Kyōto.
Vgl.beifolgenden Plan.
Gasthöfe: Miyako Hôtel (E3), Awata-guchi, mit herrlicher Aussicht über nördl. Stadt und Gebirge, europäisch, mehr für den Sommer, gut geführt; Informationsbureau und Handbuch für Reisende im Hotel; Deutsch gesprochen; 100 Z. von 2 Yen an, F. 1, Lunch 1,50, Dinn. u. Sup. je 2, Pens. von 6 Yen an.— Kyōto Hôtel (C3), gegenüber dem Rathaus, in Kawara Machi, mehr für den Winter, hat Zimmer mit Bad; Pens. von 6 Yen an, F. 1, Lunch u. Din. 1,50 Yen. Beide schicken Vertreter zum Bahnhof.— Japanische Gasthöfe: Nakamura-rō, Gion.— Tawaraya; Hiiragiya und Sawabun, sämtlich in Fuyachō (C3, 4).
Restaurants, europäische, zahlreich; japanische: Tawaraya; Hachi-shin; Hirano-ya u. a.
Post, Tel., Fernspr. (BC3, 4), Sanjō-dōri Higashi-no-Tōin.— Rikschas haben Polizeitaxe, die auf jedem Zahlzettel (Ticket) steht; diese Zettel erhält man nur am Bahnhof.
Wagen (Landauer und Victoria) im Kyōto-und Miyako-Hotel.
Straßenbahnen durch die Stadt und nach Fushimi, vgl. den Plan. Fahrpreis für jede Teilstrecke von etwa 0,8 km ist 2 sen.— Eisenbahnen, vier Staatsbahnlinien: Nach Maipuru, Ōsaka, Nara und Tōkyō (S.393 ). Neue Bahn über Ayabe nach Maipuru (für Ama-no-Hashidate). — Elektrische Bahnen nach Ōsaka und nach Arashiyama fertig, nach Ōtsu und dem Biwasee im Bau.
Banken: Kyōto Shōko Ginkō, Kyōto Ginkō, Dai-ichi Ginkō, Nippon Ginkō und andre.
Theater: Mehrere gute in Shin-Kyōgoku u. eins in Shijō Hashizume.
Fremdenführer: Durch die Gasthöfe erhält man Führer der Oriental Guides Society ( Tūyū tsūben kyūkwai ) zu 4 Yen tägl. für 1-2 Pers., 50 sen für jede Pers. mehr; dazu die Reisekosten. Ausführliche Beschreibung von Kyōto und Umgegend enthält das Buch: Kyōto, Japan, zusammengestellt vom Stadtrat von Kyōto, und die guten Handbücher (englisch) des Kyōto-und Miyako-Hotels. Vgl. S.345.
Reisebureau in Furumonzen, Telegrammadresse »Advisory«. Vgl. S.345.
Polizei im Präfekturgebäude (B2), Shimodachiuri, westl. vom Kaiserpark.
Buchhandlung: Daikokuya, gegenüber dem Kyōto-Hotel; Nankōdō, in Sanjōdōri, westl. der Brücke; Maruzen, östl. vom Postamt, in Sanjōdōri.— Zeitungen: Fünf japanische.
Photographen: Nakai, beim Giontempel. — Hori Marumi, Tera Machi.— Photographische Apparate: Asanuma & Co., Minami Bukkoji Machi.
Geschäftsadressen. Porzellan: Kinkōzan Sōbei, Sanjō, östl. von Shirakawabashi; Yasuda, am Shirakawa. —Stickereien: Nishimura Sozaemon, Sanjō, Karasu-maru; Iida Shinshichi, Karasumaru, Takatsuji.—Cloisonné-Sachen: Namikawa Yasuyuki, Sanjō, Kita-ura, Shirakawa-bashi; Kin-un-ken, Sanjō-dōri, Shirakawa-bashi.—Bronzen und Stahl: Kuroda, Tera Machi Shijō sagaru; Jōmi Eisuke, Tera Machi, Shijō; Nogawa Nōboru, Shijō, östl. von Tera Machi; Komai Otojiro, Furumonzen, Yamato-ōji; Inouye, neben Kinkōzan. —Lackwaren: Nishimura Hikobei, Tera Machi Ayanokōji.—Fächer: Hirano Kyūgoro, Tominokōji, Gojō; Nishida, Higashi-no-Tōin, Shichijō— Puppen: Shimizu Katsuzō, Tominokōji, Shijō.—Farbenholzschnitte: Matzuki, Shimmonzen.—Alte Kunstsachen: Ikeda Seisuke, Shimmonzen 114; * Benten Co., Shimmonzen; Hayashi Shinsuke, Furumonzen 39; Yamanaka, Sanjō Goten mae. Viele andre in der Straße Manjūji-dōri.—Man besuche in Kyōto die Hauptwerkstätten der größern Geschäfte!
Zeiteinteilung: 1. Tag: Kaiserpalast, Nijōburg und Katsura-rikyū-Sommerpalast. —2. Tag: Tempel Higashi-Hongwanji, Nishi-Hongwanji, Sanjūsangendō, Hōkōji, Yasakapagode, Giontempel. —3. Tag: Hōzugawa-Stromschnellen, Arashiyama, Kinkakuji, Kitano Tenjin.—4. Tag: Shugakuin-Sommerpalast, Hiyeisan, Chūdōkloster, Sannōtempel, Sakamoto-Karasaki-Ōtsu. —5. Tag: Museum, Gewerbeausstellung, Sporthalle, Kaufläden in der Stadt.—6. Tag: Tempel: Inari, Kiyomizudera, Chion-in, Awatapalast, Maruyamapark.—7. Tag: Keage, Nanzenji, Eikwandō, Ginkakuji; Shinnyodō, Yoshidayama, Kurodani; abds. Shijōbrücke und Kyōgoku.— HandBei nur kurzem Aufenthalt nehme man einen Führer, gebe ihm aber genau an, was man sehen will, damit man durch allzuviele Tempelbesichtigungen nicht ermüdet wird; die im Text mit * bezeichneten Tempelanlagen genügen, um ein Bild des japanischen Rom zu geben.
Festlichkeiten und Sehenswürdigkeiten nach der Jahreszeit. Beste Besuchszeit für Kyōto ist Anfang März bis Ende Mai sowie von Mitte September bis Mitte November; Pflaumenblüten sieht man Anfang März in Momoyama, in Fushimi, im Kaiserpark; dann folgt bis Mitte April die Pfirsichblüte im Maruyamapark, in Momoyama; in der * Kirschblütenzeit im April besuche man den Kaiserpark, den Maruyamapark, Arashiyama, den Hiranotempelgarten und andre Plätze sowie das Theater, um den »Kirschblütentanz« zu sehen. Im Mai Päonien- und Azaleenblüte, im Herbst Chrysanthemumblüte. — Gewerbe-und Kunstausstellung in Okazakichō ist 2 Monate im Frühjahr geöffnet.—* Miyako-odori (Residenztanz) findet in der Sing-und Tanzschule Kaburenjō in Hanami-kōji, Gion Machi vom 1. April an 4 Wochen lang tägl. von 5 Uhr Nm. bis 10 Uhr abds. statt; 36 Geisha tanzen in seltsamen Kostümen, andre Mädchen spielen dazu »shamizen« und »tsuzuki«.— Kamogawa-odori, ein ähnlicher Tanz im Teehausviertel zwischen Shijō und Sanjō, beginnt 1. Mai und dauert 16 Tage.—* Aoifest der Kamotempel am 15. Mai ist die größte Shintōfeierlichkeit (besteht seit dem 6. Jahrh.); 8 Uhr morgens Prozession in alten Kostümen vom Haupttor des Kaiserpalastes; bei Ankunft des Festzugs in Shimo-gamo religiöses Konzert mit Tempeltanz, später ebenso in Kami-gamo.—Andre Tempelfeste am 15. März (Gedächtnistag Buddhas), 8. April (Geburtstag Buddhas), Anfang Mai zweitägiges Inarifest, am 3. März das Puppenfest ( Hina-matsuri ) für Mädchen, am 5. Mai das Knabenfest ( Tango-sekku ).—Im Juli und August Lotosblüte im Kaiserpark, Ogurasee, Tōji.—Im Sommer die beliebte Volksunterhaltung Shijō-Suzumi, am Westufer des Kamogawa auf hölzernen Plattformen im Flusse gesellige Zusammenkünfte mit Geishatänzen. —In Arashiyama Bauerntänze 14.-16. Aug.—Am 17. und 24. Juli * Gionfest (seit 870 jährlich) im Tempelbezirk der innern Stadt.—Am Abend des 16. Aug. Illumination (Daimonji) der Berghöhe Nioi-ga-dake östl. von Kyōto.—Auch der Herbst ist sehr schön in Kyōto. Vollmondfest im September oder Oktober, in Momoyama, Arashiyama oder Uji. 15. Sept. Hachimanfest, Otokoyama; 1.-4. Okt. Zuikifest im Kitanotempel; 12. Okt. Ochsenfest in Uzumasa; 20. Okt. Ebisufest in Kenninji Machi.— Heianjingūfest mit historischem Festzug am 22. Okt.—
* Chrysanthemumblüte im Oktober und November.— Neujahrsfest dauert sieben Tage, manche Tempelfeste währen sogar zehn Tage.— Sportklub (E3), Nm. belebt; Bogenschießen; Schwerterfechten und Jūjitsu.
Kyōto, Hauptstadt der Provinz Yamashiro, mit (1908) 408410 Einw., Hauptsehenswürdigkeit Japans, liegt in einer fruchtbaren Ebene, durchflossen vom Kamogawa, über den mehrere schöne Brücken führen. Die Stadt ist sehr regelmäßig gebaut, hat gerade, reinliche Straßen, innerhalb des Weichbildes 82 Shintō-Schreine und 878 vielfach verfallene Buddhatempel (Kyōto wird das »Rom Japans« genannt), zwei große hölzerne Paläste des Mikado und der Shōgune und bedeutende Industrie in Seidengeweben, Silber-, Bronze-und Emailwaren, Porzellan und Steingut, die den ersten Rang in Japan behauptet. Kyōto ist die geeignetste Stadt zum Studium japanischer Kunst und Kultur sowie der feinsten Erzeugnisse des Kunsthandwerks, daher auch am geeignetsten zum Einkauf guter (meist freilich kostbarer) Japansachen.—Kyōto gilt als eine der gesündesten Städte Ostasiens, mit mildem Klima. Das Straßenleben ist noch altjapanisch, ebenso das Sommerleben an und auf dem Flusse Kamogawa. Die Umgebung der Stadt ist reich an schönen Landschaftsbildern, die Bevölkerung im allgemeinen fremdenfreundlicher als z. B. in Tōkyō und Ōsaka.
Geschichtliches. Kyōto war von 794 n. Chr. bis 1868 Residenz des Mikado von Japan, ehe dieser nach Tōkyō übersiedelte, von 1336-1572 auch Residenz der Shōgune aus dem Hause Ashikaga, denen es die Blüte seiner Metall-, Papier-und Lackindustrien verdankte. Bei den Portugiesen und Holländern hieß Kyōto im 16. und 17. Jahrh. Meaco (Japan. Miyako = Hauptstadt). Nach der Verlegung der Residenz des Mikado nach Yedo, das deshalb den Namen Tōkyō (»Ostresidenz«) erhielt, kam für Kyōto die Bezeichnung Saikyō (»Westresidenz«) in Anwendung. 1895 fand in Kyōto eine Landesausstellung statt. 1899 wurde dort eine Universität gegründet.
Rundfahrt. Wer den Erlaubnisschein hat, ausgestellt vom kaiserl. Hausministerium in Tōkyō, für Deutsche auf Empfehlung ihrer Botschaft in Tōkyō oder von Konsulaten in Japan (Antrag mit Angabe der Namen der Schlösser, deren Besichtigung erbeten wird, schriftlich frühzeitig stellen!), besucht zunächst den * Kaiserpalast ( Gosho; BC2) im nördl. Teil Kyōtos, eine große Anlage hölzerner, einstöckiger Bauten, umgeben von Gärten und Plätzen mit Bäumen. Die Palastanlage ist mit einer hohen Mauer mit Ziegeldach umgeben, die ringsum das Abzeichen der kaiserlichen Parkmauern, fünf weiße Linien, trägt; die Mauern umschließen ein 250 m breites und 450 m langes Viereck mit sechs Toren. Durch den Erlaubnisschein erhält man bei der Schloßverwaltung einen Führer, der zu einem der kleinen Westtore führt ( Mi Daidokoro Gomon ), wo man im alten Wartezimmer der Daimyō sich im Palastfremdenbuch einschreibt und die Führung durch die Paläste, Hallen und Pavillons beginnt.
Dem Südtor ( Kenreimon ) zunächst liegt der große Thronsaal Shishinden, wo 1868 der jetzige Kaiser gekrönt wurde: in der Mitte der Thron mit Silberdraperien, an der Hinterwand die Bilder von 32 chinesischen Gelehrten. Dr. G. Wegener empfiehlt, alle Bilder im Palast nach japanischer Art auf den Matten sitzend zu beschauen, weil sie für niedrigen Augenpunkt bestimmt sind.—Dann zur Festhalle Seiryō-den; im Mittelraum Hirugoza ein Thron mit Seidenvorhängen, in den Nebenräumen des Kaisers Schlafkammer, Eßzimmer, Baderaum etc. nach alten Vorbildern eingerichtet mit seidenen Paneelen und schönen Malereien.
—Nun folgt Tsune-goten, »gewöhnliche Residenz« (die in der Regel nicht gezeigt wird), der Wohnpalast vieler Generationen von Mikados seit dem 13. Jahrh. (der Neubau von 1854 entspricht genau der alten Bauweise), dessen Mittelraum drei übereinander liegende Zimmer hat, das oberste für den Mikado, die untern für die Leibdienerinnen, an die sich jeder erst wenden mußte, um den Herrscher zu sprechen. Alle diese und die Nebenräume sind reich an stilvollen Wandschirmgemälden. Das Schlafzimmer des Mikados zeigt Bambus-Tigerdekoration. —Ein langer Gang führt nun zum Ko-Gosho, dem »kleinern Palast« für Empfänge von Fürsten und intime poetische Festlichkeiten; darin sind drei sehr geschmackvoll geschmückte Räume, mit Aussicht auf einen Landschaftsgarten.— Nun folgt das O Gakumon-jo, des Mikados Arbeitszimmer, mit reichen Malereien; dann Goryōden, eine Speisehalle, und On Mima, »erlauchte drei Zimmer«, die Halle für den Hofstaat, mit Gemälden im Tosastil; schöner Blick auf den Garten mit Lotosteich, reichgeschmückten Pavillons und Felsenhügel. —Am nördlichsten liegt der Palast der Kaiserin, am Tor Sakuheimon; auch in dessen vornehm-einfachen Räumen bilden die Wandschirmgemälde den Hauptschmuck.— Im östlichen Teil des Parks liegt der Palast Sentō-Gosho (C 2), seit 1629, zuerst vom Mikado Go-Mi-no-o benutzt, für abgedankte Herrscher bestimmt; der *Park zeigt hier mächtige Baumriesen, einen See mit Inseln und Brücken und Felsen mit Wasserfällen, eine wildromantische Anlage.—In der Nähe liegt der Palast Ōmiya-Gosho. —Andre Bauten in der Umgebung des Kaiserpalastes sind die Paläste des Prinzen Kuni no miya im W., des Prinzen Katsura no miya im N.; die Verwaltung der kaiserlichen Schlösser im SW. und im S. das meteorologische Observatorium (C 2, 3).