Vgl. die Karten bei S.96 und64.

Eisenbahn: Linie 3) (s. oben). Abfahrt von Bombay von Colaba Station (am besten, um guten Platz zu bekommen, l. sitzen!). Schnellzug bis (849 M, 1367 km) Delhi mit Bombay Baroda & Central Indian-Bahn in 35 St. für I. Kl. etwa 62 Rup. 7 annas, II. Kl. 31 Rup. 4 annas, Diener 8 Rup.
Der Reisende gelangt auf dieser Linie aus dem regenreichen, von üppiger Tropenvegetation bedeckten Westküstengebiet des Dekhans, das den Regen bringenden Südwestmonsun aus erster Hand erhält, in immer trockenere Zonen; dementsprechend ändert sich auch die Vegetation, die in Radjputana schon mehr Ähnlichkeit mit der des trockenen Vorderasien hat, als mit der tropischen des südl. und östl. Vorderindien. Die Temperaturverhältnisse ändern sich im Sommer zwischen Bombay und Delhi nicht so sehr, als man es nach der etwa 10 Breitengrade betragenden Entfernung erwarten sollte; dagegen ist der Winter in Bombay ganz bedeutend wärmer als in Agra und Delhi (Januartemperatur in Bombay 23,6°, in Agra 15,6°).Die täglichen Temperaturschwankungen, die für das körperliche Befinden des Menschen besonders wichtig sind, sind in Nordwestindien viel größer als in dem beständig feucht-warmen Bombay.

Ostindien, nördl. Teil. Ostindien, nördl. Teil.

Die Bahn geht von Bombay nördl. längs der Back Bay mit Blick auf Malabar Hill und die Türme des Schweigens, durchläuft die flache Insel Bombay, Dörfer mit Kokospalmen, und kreuzt bei (10 M) Mahim das seichte Meer zwischen den Inseln Bombay und Salsette auf einem Damm (von hier ab vgl. die Karte S.96 ). Jenseit des Dammes (11 M) Bandra mit alten portugiesischen Kapellen, beliebtes Seebad mit frischerem Seeklima; ein Ritt längs der Westküste der Insel von Bombay nach Bandra ist sehr lohnend zum Kennenlernen tropischer Natur (s. S.42 ).—Die Bahn führt nun nahe längs der Westküste der Insel Salsette nach (18 M) Goregaon, dicht am Meer; etwa 2 km nö. vom Bahnhof liegen die Tempelhöhlen von Jogeshwar aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrh.—(22 M) Borivli. Von der Stat. Borivli in 1 St. (mit Tonga) über waldige Hügel nach den interessanten Höhlen von Kanhari, 109 in Felsen gemeißelte buddhistische Mönchszellen (jetzt verlassen).—Bei (23 M) Bhayndar ( Ghorbandar ) überschreitet die Bahn auf 2 M langer Brücke den Basseïn Creek, einen Meeresarm, der die Insel Salsette vom Festlande trennt; jenseits liegt (29 M) Stat. Basseïn Road (Dâk Bungalow).

Von Basseïn Road mit Tonga (stets bereit) auf Landstraße südwestl. nach (8 km) * Basseïn (Dâk Bungalow, Frühstückskorb mitnehmen, Unterkunft beim Stationsvorstand schriftlich vorausbestellen!), als starke Seefestung 1532 von den Portugiesen angelegt, 1674 von arabischen Piraten geplündert, 1739 von den Mahratten, 1744 und 1780 von den Engländern erobert, den Mahratten aber zurückgegeben, wurde erst 1817 englisch. Das Rasthaus nahe den Ruinen hat Tische und Stühle. Man fährt durch das mächtige Seetor (aus Teakholz, gut erhalten) in das Fort; der Hauptweg führt zur Kathedrale Matriz St. Joseph mit gut erhaltenem Turm. Mitten im Fort liegt die Zitadelle, in ihr die älteste Kirche Indiens, Nossa Senhora da Vida, mit sehenswertem Kanzeldach. Im W. Hindutempel und Tank. Zwischen Tank und Municipal Road liegen Kirche und Hospital Misericordia, letzteres mit herrlichen Klosterhallen; die Kirchenfront ist das schönste Architekturstück Basseïns. Im Kloster pflegte der heilige Francis Xavier während seiner Besuche 1544 und 1548 auszuruhen. Auch das Landtor Porto da Terra ist sehenswert. (Der Besuch der Ruinen Basseïns wird von Kennern sehr empfohlen!)

Die Bahn berührt unbedeutende Stationen. Von (108 M) Stat. Daman Road (Dâk Bungalow) führt eine Landstraße westl. nach (7 M) Daman, einer 1531 begründeten, noch jetzt portugiesischen Niederlassung, die zu Goa gehört; kleine befestigte Seehandelsstadt an einem Flusse mit seichter Barre und schlechtem Ankerplatz für Schiffe.—Weiter nach (115 M) Stat. Udvada mit dem ältesten parsischen Feuertempel in Indien, dessen Feuer aus Persien vor einem Jahrtausend (700 n. Chr.) mitgebracht wurde und seitdem brennt. Es folgt die kleine Stadt (149 M) Navsari, Erziehungsort für parsische Priester.—(167 M) Stat. Surat (Dâk Bungalow), Stadt mit 114116 Einw., früher als Hauptort der englischen Handelskompanie im 18. Jahrh. mit über 3 / 4 Mill. Einw.; viele Moscheen, Hindu-und Parsitempel, große Basare (Intarsien, Sandelholzschnitzereien), Tierspital; Baumwoll-und Seidenspinnereien; da der Hafen von Surat, Siwalli, an der Tapti-Mündung eine schlechte Reede und versandete Barre hat, hat Surat seine Bedeutung als Seehandelsplatz längst verloren.—2 M weiter überschreitet die Bahn auf langer Brücke den Tapti.—Vor (204 M) Stat. Broach ( von hier ab vgl. die Karte bei S.64 ) führt die Bahn auf einer schönen Brücke über den Nerbudda (spr. narbadda), den 1280 km langen Hauptfluß der Zentralprovinzen, der den Hindus nicht viel weniger heilig ist als der Ganges. Im Spätsommer, gegen Ende der Regenzeit, ist er mächtig angeschwollen. Die kleine Stadt Broach ist sehr alt, hat auch fünf »Türme des Schweigens«. 16 km östl. liegt der Hindu-Pilgerort Shukaltirth.— (248 M) Stat. Baroda (gute Bahnwirtschaft mit Schlafgelegenheit), Stadt mit 99376 Einw., am Flüßchen Wiswamitri, Hauptstadt des gleichnamigen Gaekwar-(Kuhhirt-)Staates, mit starker englischer Besatzung, deren Kasernen durch einen hübschen Park von der Eingebornenstadt getrennt sind. In dem alten Nazar Bagh-Palast liegen viele Juwelen, auch zwei Feldgeschütze, deren Rohre aus massivem Gold, die Lafetten aus Silber sind. Weiße Stiere als Geschützbespannung werden nahebei gehalten.—Nw. von Baroda durchläuft die Bahn die ebene, fruchtbare, im Winter kahle und öde, in der Regenzeit aber grüne, parkähnliche Landschaft Guzerat, durch die man bei Tage fahren sollte. Besonders die Baumwolle von Guzerat ist berühmt.—Vom Bahnhof (292 M) Mehmadabad (guter Warteraum im Bahnhof) malerischer Blick auf den Fluß; abends und morgens spielen Affenherden dicht beim Zuge; günstiger Jagdausflug auf schattiger Straße von Mehmadabad nach Kaira (11 km), einer 3 1 / 2 Jahrtausende alten Stadt; die Umgegend ist reich an Nilgai und andern Antilopen, Affen, wildem Geflügel (Kraniche, Papageien) und Alligatoren.—Die weitere Bahnstrecke bis nach Delhi ist überreich an schönen Gebäuden und Ruinen. Man erreicht nun (310 M, 496 km) Stat. * Ahmedabad, eine der schönsten Städte Indiens, berühmt durch ihre Denkmäler; man sollte wenigstens 24 St. Aufenthalt nehmen (5 Tage genügen kaum zu gründlichem Besuch).

Bahnhof der Bombay & Baroda Railway beim Kaloopur Gate an der östl. Stadtmauer.— Gasthöfe: Empire Hotel, Bhadar, Pens. 10-12 Rup., in guter Lage; Grand Hotel, Mirzapur Road, Pens. 7 Rup., einfacher, gelobt.— Bank: Filiale der Bank of Bombay.— Einkäufe: Empfehlenswerte Schnitzereien u. Einlegearbeiten. — Wagen in den Hotels; Droschken I. und II. Kl. nach Tarif.

Ahmedabad, Bezirkshauptstadt mit 215448 Einw. ( 2 / 3 Hindu, 1 / 5 Mohammedaner, viele Dschainas, d. h. Anhänger einer etwa gleichzeitig mit dem Buddhismus entstandenen religiösen Sekte), am l. Ufer des Sabarmatiflusses, mit alten Mauern und Türmen, ist Anfang des 15. Jahrh. von Ahmad Schah, dem zweiten mohammedanischen König von Guzerat, gegründet, war später zur Zeit des Mogulreichs eine der glänzendsten Städte des westlichen Indiens und stets berühmt durch sein Kunsthandwerk; hat bedeutendes Goldwaren-, Seiden-und Baumwollengewerbe. Die Stadt ist reich an schönen Denkmälern, Moscheen, Mausoleen, Dschain-und Hindutempeln und hat echt orientalisches Gepräge; die schmutzigen Straßen haben viele marmorne Futterstellen für Vögel, die Häuser sind reich an Holzschnitzereien.—Bei einer Rundfahrt sind die Hauptsehenswürdigkeiten: der Hathi Sing's Tempel im Dschainstil, Prachtbau mit reichen, kunstvollen Skulpturen (1848 erbaut) aus weißem Marmor, von einem Vorhof mit 53 Pagodenkuppeln umgeben, auch im Innern (Diener liefern Leinwandüberschuhe, die man aus zeremoniellen Gründen tragen muß!) sehr sehenswert; er liegt nahe vor dem Nordtore ( Delhi Gate ) der Stadt, im Grünen, von Affen und Papageien umschwärmt. Östl. davon vor der Stadt die * Mata Bhawani (große Zisterne).—Man fahre dann durch Delhi Gate südl. am Manik Burj (Rubinbastei) vorbei (l.), die über dem Grundstein der Stadt erbaut ist.—Am Platz in der Mitte der Stadt liegen die * Gräber der Königinnen des Ahmad Schah, ein großer Bau aus schwarzem und weißem Marmor. Gegenüber, mitten auf dem Platze, die Hauptmoschee, * Jama Masjid, 1424 von Ahmad Schah erbaut; Eingang von N. auf einer Freitreppe; ihre beiden Minarets wurden im Erdbeben 16. Juni 1819 halb zerstört.—Ebenfalls ein Prachtbau ist die * Rani Sepree's Moschee nebst Grabdenkmal der Lieblingsgattin Mahmud Bigarah's, am Ende der Straße nahe südl. von den Gräbern der Königinnen, dicht beim Astoria Gate, erbaut 1514. Dicht westl. davon liegt Dastur Khan's Moschee, erbaut 1486.— Durch das Astoriator führt ein Weg nach (2,5 km) dem * Grabmal des Schah Alam; nahe südl. davon liegt in hübscher Umgebung ein Wasserbehälter.—Auf der Rückfahrt besuche man östl. vom Weg den großen * Kankariya-Teich mit prächtigen Anlagen, Marmortreppen und Kuppeltoren, 1451 vom Sultan Kutab-ud-din erbaut.— Am Fluß, mitten in der Westmauer der Stadt, liegt die alte Zitadelle * Bhadr (spr. bödder), 1411 von Ahmad Schah erbaut; an ihrer Ostseite liegt Azam Khan's Palast, jetzt Gefängnis. Sehr schön ist das Nordtor des Bhadr; in der NO.-Ecke der Zitadellenmauer liegt die * Sidi Said's Moschee mit reichen Pflanzenornamenten aus Marmor.

Etwa 3,5 km sw. der Stadt, jenseit des Flusses, liegt das Prachtmausoleum Azam and Mu'azzam Khan's Tomb, aus dem 15. Jahrh. Derselbe Weg führt nach (11 km) * Sarkhej, einer prächtigen Sommerpalastruine aus dem 15. Jahrh., vom Sultan Mahmud Bigarah's erbaut, gut erhalten, mit vielen prächtigen Mausoleen, Moscheen und Palästen an einem künstlichen Teich; selten besucht, aber sehr sehenswert.
Ein größerer Ausflug von Ahmedabad mit der Bahn durch die Provinz Kathiawar über Viramgam nach (165 M) Songad (bequeme Karawanserei); von da mit Fahrgelegenheit, die der Deputy Assistant Political Agent verschafft, nach dem etwa 24 km südl. von Songad gelegenen Wallfahrtsort * Palitana, wo die schönsten, doch selten besuchten Dschaintempel Indiens auf dem * Satrunjaya (Heiliger Berg) liegen, eine großartige Tempelstadt, die sich über zwei Hügel und das Tal dazwischen erstreckt. Auf Bequemlichkeit ist unterwegs nicht zu rechnen. Schließt man daran noch den weitern Ausflug nach den Tempeln von * Girnar bei der Bahnstation Junagarh (Dâk Bungalow und staatliches Logierhaus), so muß man 6 Tage für den anstrengenden, aber sehr lohnenden Ausflug rechnen.

Die Bahn kreuzt nördl. von Ahmedabad den Sabarmati ( Saburmuttee ) auf einer schönen Brücke und führt dann durch reich bebaute Gegenden des nordwestlichen Guzerat; die Dörfer haben elende Lehmhütten. Nach Überschreiten der Nordgrenze von Guzerat wird die Gegend wieder hügeliger.