Vgl. die Karten bei S.271 und337.

Die Halbinsel Korea, im NW. durch das wegen seiner rostförmigen Gliederung schwer überschreitbare Gebirgsland von Liaotung und den Yalufluß, im NO. durch die bis 2450 m hohe Schranke des Tschangpaischan wirksam vom asiatischen Festland abgeschlossen, war seit alter Zeit ein Zankapfel zwischen China und Japan und zuletzt Rußland gewesen, hat sich aber meist selbständig erhalten, bis es 1910 japanische Kolonie geworden ist. Die ganze Ostseite der Halbinsel fällt steil, felsig und fast buchtenlos ins Japanische Meer ab, die Süd-und Westseite sind niedriger, offen, stark gegliedert und inselreich, aber schwer zugänglich, da alle die Felseninselchen und Buchtenränder in einen dicken Schlammantel gehüllt sind. Die Halbinsel hat drei verkehrsreiche Hafenplätze, Tschimulpo im W., Fusan im S., Gensan im O. Das Innere ist meist mit Hügel-und Gebirgsland erfüllt; von der Ostküste aus erhebt sich steil ein Gebirgszug, der nicht über 1500 m hoch ist und nach S. niedriger wird, aber wegen hoher (900-1000 m) Pässe auf große Strecken schwer überschreitbar ist. Nach W. fällt er in einem buckligen, einförmigem Berg-und Hügelland langsam ab. Größere Flüsse konnten sich auf der Halbinsel nicht entwickeln, und die auf der Westseite vorhandenen kommen als Wasserstraßen höchstens so weit in Betracht, als die hohen Gezeitenwellen des Gelben Meeres in ihnen aufwärtsdringen. Dazu ist ihre Wasserführung sehr schwankend, und die nördlichen frieren im Winter zu. Dies gilt auch für den Yalu, den 800 km langen Grenzfluß gegen NW., der sich an seiner Mündung auf 4 km verbreitert, aber nur auf 60 km schiffbar (auf eine viel größere Strecke allerdings flößbar) ist.
Korea liegt in der Breite Unteritaliens und Algeriens, aber der Winter ist in Mittelkorea keineswegs so mild wie in Algier oder Malta, sondern so rauh wie in Königsberg. Freilich ist er in der Mandschurei und im Liaotale noch viel strenger, die Winterkälte nimmt südwärts rasch ab (Januartemperatur in Charbin-18,7°, in Mukden -13,6°, in Tschimulpo-2,6° [Königsberg i. Pr.-2,9°], in Fusan 4,2°; dagegen in Malta und Algier 11,9°). Nordkorea ist den ganzen Winter über in Schnee gehüllt, im S. fällt Schnee nur auf den Bergen. Die Sommer sind in ganz Korea, Nordchina und der Mandschurei ungefähr gleich heiß, mit einer Mitteltemperatur des Juli oder August von etwa 24-25°, und zugleich die Zeit der Hauptniederschläge, die von Juli bis September fallen.
Das Pflanzenkleid der Halbinsel wechselt vom S. zum N. stark wegen der Verschiedenheit in der Strenge der Winter. Im Südteile erscheinen schon immergrüne Pflanzen, wie Kamelien und Bambus. Das Waldkleid der Berge ist aber schon sehr stark gelichtet, und im trocknen Winter sieht daher ganz Süd-und Mittelkorea steppenartig kahl aus, während der warmfeuchte Sommer eine üppige Vegetation hervorbringt. Wald-und wildreich sind noch die Gebirge des Nordteils der Halbinsel und besonders des Nordostens; sie tragen unten Laub-, oben Nadelwälder.
Die Bevölkerung ist, entsprechend der zentralen Lage der Halbinsel zwischen der Mandschurei, China und Japan, eine mongolische Mischrasse von sehr alter, aber stark herabgekommener Kultur. Das einst hochstehende Kunstgewerbe (Porzellan und Metall) ist ganz verschwunden. Die Kleidung der untern Stände ist weiß, die der Vornehmen farbig; die Frauen leben streng abgeschlossen. Die obern und untern Stände unterscheiden sich sehr scharf durch Typus, Kleidung und Kasten. Die Vornehmen haben schöne, feine Gesichtszüge und für Mongolen stattliche Körpergröße und tragen bunte Gewänder; die Gesichtszüge des niedern Volkes, das helle Kleider tragen muß, sind viel gröber, im N. tungusenähnlich mit flacher Nase und vorstehenden Backenknochen.
Die Koreaner haben eine eigne mehrsilbige Sprache mit chinesischen Lehnwörtern, aber Buchstabenschrift (vgl. Imbault-Huart: »Manuel de la langue coréenne parlée«; Paris 1889).

Die Sittenlehre des Kungfutsze ist weit verbreitet, doch auch der Buddhismus hat noch Bedeutung. Viele Mönchs-und Nonnenklöster findet man in den Gebirgen. Das Unterrichtswesen gleicht dem japanischen; die Kunst des Lesens und Schreibens ist allgemein verbreitet.
Die Grundlage der koreanischen Volkswirtschaft bildet der Ackerbau, weniger die Viehzucht, sowie an der Küste der Fischfang. Da der Ackerbau ganz im Gegensatz zum chinesischen in sehr primitiver Weise betrieben wird, so ist die Volkszahl nicht groß; sie beträgt jetzt auf 218650 qkm 9 3 / 4 Mill. Menschen (davon 126168 Japaner, 12332 Chinesen, 464 Amerikaner, 153 Engländer, 87 Franzosen, 33 Deutsche, 40 andre Europäer). Angebaut werden vor allem Reis, Hülsenfrüchte und Getreide sowie im N. die vor allem in China als Allheilmittel sehr geschätzte Ginsengwurzel. Der Teestrauch wird nicht kultiviert, da die Koreaner, im Gegensatz zu den Chinesen und Japanern, keine Teetrinker sind; dagegen wird die Seidenraupe gezogen, und von Nutzpflanzen sind die Baumwolle und der Tabak im S. verbreitet.
Geschichte. Die Legende vom Ursprung des Königreichs Korea greift bis 2333 v. Chr. zurück; später bestanden verschiedene, sich befehdende Königreiche, bis Korea von 109 v. Chr. bis 314 n. Chr. zum erstenmal unter chinesische Gewalt fiel. Seit 37 v. Chr. bis 668 n. Chr. kämpften drei Königreiche um ihre Unabhängigkeit gegen China und Japan, später mit Japan gegen China. Von 668-935 blühte das Land geeinigt auf; von 918-1392 wurde es von der eingebornen Wang-Dynastie beherrscht, wobei die buddhistischen Priester und der Adel zu großem Einfluß gelangten, was viele Aufstände erzeugte; gleichzeitig wurden die Herrscher durch Heiraten von Mongolenprinzessinnen allmählich zu Mandschus. Kriegsschauplatz fremder Mächte war Korea zuerst 1268-1280, als Kublai Chan gegen Japan kämpfte. Seit 1392 gelangte infolge eines Palastaufstandes eine ältere Dynastie zur Herrschaft, die das Land Tschausian nannte; 1394 wurde Söul Hauptstadt. 1592-98 blutiger Krieg mit den gelandeten Japanern; 1627 und 1637 überfielen die Mandschu das Land und brachten es in Abhängigkeit zur Tsing-Dynastie. Trotzdem verstand Korea sich nach außen abzuschließen. Erst 1876 wurden für Japan einige Häfen geöffnet, 1884 auch für europäische Staaten. 1894 wurde das Land japanischer Kriegsschauplatz gegen China (wobei 1895 die Mutter des Kaisers von Korea von Japanern ermordet wurde), 1904 gegen Rußland. Seit 1910 ist Korea japanische Kolonie unter dem Namen Chosen (spr. tschosön, d. h. Land der Morgenröte). Der Generalgouverneur residiert in Söul. Die führende Aristokratie wurde dem japanischen Adel angegliedert, der Kaiser von Korea nach Japan ins Exil geführt. Der Besitz Koreas war für Japan eine Lebensfrage; es braucht das wenig bevölkerte Land als Siedelungskolonie.

Von Mukden nach Söul.

NB. Bester Weg für Japanreisende, welche die Seefahrt scheuen, vgl. S.334.

Mit der Südmandschurischen Bahn (S.324 ) von Mukden nach Antung, 186 M, Fahrzeit 7 St., von da mit der Koreanischen Bahn ( Korean Railway ) über die seit 1912 betriebsfertige Eisenbahndrehbrücke über den Yalu nach Söul, 312 M von Antung, Fahrzeit 12 St.
Die Strecke Mukden-Antung, während des russisch-japanischen Kriegs als Kleinbahn schnell gebaut, ist inzwischen auf normale Spurweite ausgebaut; durchgehende Züge von Mukden (wie für die Strecke nach Dairen, vgl. S.324 ) sollen seit 1912 im Betrieb sein. Es wird empfohlen, sich für die Bahnfahrt mit Lebensmitteln für drei Tage und reichlich mit warmen Decken zu versehen. Sie führt durch das Gebirgsland des nördl. Liaotung, das, aus den verschiedensten Gesteinen aufgebaut, eine entsprechende Mannigfaltigkeit der Oberflächenformen zeigt und, um als landschaftlich schön bezeichnet werden zu können, nur des Waldmantels großenteils entbehrt.

Die Bahn führt von Mukden südostwärts, schneidet die Kohlenbahn nach Fushun (S.325 ), dann über (47 M) Penchihu, eine ruhige Kleinstadt mit Kohlenfeldern in der Nähe, tritt ins Gebirge Föngschuiling mit sehr malerischer Landschaft zwischen (58 M) Chiaotou und (84 M) Lienshankuan; 16 km westl. davon der im Kriege hart umstrittene Paß Motienling.—In (98 M) Tsaohokou (Gasthöfe: Nisshin, japanisch, teuer; außerdem ein chinesischer, beide mäßig) bleibt der Zug liegen bis zum nächsten Morgen, dann über (120 M) Chiumuchuang und (136 M) Chikuanshan in steilem Gelände nach (150 M) Fenghuangcheng, Stadt mit 8500 Einw., in deren Landschaft man den vielgipfeligen Phönixberg (Fenghuang = Phönix) erblickt.—Bei (172 M) Wulungpei werden heiße Quellen passiert, dann erreicht man (186 M) Shahochen, chinesische Stadt mit 21490 Einw., und daneben, nur durch einen Graben von der alten Stadt getrennt, (189 M) Antung ( Anju, Ngantung ), die neue japanische Hafenstadt mit 5264 Einw., am r. Ufer, 8 km oberhalb der Yalu-Mündung; der Hafen wird von Dschunken und kleinen Küstendampfern viel besucht. Gasthöfe: Kikuya Hotel; Gempokan; Yokohama Specie Bank. Konsulate: Amerika, England und Japan sind vertreten. Chinesische Zollstation. Aus dem waldigen Hinterland werden auf dem Yalu große Mengen Holz herabgeflößt; Antung ist der Sitz der Yalu Timber Co. (japanisch-chinesischer Betrieb).—Das Flußgebiet des Yalu (Japan. Amunyoku Kan) ist mit Urwald bestanden und 90 km aufwärts von Antung bis Chanson (Changseng) für Küstendampfer, 370 km aufwärts bis Maserhshan trotz Stromschnellen für kleine Dschunken schiffbar.

Von Antung nach Söul. Die Koreanische Staatsbahn (Expreßzug nur an bestimmten Tagen, mit Speisewagen, Fahrpreis Antung-Söul etwa 20 Yen; koreanische Bahnzeit ist 30 Min. später als südmandschurische, vgl. S.324 ), die dem japanischen Generalgouverneur in Söul unterstellt ist, führt von Antung (s. oben) über die neue Yalu-Brücke nach Shin-Gishu ( New Wiju ) am l. Yalu-Ufer, Stadt mit etwa 15000 Einw., davon 1 / 3 Japaner; Handel mit Goldsand, Fellen und Ginseng (Kraftwurzel); Hafen für Küstenfahrzeuge; in der Nähe Goldwäschereien. Bei Pingyang ( Phyöngyang ), Provinzialhauptstadt mit 43000 Einw., am r. Ufer des hier nur für kleine Fahrzeuge schiffbaren Taitongkang; von hier Zweigbahn nach dem Seehafen Chinampo an der wattenreichen Mündung des Taitongkang mit etwa 1000 Einw., dem Fremdhandel seit 1897 geöffnet, aber von geringer Handelsbedeutung; japanische Dampferlinien nach koreanischen, japanischen und nordchinesischen Häfen.—Die Hauptlinie führt über Kaiseng und Lungshan nach (312 M von Antung) Söul (S.333 ).—Hand Anschlußstrecke Söul-Fusan nebst Dampferanschluß nach Shimonoseki s. S.337.

Tschimulpo.

Ankunft zur See. Von Tschifu (S.278 ) kommend, fährt man an Weihaiwai (S.278 ) vorbei und dann auf die bis 125 m hohen Inseln zu, die der koreanischen Küste auf etwa 37 1 / 2 ° nördl. Br. vorgelagert sind; man steuert dann durch schwieriges, klippenreiches Fahrwasser zwischen vielen Inseln hindurch auf die Reede, wo die großen Dampfer etwa 4 km sw. vom Hafen ankern, während kleine im innern Hafen nicht weit von der Landungsbrücke für die Boote ankern.