto, neben Direktion der Peking-Hankau-Bahn;—Reiseausrüstung etc.: Kierulff & Co. (deutscher Inhaber Krüger), Gesandtschaftsstraße; H. Bahlke (deutsch), Hatamönnstraße, neben Hôtel du Nord; L. Wanniek (Österreicher), ebenda;— chinesische Geschäfte in der Hatamönnstraße und in der Chinesenstadt.
Zeiteinteilung für 10 Tage. 1. Tag: Gesandtschaftsviertel und Abendspaziergang auf der Mauer.—2. Tag: östliche Mandschustadt bis zum Gelben Tempel.—3. Tag: westliche Mandschu-und Kaiserstadt.—4. Tag: Chinesenstadt.—5. und 6. Tag: Ausflug zum kaiserlichen Sommerpalast (geöffnet jeden 5., 15., 25. chinesischen Datums, 3 Tage vorher bei Gesandtschaft einschreiben) und in die Westberge. —7.-10. Tag: Ausflug nach der Großen Mauer und den Minggräbern. —Ganz flüchtige Reisende brauchen 2 Tage für Peking, 1 Tag Sommerpalast und 3 Tage für den Ausflug zur Großen Mauer und den Minggräbern. Vgl. auch Zeiteinteilung auf S.294.—Zu genaueren Studium der Stadt nehme man mindestens 4 Wochen Aufenthalt.
Hand Für Umschreibung der chinesischen Laute mit lateinischen Buchstaben befolgt jeder Schriftsteller über chinesische Dinge sein eignes System. Im folgenden sind die chinesischen Worte in der praktischen Umschreibung nach dem System Sir Thomas Wade's wiedergegeben, dessen Hauptregel ist: die Vokale wie im Deutschen, die Konsonanten wie im Englischen zu sprechen. Da viele Abweichungen vorkommen, ist die Aussprachebezeichnung in eckigen Klammern [] beigefügt; man merke: alle Laute wie im Hochdeutschen mit folgenden Besonderheiten: y = j in Jahr, jung; j = französisch j in Journal, Jongleur; h = ch in Bach, Loch; ch = ch in China, Chemie; ie stets getrennt sprechen i-ĕ (nicht wie langes i), ebenso ou, das entweder ŏ-ū oder ō-ū lautet; w wie englisch w (nicht wie deutsches w).

Geschichtliches. Die ältesten Nachrichten sind vom Jahr 1121 v. Chr., als ein Nachkomme des berühmten Kaisers Huang Ti mit der Stadt Chi[Dyi] belehnt wurde. Vom 8.-3. Jahrh. v. Chr. ist Chi die Hauptstadt des Königreiches Yên[Yĕn]. Unter der Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.) heißt die Stadt Yu-chou[Yó-djŏu]. 936 wurde sie von den aus Liaotung hereinbrechenden Kitan-Tataren erobert, die als Liao-Dynastie über Nordchina herrschten und die Stadt im Gegensatz zu ihrer nördlichen Hauptstadt Liaoyung Nanking = »Südliche Hauptstadt« nannten. Seit jener Zeit ist Peking mit kurzen Unterbrechungen die Residenz geblieben. Als 1125 die Chin-[Dyin]-Tataren die Liao vertrieben hatten, wurde Peking unter dem Namen Chung-tu[Djúng-du] ihre Hauptstadt. 1215 vertrieb der mongolische Eroberer Djingis Khan die Chin und machte Peking zur Hauptstadt einer Provinz seines Reiches. Sein Enkel Kublai Khan verlegte 1264 die Residenz der mongolischen Kaiser von Karakorum nach Peking und erweiterte 1267 die alte Stadt, die er Ta-tu[Dá-du, »Große Hauptstadt«], mongolisch Khanbaligh, »Stadt des Khan«, nannte. Zugleich errichtete er ein System von Peking ausgehender, fester Straßen.

Der Grund, einen so exzentrisch gelegenen Platz zur Hauptstadt des gewaltigen Reichs zu machen, mag in der sichern Lage der Örtlichkeit beruht haben. Vom Meere her drohten in frühern Zeiten keine Gefahren, und nach N. und W. genoß Peking schon durch die schwere Überschreitbarkeit des in diesen Richtungen liegenden Gebirgslandes einen guten natürlichen Schutz, der durch das großartige Befestigungssystem der»Großen Mauer«noch erhöht wurde. 1368 vertrieb Hung Wu, der erste Kaiser der einheimischen Ming-Dynastie, die Mongolen aus China und änderte den Namen des eroberten Peking in Pei-p'ing-fu[Bè-ping-fú]], residierte aber selbst in Nanking. 1409 verlegte der dritte Mingkaiser Yung Lo die Residenz von dort nach Pei-p'ing-fu, das nun zum erstenmal den Namen Peking (chines. Pei-ching [Bé-dying]) erhielt. Dieser Name ist in Europa allgemein bekannt geworden durch die zu jener Zeit zum erstenmal eintreffenden Jesuitenmissionare, die den Namen Peking ihren Karten einverleibten. Die Chinesen selbst nennen Peking einfach Ching[Dying] =»Hauptstadt«; amtlich heißt es Shun-tien-fu, und in der gelehrten Schriftsprache hat es seinen alten Namen Yên behalten. 1644 wurde die Stadt von den Mandschu beim Sturze der Ming-Dynastie geplündert, 1662 und 1730 von Erdbeben heimgesucht. 1728 gründeten hier die Russen eine Kolonie Peking; englische Gesandte residierten hier zeitweise seit dem Opiumkrieg (S.216 ), französische, italienische, deutsche folgten 1861. Am 12. Okt. 1860 wurde die Stadt nach leichten Gefechten und einem Bombardement der Nordmauer vom Gelben Tempel aus den englisch-französischen Truppen für einen Tag geöffnet. Man begnügte sich mit einem kurzen Demonstrationsmarsch durch die An-ding-mönn-Straße, zerstörte aber den Sommerpalast, um die Ermordung der englischen Parlamentäre zu rächen. Anfang Juni 1900 erreichte die Boxerbewegung Peking. Vom 12. Juni bis 14. Aug. war die Stadt von allem Verkehr mit der Kulturwelt abgeschnitten (vgl. S.276 ). Nach der Einnahme blieb Peking über 1 / 2 Jahr von den verbündeten Truppen besetzt. Neuerdings soll der Sitz der republikanischen Regierung nach Nanking verlegt werden.