Dampfer der Ceylon Steamship Co. (Agent Walker, Sons & Co., Colombo) von Colombo jeden zweiten Mi. u. Fr. Nm. abwechselnd nach Norden oder nach Süden; Fahrzeit etwa 8 Tage; Fahrpreis 125 Rup.
Die Nordrundfahrt führt zunächst nach Pambam auf dem Westende der Insel Rameswaram, am Westende der Adamsbrücke, einer 23 km langen Kette kleiner Inseln und großer Riffe zwischen der Westspitze der Insel Manár und der Ostspitze der flachen, sandigen Insel Rameswaram (Eisenbahnüberbrückung nach Indien im Bau). Nach mohammedanischem Glauben soll Adam über die Adamsbrücke aus dem Paradiese (Ceylon) vertrieben sein. Pambam liegt an der einzigen Durchfahrt ( Pambam Passage ) zwischen dem Golf von Manár und der Palkstraße.
* Rameswaram ( Ramisseram ), Überfahrt von Mandapam (Endpunkt der Zweigbahn von Madura, S.126 ) mit Dampfboot, hat den schönsten drawidischen *Tempel Indiens mit berühmten Heiligtümern, die von großen Pilgerscharen besucht werden. Der große Tempel steht im nördl. Teil der Insel, südl. von ihm liegt ein Frischwassersee; besonders schön sind die fast 120 m langen Tempelhallen.
Von Pambam nordwärts dampfend, erreicht man am nächsten Morgen Kankesanturai, den Hafen von Jaffna ( Rasthaus ), einer blühenden Stadt mit alten holländischen Forts und Kirchen, Sitz amerikanischer Missionsgesellschaften. Jaffna hat sehenswerte Hindutempel sowie schöne Umgebung. Eisenbahn von Jaffna über Pallai nach Anuradhapura (S.119 ).— Point Pedro, der nächste Anlegeplatz des Dampfers, bietet nichts.—Dann steuert der Dampfer sö.
Trincomali ( Rasthaus ); Postautomobile nach Anuradhapura (S.119 ) und Dambulla (S.119 ), wichtiger Kriegshafen in der Geschichte der Seekriege des 17. und 18. Jahrhunderts, wurde 1622 den Malabaren von den Portugiesen entrissen, 1639 von den Holländern erobert, 1673 den Franzosen, 1674 den Holländern, 1782 den Franzosen, 1783 den Holländern und schließlich von den Engländern seit 1795 behauptet. Im innern Hafen eine Marinewerft; der Ort ist stark befestigt und hat etwa 10000 Einw. Guter Fahrweg nach (92 km) Anuradhapura (S.119 ).—In der nächsten Nacht läuft der Dampfer nach
Batticaloa oder Baticalia ( Rasthaus ), Hauptstadt der Ostprovinz Ceylons, mit berühmten Webereien, auf einer Insel in einem tief einschneidenden Meeresarm; im Gewässer nahe der Stadt leben die berühmten singenden Fische (Cerithium palustre), eine Art Muschelfisch, deren volle, sonore Töne man in den Nächten vor und nach Vollmond im Boot belauschen kann (sehr wirkungsvoll, wenn man das Ohr durch einen Stock oder Zweig mit dem Wasser verbindet).— Der Dampfer fährt weiter nach Hambantota ( Rasthaus ), einem kleinen, schlechten Hafen; in dessen Nähe an der Küste nö. liegt (34 km) Kirinde ( Rasthaus ), von wo ein Weg nach (13 km) Tissamaharama, einer der ältesten verlassenen Königsstädte von Ceylon mit sehr alten, sehenswerten Ruinen, führt.
13 km nö. von Kirinde liegt Palutupane ( Rasthaus ), ein vorzüglicher Platz zur Jagd auf Elefanten, Büffel, Bären, Leoparden, Rehwild und Fasanen; in den Dschungeln trifft man viele sehr alte Ruinen. Von Palutupane guter Reitweg nach (209 km) Batticaloa (s. oben). Das Waldgebiet des Flusses Yala ist besonders schön.—Von Hambantota läuft der Dampfer nach Matara ( Gasthof und bequemes Rasthaus ), einer großen blühenden Stadt, Endpunkt der Küstenbahn nach Colombo.—Nach kurzer Dampferfahrt erreicht man
Point de Galle ( Oriental Hotel ), meist nur Galle genannt, sehr alte Seefestung mit 30000 Einw., aber schlechter Reede, daher seit dem Hafenbau von Colombo nicht mehr Dampferknotenpunkt. Die Umgebung ist sehr schön, der Palmenbestand wird als schönster auf Ceylon gerühmt. Landungsplatz an der Nordseite des Hafens. Mehrere Buddhistenklöster sind sehenswert.— Rückfahrt von Galle nach Colombo mit Dampfer oder mit Bahn (119 km) über Bentota, Kalutara und Mount Lavinia.
6. Von Colombo über Madras(-Ootacamund) nach Calcutta.
Darjeeling.
Vgl. die Karten bei S.96 und64.
Dampfer der British India Steam Nav. Co. meist mangelhaft, Verpflegung etc. mäßig. Von Colombo nach (180 Seem.) Tuticorin in 13 St., dann South Indian Railway nach (443 M, 713 km) Madras in 22 St. Abfahrt von Colombo gegen Abend, Ankunft in Tuticorin etwa 7 Uhr Vm.; Ankunft in Madras (Egmore) am nächsten Morgen; Fahrpreis Tuticorin-Madras I. Kl. etwa 28, II. 14 Rup. Zusammengestellte Fahrscheine, 2 Monate gültig, sind nur in Cook's Office zu haben, desgleichen solche für 2 Monate, mit Erlaubnis, überall die Reise zu unterbrechen, für die Fahrt von Colombo über Madras nach Calcutta. Fahrzeit Madras-Calcutta 43 St. auf der neuen Ostküstenroute ( New East Coast Route ). Eisenbahnzeit ( Standard Time ) ist 9 Min. früher als Madras-Ortszeit. (Über indische Bahnverhältnisse s. S.49.) In allen Schnellzügen ist bei Tage Eis und Selterwasser zu bekommen. Die Bahnwirtschaften der South Indian Railway sind meist gut.
[ Eisenbahn nach Indien über die Adamsbrücke ist im Bau (vgl. S.124 ); die neue Linie wird über Anuradhapura (S.119 ) führen und bei Medawachehiya nach Manár abzweigen, dann über Rameswaram nach Mandapam und Madura; dort Anschluß an die South Indian Railway, die über Döndigul und Trichinopoly nach Madras führt. Die Linie soll in einigen Jahren in Betrieb kommen.]
Dampfer Colombo-Madras: British India Steam Nav. Co. wöchentlich, wobei sie Küstenhäfen anlaufen.
Österreichischer Lloyd monatl. von Colombo über Madras (3 Tage) und Rangoon (8 Tage, 2 Tage Aufenthalt) nach Calcutta in 14 Tagen.
Dampfer Colombo-Calcutta: wie nach Madras; außerdem: Messageries Maritimes, monatliche Zwischendampfer laufen Pondichéry an;— Peninsular & Oriental Co. Zwischendampfer alle 14 Tage.
Geographisches. Die Ostküste der vorderindischen Halbinsel, die Koromandelküste, ist ganz flach, sandig, teilweise mit Dünenzügen besetzt, von Nehrungen begleitet und ohne alle natürlichen Häfen. Die Flüsse des Dekhans schütten vor ihr meist Deltas auf, ein Zeichen dafür, daß die Küste in langsamer Hebung begriffen ist. Hinter ihr breitet sich bis zum Abfalle der Ostghats eine durchschnittlich 100 km breite, sandige Küstenebene aus, die außerhalb der Regenzeit meist dürr und gelb aussieht und zum Teil nur mit Hilfe künstlicher Bewässerung bebaut werden kann. Sie ist reizlos und ungesund. Landschaftliche Schönheiten bieten sich dem Reisenden erst wieder dar, wenn er die Nilgiriberge (S.128 ) aufsucht.
Auf der Überfahrt von Colombo in NW.-Richtung über den Golf von Manár hat man meist bewegte See; man sieht christliche Fischerboote mit rotem Kreuz im Segel und mit Ausliegern. Die Dampfer ankern in Tuticorin 8 km außerhalb vom Lande, die Landung geschieht auf kleiner Dampfbarkasse, die bei bewegter See 3 / 4 St. bis zum Landungsplatze fährt. In Tuticorin Zolluntersuchung (S. 49); für Waffen jeder Art, auch Jagdgewehre, ist Zoll zahlbar und Passierschein erforderlich.
Grosser Tempel in Madura. Grosser Tempel in Madura.
Tuticorin ( Robert's Hotel, gut; Royal Hôtel; Dâk Bungalow; Bahnwirtschaft; wenn der Dampfer verspätet eintrifft, wird Frühstück im Zuge angerichtet), Stadt mit 28000 Einw., Baumwollpressen und Spinnerei; National Bank of India Ltd., Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank. Die frühere Perlfischerei ist jetzt nur noch unbedeutend (die Perlen haben keine gute Farbe). In der Nähe der Stadt große Salzfaktorei.—Hier beginnt die South Indian Railway (die Wagen stehen auf der Landungsbrücke); sie fährt über (19 M) Maniyachi in 5 St. durch die sandige Küstenebene nach
(99 M) * Madura (148 m; Bahnwirtschaft mit 9 Betten, gut; guter Dâk Bungalow, am Bahnhof; Bank of Madras. Fahrgelegenheiten knapp, zeitig bestellen; Einkäufe: Messingsachen und Gewebe in Seide und Wollmusseline, tüchtig handeln), Distriktshauptstadt mit 105984 Einw., einst Hauptstadt des Königreichs Karnatak. Madura, das»Athen«Südindiens, mit großartigen Trümmern und gut erhaltenen Tempeln, gilt als sehenswerteste Stadt Indiens nächst Benares (S.90 ). Der * große Tempel Meenachi (1,5 km westl. vom Bahnhof) ist das größte religiöse Bauwerk der Erde und bildet eine kleine Stadt für sich; er ist von neun»Gopuras«(reich mit Bildsäulen geschmückte pyramidale Turmbauten, Eingangstore für die Gottheiten) umgeben, deren höchste 46 m hoch ist. Am Nordende liegt die berühmte Halle der 1000 Säulen ( Sahasrastambha Mandapam ), von denen nur drei fehlen. Hunderte von Priestern halten sich in den vielen großen Räumen ständig auf. Die westl. Anlage ist Schiwa geweiht, hier Sundareshwar genannt; die östl. der Minakshi, der fischäugigen Gattin Schiwas. Innerhalb des letztern Tempeltores liegt der gemalte Säulengang der Ashta Lakshmi, nach acht Statuen dieser Göttin benannt, die das Dach stützen. In der Nähe der Wasserbehälter ( Teppa Kulam )»Tank der goldenen Lilien«( Swarna pushpakarini ), umgeben von einem Säulengang. Es ist schwierig, sich im Tempel zurechtzufinden, man nehme einen Führer und besuche die Anlage zweimal, wenn Zeit vorhanden, womöglich einmal abends, bei wunderbarer Beleuchtung durch Tausende von Öllämpchen, besonders bei hohen Festtagen (z. B. Anfang Dezember); auch kann man sich den Juwelenschatz zeigen lassen (Auslegung kostet bei Vorausbestellung 15 Rup.), ziemlich sehenswert. Prächtig ist die neue Halle Tirumala's Choultry östl. vom Tempel.—Der stilvolle königliche Palast von Tirumala Nayak (2 km westl. vom Bahnhof) dient als englisches Regierungsgebäude.—Nördl. von der Stadt liegt jenseit des Vaigai-Flusses das Tamkam, eine Arena für Kämpfe mit wilden Tieren, auch vom König Tirumala erbaut, jetzt Steueramt.— 5 km östl. vom Bahnhof und nördl. vom Fluß ist ein Teppa Kulam (heiliger Wasserbehälter), in dessen Mitte eine Insel mit Tempelanlage; schöne Fahrstraße führt durch prächtige Banyanallee dahin. Der größte dieser Banyanbäume ( Ficus indica ) beschattet eine Fläche von 55 m Durchmesser.
Die Bahn führt von Madura über (138 M) Dindigul (Bahnwirtschaft), Stadt mit Tabakmanufaktur und alter Felsenfestung, nach (184 M) Trichinopoly Junction Station (Bahnwirtschaft).