Ceylon:

Colombo
27,8°
-
26,1°
-
6,4°

Hinterindien:

Rangoon (Niederbirma)
29,4°
April
23,7°
-
9,3°

Mandalay (Oberbirma)
31,8°
-
20,4°
-
7,4°

Singapore (Malakka)
27,5°
Mai
25,7°
-

Bangkok (Siam)
28,6°
April
23,8°
Dez.

Wie schon oben (S.40 ) erwähnt, wird ganz Indien samt den umgebenden Meeren von dem Wechselspiel der Monsune beherrscht, im Sommer vom feuchten Südwestmonsun, im Winter vom trocknen Nordostmonsun. Der Sommermonsun ist für den größten Teil Indiens der Regenbringer, wenngleich seine Spenden in den einzelnen Landesteilen sehr verschieden ausfallen; sie sind um so größer, je weniger der Monsun noch abgeregnet und je mehr er zum Aufsteigen an Gebirgen gezwungen ist. Da er nun zunächst das Dekhan von dessen Südwestseite her bis nach Assam und dem Himalaja hin überweht, durch diesen aber abgelenkt wird und nun nach NO. zum Punjab weiterzieht, so sind am regenreichsten die Südwestabdachung des Dekhans, der Himalaja und der davorliegende Landstreifen, namentlich Assam, das auch aus dem Bengalischen Meerbusen direkt die Regenwinde zugeführt erhält. Hier, in den Khasiabergen, liegt bei Cherrapunchi die regenreichste Stelle des Erdballs, die eine jährliche Regenhöhe von 12 1 / 2 m hat (Deutschland 1 / 2 -1 m). Das Innere des Dekhans und sein Ostabfall sind schon viel regenärmer, und am trockensten ist der Nordwesten des Landes. Die Regenzeit beginnt in Südindien zu Ende Mai oder Anfang Juni und breitet sich im Laufe des Juni über das ganze Land hin aus; ihr Ende fällt im allgemeinen in die erste Oktoberhälfte.

Bei der großen Abhängigkeit der Pflanzenwelt von den Niederschlägen könnte eine Karte der Niederschlagshöhen Indiens beinahe auch zur Darstellung der wechselnden Üppigkeit des Pflanzenkleides dienen. Eigentlichen tropischen, immergrünen Regenwald tragen nur die Westghats (s. S.42 die Bemerkungen über die Tropen). Das Innere des Dekhans und dessen Ostabfall sind schon mehr steppenartig und großenteils von lichtem Wald und von Grassavanne überzogen. Hier begegnet man Wäldern aus Teakbäumen, die in der Trockenzeit blattlos stehen, und Hainen der schönen Palmyrapalmen. Üppiger ist die Vegetation wieder in Assam und in Bengalens Niederungen, die großenteils von dichtem, teilweise sumpfigem Wald bedeckt sind, dem Jungle (Dschangel). In diesen Gebieten wuchert der Lotos in den Gewässern und wächst der Banyanfeigenbaum, der aus seinen Ästen rings Luftwurzeln zur Erde sendet und dadurch allmählich einen Säulenhain um sich herum aufbaut, sowie sein Verwandter, der Bobaum, ersterer den Brahmanen, letzterer den Buddhisten heilig. In Hindostan wird das Pflanzenkleid westwärts immer spärlicher, die laubabwerfenden Bäume nehmen immer mehr zu, und das Punjab gehört schon ganz dem vorderasiatischen Trockenraum an: Dattelpalme, Mangobaum und Gummiakazie sind seine Charakterbäume, die lange Dürrezeiten zu überstehen vermögen, in denen sonst alles oberirdische Pflanzenleben abstirbt. Nur in der Regenzeit bedeckt hier frisches Grün die weiten Ebenen, deren Kultur zum großen Teil nur durch künstliche Bewässerung möglich ist. Das untere Indusgebiet ist sogar großenteils gänzlich wüstenhaft und vegetationslos (Wüste Thar). Eigentliche Höhenzonen der Vegetation sind nur im Himalaja vorhanden, wo hinter einem Sumpfgestrüppsaum, dem Tarai, die untersten 1000 m von tropischem Regenwald bedeckt sind, der in den Flußtälern auch tief ins Gebirge eindringt. Darüber folgt bis 2500 m der schönste Teil des Himalajawaldes, ein äußerst mannigfaltig zusammengesetzter tropischer Gebirgswald, in dessen Gebiet unter anderm auch Simla und Darjeeling liegen. Ihm schließen sich bis 3700 m hinauf nichttropische Wälder an, dann die Zone der Alpenrosen (Rhododendren) und Alpenkräuter bis zur Montblanchöhe, und dann erst beginnt der ewige Schnee. Der Artenreichtum der gesamten indischen Flora wird auf etwa 20000 geschätzt.
Die hauptsächlichsten Charaktertiere Vorderindiens: Elefant, Tiger und Pfau, sind Bewohner der Urwälder und Dschangeln, die auch Affen, Tapir und Wildschweine, verschiedene Wildrinder, Fasanen, zahlreiche Papageienarten, in Südindien außerdem Nashornvögel und Halbaffen (Makis) beherbergen. In den Savannen und lichten Wäldern des Dekhans streifen das Nashorn, verschiedene Antilopenarten, die gestreifte Hyäne, der Lippenbär und das Schuppentier umher. In den Gewässern hausen Krokodile und Gaviale. Zahlreich sind die Schlangen, namentlich die Giftschlangen (Brillenschlange!) des Dekhans, an deren Biß jährlich etwa 12000 Menschen zugrunde gehen. Der Löwe kommt nur noch in den Gebirgen des Indusgebietes vereinzelt vor.
Die Bevölkerung ist so dicht wie kaum sonst in einem großen Ländergebiet der Erde, China und Westeuropa ausgenommen. 1901 lebten im eigentlichen Vorderindien auf 3,5 Mill. qkm etwa 280 Mill. Menschen, d. h. 81 auf 1 qkm (Europa ohne Rußland: 4,4 Mill. qkm, 300 Mill. Einw., etwa 70 auf 1 qkm). Die Volksverdichtung Vorderindiens würde aber viel höher sein, wenn nicht selbst jetzt noch, unter der geordneten Verwaltung der Engländer, Pest, Cholera und Hungersnöte (letztere hervorgerufen durch die namentlich im Nordwesten öfters ausbleibenden Regenzeiten und darauffolgende Mißernten) alljährlich zahlreiche Opfer forderten.
Trotz der Abgeschlossenheit der Halbinsel, die von zwei Seiten durch schwer überschreitbare Gebirgszüge, von den beiden andern durch inselarme Meere isoliert ist, ist die heutige indische Nation aus sehr mannigfachen Bestandteilen erwachsen, die größtenteils durch die einzige Zugangsstraße zu Lande, die Kabulpforte im NW., eingedrungen sind; erst seit dem 15. Jahrh. kamen sie übers Meer herüber (Portugiesen, Franzosen, Engländer).

Zu Beginn der geschichtlichen Zeit kam um 2000 v. Chr. das Viehzüchter-und Kriegervolk der Arier, die Träger der Sanskritsprache, aus Iran ins Indusgebiet, und ihnen sind im Laufe von vier Jahrtausenden noch viele Völkerwellen—Perser, Griechen, Skythen, Araber, Afghanen, Turktataren —gefolgt. Aber schon die Arier fanden sowohl im Indusgebiet als auch im Gangestal, in das sie vom 14. Jahrh. v. Chr. an vorrückten, zahlreiche ältere Völkerschaften vor, die sie großenteils in die Himalajawälder und ins Dekhan verdrängten. Heute ist daher die Völkergruppierung im wesentlichen die folgende: das ganze Indus-und Gangesgebiet und das nordwestliche Dekhan nehmen die Hindu ein, die im Tropenklima schlaff und weichlich gewordenen und stark mit andern Völkerstämmen vermischten Nachkommen der alten Arier. Den Südostteil der Halbinsel bewohnen die Drawida oder Südindier, häufig auch nach einem ihrer Hauptstämme Tamulen genannt; sie sind länger in Indien heimisch als die Arier. Eine noch ältere Völkerschicht stellen die Mundavölker in der Nordostecke des Dekhans und dem angrenzenden Stück des Gangestales dar, die noch heute auf ziemlich primitiver Kulturstufe leben, und einige Naturvölker Südindiens, besonders die Toda im Nilgirigebirge um Ootakamund (S.130 ). Mongolische Völkerstämme, Verwandte der Tibeter, wohnen im Himalaja, sowohl im W., in Kulu und Spiti, wie namentlich im O., in Nepal, Sikhim und Bhutan. Bei einem Ausflug nach Darjeeling kann man sie kennen lernen.
Unter den außerordentlich mannigfaltigen Erscheinungsformen der indischen Halbkultur treten besonders das Kastenwesen und die religiösen Verhältnisse in den Vordergrund. Die Kasten, die auf die Berufsteilung und auf die Rassenunterschiede zurückgehen, sind unzählige, vom Brahmanen, dem Angehörigen der einstigen arischen Herrenschicht, bis zum verachteten Paria. Äußerlich unterscheiden sich die Kasten durch gewisse Abzeichen in der Tracht. Viel stärker als die Kasten machen sich die religiösen Gegensätze im Volksleben wie in den Volkstrachten bemerkbar. Die Religionsgeschichte Indiens ist so reich, wie wohl die keines andern Landes der Erde. Am weitesten verbreitet ist heute der Brahmanismus oder richtiger der Neu-Brahmanismus ( Hinduismus ). Die Idee des Brahma, der Weltseele, geht auf den in den Veden niedergelegten Dämonen-und Naturgötterglauben der alten Arier zurück. Diese Vedenreligion ist einerseits zu einem hochstehenden philosophischen System weitergebildet worden, anderseits aber durch Aufnahme immer neuer Ideen aus den religiösen Vorstellungen der ältern Volksstämme Indiens, wozu namentlich der Seelenwanderungsglaube und die Verehrung von Wischnu und Schiwa und ihrer Gemahlinnen Lakschmi und Kali zu rechnen sind, zu dem heutigen Hinduismus herabgesunken, der sich scheinbar ganz in Äußerlichkeiten, Prozessionen zu den prächtigen Tempeln, religiösen Aufführungen, Bajaderentänzen, Wallfahrten zum heiligen Gangesflusse, Fakirtum, erschöpft und in zahlreiche Sekten zerfällt. Indien ist ferner um 500 v. Chr. die Geburtsstätte des Buddhismus geworden, der aber nach 1200 Jahren dem ältern Brahmanismus wieder hat weichen müssen; nur Tempel- und Klosterruinen halten die Erinnerung an seine indische Blütezeit wach. Bis heute hat sich dagegen der Islam erhalten, der in Nordwestindien über 60 Mill. Bekenner zählt, und in Bombay und Umgegend die an Mitgliederzahl (etwa 95000) kleine, aber einflußreiche Sekte der Parsen, d. h. der Anhänger der Lehren Zoroasters (vgl. S.61 ). Mohammedaner wie Parsen unterscheiden sich von den Hinduisten scharf durch ihre Kopfbedeckungen, die Mohammedaner durch den Turban, die Parsen durch ihre hohen schwarzen Glanzstoffhüte.
Wirtschaftliche Verhältnisse. Die Nahrung der indischen Eingebornenbevölkerung ist fast ausschließlich vegetabilisch, und so ist auch der Bodenbau die Grundlage von Indiens Reichtum. Reis, Weizen, Hirse und Sorghum sind die wichtigsten angebauten Nahrungspflanzen.