Von Tscheljabinsk fährt man zuerst durch die unwirtliche»Gorkaja«, unkultiviertes Steppenland mit Mooren und Salzseen; nach einiger Zeit beginnt aber fruchtbares, großenteils schon mit russischen Bauern besiedeltes Schwarzerdeland. Über (2177 w) Schumicha (Bahnwirtschaft) und Syrjanka, wo die Verwaltungsgrenze zwischen dem europäischen und dem asiatischen Rußland überschritten wird, nach (2301 w) Kurgan (Bahnwirtschaft), rasch aufblühender Stadt am l. Ufer des Tobol, 1 1 / 2 w vom Bahnhof; Kotzebues Verbannungsort 1800; lebhafter Butterhandel, von Dänen ins Leben gerufen.— Etwa 6 w weiter auf 470 m langer Brücke über den Tobol, dann durch Sumpfgegend nach (2550 w) Petropawlowsk (138 m; Bahnwirtschaft ), 3 w vom Bahnhof die Kreisstadt Petropawlowsk mit 37900 Einw. (viele Mohammedaner), am r. Ufer des Ischim, 1752 begründet zum Schutz gegen die Kirgiskosaken. In der Stadt ein Tauschhof mit zahlreichen kleinen Läden; lebhafter Vieh-und Fellhandel, Schlächtereien, Gerbereien, Wollwäschereien; hübscher Stadtgarten; deutscher Apotheker. Viele kirgisische Nomadenkarawanen kommen aus der Steppe nach Petropawlowsk.—Nun folgt einförmige Steppe; (2677 w) Isil-Kul (Bahnwirtschaft).—Weiterhin über den Irtysch (Nebenfluß des Ob) auf 685 m langer Brücke.

(2806 w) Omsk (87 m; Bahnwirtschaft; Zweigbahn stündl. nach der 3 w südl. gelegenen Stadt; Tarantás dahin 50 Kop., Gasthöfe: Hotel Rossija, Saizew, Dworzowaja; Schtschepanowskij, Nikolskajaplatz), aufblühende Stadt mit 84400 Einw., Sitz der Verwaltung des Generalgouvernements der Steppe, mit starker Garnison, hat ein ethnographisches Museum auf dem Basarplatz; deutsch-luther. Kirche; deutscher Vizekonsul Oskar Nolte, Moskauer Reihe.— Handel mit Butter, Konserven aus Flußfischen, Getreide und Mehl. In Omsk verbüßte der Dichter Dostojewski 1849-53 seine Haft. In der Umgegend viele Kosakendörfer.

Dampfer von Omsk auf dem Irtysch abwärts in 4-5 Tagen nach Tobolsk (Gasthof Kommertscheskaja ), Hauptstadt des Gouvernements Tobolsk mit 22000 Einw. und ethnographischem Museum im Jermakgarten.—Von Omsk den Irtysch aufwärts in 4-5 Tagen nach Semipalatinsk, Hauptstadt der gleichnamigen Steppenprovinz mit 31800 Einw. (die Hälfte Mohammedaner) und geographischem Museum; von hier Poststraße nach Taschkent.

Die Bahn führt von Omsk durch Malariagegend (gegen Mücken und Moskitos Schutzfenster schließen, Moskitonetz beim Schlafen benutzen!).—(2964 w) Tatarskaja (Bahnwirtschaft).—(3109 w) Kainsk (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 6000 Einw., meist verbannten Israeliten, 12 w nördl. vom Bahnhof; Ackerbau, Viehzucht, Branntweinbrennerei und Gerberei.—Hinter (3384 w) Kriwoschtschekowo auf 792 m langer Brücke über den Ob nach (3392 w) Nowo-Nikolajewsk ( Bahnwirtschaft ) am r. Obufer, mit angeblich über 60000 Einw., mit amerikanischer Schnelligkeit wachsender Umschlagsplatz zwischen dem Verkehr auf der Sibirischen Eisenbahn und dem Dampferverkehr auf dem Ob. Dampfer laufen von hier nach Tomsk, Barnaul (Hauptort des altaischen Minenbezirks mit 30000 Einw., zahlreichen Hüttenwerken, Oberbergamt und Bergbauschule) und Biisk. Der Ob bildet ungefähr die Ostgrenze des Steppenlandes. Die Bahn führt, zum Teil durch dichten Urwald, nach (3606 w) Tajga (257 m; Bahnwirtschaft).

Zweigbahn in 3 1 / 2 St. nach (74 w) Mescheninowka, wo man aussteigt, weil der Stadt Tomsk näher als der Bahnhof (82 w) von Tomsk.
Tomsk (148 m; Hôtel Rossija, empfohlen; Hôtel de l'Europe; Iswoschtschik bis 75 Kop.; Post und Tel.; Potschtamskaja; Russisch-Asiat. Bank), Hauptstadt des Deutschland an Größe gleichkommenden Gouvernements Tomsk mit ca. 100000 Einw., am r. Steilufer des Tom, die einzige Universitätsstadt Sibiriens (etwa 600 Studenten), mit tüchtigen, vielfach in Deutschland ausgebildeten Lehrkräften, verschiedenen Museen, technologischem Institut und andern modernen Fachschulen; Bischofssitz mit 20 russ. Kirchen. Die Stadt ist mit amerikanischer Regelmäßigkeit gebaut, hat einige große Geschäftshäuser (darunter mehrere deutsche), jedoch großenteils dorfartiges Aussehen. Lebhafter Flußverkehr. Im nahen Kolywanschen Erzgebirge am Ob, 368 m ü. M., ein Steinschleifwerk für Porphyr, Jaspis, Marmor.

Von Tajga (s. oben) weiter durch mit Urwald (russisch»Tajgá«) bedecktes kohlenreiches (aber noch nicht ausgebeutetes) Hügelland über (3745 w) Mariinsk (Bahnwirtschaft) nach (3933 w) Atschinsk (Bahnwirtschaft), Stadt mit 7000 Einw., die nördlichste von der Sibirischen Eisenbahn erreichte Stelle (in der Breitenlage des mittlern Jütlands), am Tschulym und an der Poststraße, die südl. nach (330 w) Minussinsk (Gasthof; Mittelpunkt des Getreidegebiets und Minenbezirks des südl. Gouvernements Jenisseisk) führt.

Das Hügelland geht in Gebirgsland, die Ausläufer des Sajanischen Gebirges, über, die Fahrt wird malerischer. Die niedrige (ca. 315 m hohe) Wasserscheide zwischen Ob und Jenissei überschreitet man erst ganz kurz vor letzterm Fluß bei der Station Katscha und erreicht bald darauf

(4100 w) Kraßnojarsk (d. h.»Rote Klippe«; 160 m; Bahnwirtschaft; Hôtel Rossija; Métropole, Familienhotel, Deutsch gesprochen; Iswoschtschik zur Stadt 40 Kop.; Internationales Telegraphenamt für Telegramme in europäischer (nicht russischer) Sprache; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt des Gouvernements Jenisseisk am l., rotgefärbten Steilufer des Jenissei mit 30500 Einw., technische Eisenbahnschule, Stadtpark mit Wirtschaft, Museum; lutherische Kirche. Wichtiger Flußhafen für die Dampferfahrt auf dem Jenissei. Die Stadt (halbwegs zwischen Moskau und Wladiwostok) war früher großenteils mit Verbrechern besiedelt. In der Datsche Tarakanowka hat der Besitzer Judin eine Bibliothek von 100000 Bänden, insbesondere Literatur über Sibirien.

Der Jenissei, mit 4750 km Länge der größte Strom Sibiriens, entsteht in der nordwestlichen Mongolei und fließt als Ulukhem nw. zur russischen Grenze, wo er, das Sajanische Gebirge in Katarakten und Stromschnellen durchbrechend, sich nordwärts zum Eismeer wendet. Bei Kraßnojarsk ist der Jenissei durchschnittlich vom Mai bis Mitte November eisfrei. Schiffbar ist der fischreiche Strom, und mit Barken, Segelschiffen und Dampfern bis zur Mündung befahren, von Minussinsk an auf 2966 km. Die bedeutendsten Städte am Jenissei sind: Minussinsk, Kraßnojarsk, Turuchansk u. Dudinsk; der nördlichste dauernd bewohnte Ort ist Krestowsk, r. an der Mündung.

Von Kraßnojarsk führt eine prächtige, 925 m lange Brücke mit sechs Bogen über den Jenissei und dann durch moskitoreiche Gegend über (4327 w) Kansk (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 8000 Einw. und Goldwäschereien, am Kan, und über diesen Fluß auf 255 m langer Brücke nach (4353 w) Ilanskaja (Bahnwirtschaft) und (4434 w) Kljutschinskaja (388 m), dann über die goldführende Birjussa nach (4633 w) Nishne-Udinsk (413 m; Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 6000 Einw., mitten in den Ausläufern des Sajanischen Gebirges, an der Uda.—Nun steigt die Bahn durch fruchtbares Land, von fleißigen buddhistischen Burjäten bevölkert, nach (4743 w) Tulun (498 m; Bahnwirtschaft), dem höchsten Punkte der Strecke Tscheljabinsk-Irkutsk. —Hinter (4873 w) Sima auf 468 m langer Brücke über die Oka und dann durch schwarzgrünen Tannenwald mit *Ausblick r. nach S. auf die schneebedeckten Berge des Sajanischen Gebirges (Grenzgebirge zwischen Sibirien und der Mongolei), über (5012 w) Polowina (538 m; Bahnwirtschaft; Kohlengebiet) ins Tal der Angara, des Ausflusses des Baikalsees, und talauf, vorbei am (r.) Wosneßenskij-Mönchskloster (1672 gegründet), nach