Bangkok (»Stadt der Obstbäume«), Hauptstadt von Siam, mit 628675 Einw. (darunter über 100000 Chinesen) und 18 km Umfang, unter 13° 45' nördl. Br., beiderseits des Menam, 33 km oberhalb dessen Mündung. Wichtiger Seehafen für Ausfuhr von Reis, Teakholz, Büffelhäuten etc.; 1908 liefen 830 Schiffe mit 774424 Reg.-Ton. ein. Die Ufer haben Landungsanlagen; die siamesische Flotte liegt beim Königspalast an Bojen, fremde Kriegsschiffe ankern gegenüber Oriental Hotel. Bangkok besteht aus einer innern, mit 10 m hoher Zinnenmauer umgebenen und einer äußern Stadt. Die Häuser liegen meist in Gärten, sind am Ufer aus Holz oder Bambus und auf Pfählen gebaut, sonst jetzt auch aus Stein erbaut, während früher Stein außer von Europäern nur zu Tempeln und Klöstern, deren Bangkok an 700 besitzt, und bei den königlichen Palästen verwendet wurde. Viele schwimmende Häuser auf Bambusflößen werden in den die Stadt durchziehenden Kanälen an Pfählen festgebunden, mit Kramläden oder Werkstätten; da viel Marktverkehr auf dem Wasser, ist der Fluß sehr belebt.

Stadtplan von Bangkok. Stadtplan von Bangkok.

In der innern Stadt liegt der Palast des Königs (s. unten) hinter einer hohen Mauer von 1300 m Umfang; der Boden im Innern ist ganz mit Marmor-und Granitfliesen belegt; inmitten des Hofes erhebt sich, von einem spitzen, vergoldeten Turm überragt, der Mahāprasāt, die Halle, in der der König ausländische Gesandte empfängt; in einem weitern Saal erteilt der König Gehör.— Der schönste Schmuck Bangkoks ist die Pagode Wat Tscheng (S.176 ), die sich in Terrassen bis zu einer Kegelspitze verjüngt. Mit den Pagoden sind stets Klöster verbunden, wo oft 200-300 Mönche wohnen, außerdem Güter, Höfe, Teiche, Tempel und Kapellen, alle umschlossen von einer großen Mauer.—Besuchswert ist auch die Vajirañan-Bibliothek (Dir. Dr. O. Frankfurter), 1881 gegründet, mit wertvollen Handschriften.—Die Bevölkerung besteht aus Tai oder Siamesen, ferner Birmanen, Chinesen, Malaien, Leuten aus Laos, Pegu, Annam, Kambodja.—Die heimische Industrie ist seit Zulassung des Fremdhandels sehr gesunken, nur der Bau von Flußschiffen und Dampfern, mit Maschinen aus Europa, noch bedeutend; ferner besteht in Bangkok eine Gesellschaft für elektrische Anlagen, viele Reisschälmühlen, Dampfsägewerke. Bangkok ist Mittelpunkt des aufblühenden Außenhandels von Siam.

Rundfahrt durch die Stadt. Das siamesische Leben und das Treiben auf den Märkten sieht man auf Fluß-und Kanalfahrten mit Dampfbarkasse oder Sampan oder mit Wagen zunächst morgens nach dem 2 km langen Hauptbasar Talāt Noï, wo das Völkergemisch erstaunlich ist, oder nach dem kleinern Basar Talāt Vat Koh; die meisten Fremden, besonders Chinesen, trifft man auf dem Basar * Sampeng im SO. der Stadt, mit vielen Verkaufsstellen von Lebensmitteln, Gebrauchsgegenständen, mit Niederlagen von Buddhafiguren und Götzenbildern; auch chinesische Spielhöllen fehlen nicht. Von den vielen, meist prächtigen Tempeln sind die schönsten im Palastviertel. (NB. Zutritt zum Palastviertel und zu dem großen Tempel sowie zum Museum ist nur gegen besondere Erlaubnis gestattet, die man durch Konsul oder Empfehlung erlangt.) Das * Palastviertel, wohin man durch die New Road mit Wagen fährt, besteht aus vielen großen und kleinen Gebäuden, in deren Mitte der Palast des Königs (s. oben), ein moderner Prachtbau mit siamesischem Dach, liegt. Wer gut empfohlen ist, erhält junge vornehme Siamesen (die fertig Englisch sprechen) als Führer. Es empfiehlt sich, Nm. gegen 5 Uhr zum Palast zu fahren; dann findet dort meist Promenadenkonzert statt. Hinter dem Empfangspalast liegt das Königshaus Khāng Nai, worin der König wohnt. Im Marstall werden die »weißen« Elefanten (schmutzig hellgrau oder graubraun mit weißen Flecken auf den Ohren, vgl. S.171 ) gezeigt; sie nehmen mit Dankverbeugung Zuckerrohr.—Prächtig ist der Tempel * Wat Phra Käo (Tempel der Kleinodien), dessen Hauptbau Phra Ubosat verschwenderisch reich an Goldmosaik ist; sein Hauptaltar, der eine Buddhafigur aus Jaspis mit Kopf aus Smaragd trägt, ist mit Gold und Edelsteinen übersät, die Türen sind mit Perlmutter eingelegt, die Ziegeln vergoldet etc. Zahlreiche Phratschedis (kegel-und pyramidenspitze kleine Pagoden) umgeben den Haupttempel; unter ihnen ist die Si Rathana Phratschedi außen bis zur Spitze mit Goldmusiv bekleidet.— In der Nähe liegt der Krönungstempel Putaprang Phrasat und daneben der feine Pavillon Phra Mondop.

Phantastische Figuren schmücken die Eingänge der Tempel; oft sieht man den Vogelmensch Khrut, aus Bronze, obere Hälfte Mensch, untere Vogel, mit spitzer Kopfbedeckung und Maske und grüner Fayencerüstung, daneben fast europäische Groteskfiguren, Antiken, Elefanten, Affen, Tiger, Pferde und Adler. Um die Altäre stehen Vasen mit betäubend duftenden Tempelblumen: Ylang-Ylang, Plumeria und Tuberosen, dazu Weihrauch, hell-und dunkelgelb gekleidete Priester mit Ylang-Ylangblüten in der Hand, Blumen und Reis opfernde Frauen and Kinder.

Außerhalb des Palastes liegt das Museum, eine Schatzkammer von Edelsteinen und chinesischem Porzellan. Daneben ein als Museum benutzter Tempel mit vielen Buddhafiguren.—Südl. vom Schloß sind Staats-und Wirtschaftsgebäude und Gartenanlagen mit Kiosken; am Menamufer ist ein Wasserpavillon und Anlegeplatz für Boote.—Im nördlichen Teile liegen das Ministerium des Auswärtigen, die Münze und die Druckerei. In der Nähe hat König Tschulalongkorn den schönen Dusit-Park (Paradiespark) angelegt, wo gelegentlich bei elektrischem Licht Musik spielt und Feste gefeiert werden; in der Nähe ist ein großes * siamesisches Theater, wo nur junge Mädchen meist sehr phantastische Stücke aus der indischen Göttersage spielen.—Von den vielen Tempelanlagen ist * Wat Tscheng mit dem 70 m hohen Phraprangturme weithin sichtbar; von der obersten Galerie prächtige Aussicht. Den Mittelbau krönen vier Türmchen, aus deren Nischen dreiköpfige Elefanten hervortreten. —Ebenfalls weithin sichtbar erhebt sich über einer Baumgruppe auf einem Hügel der Wat Saket.—Die größte Tempelanlage nahe dem Königsviertel ist der Wat Poh mit 49 m langer, schwer vergoldeter liegender Buddhafigur, auf deren mit Perlmutter eingelegten Fußsohlen die 64 Zeichen der Schönheit und Bilder aus Buddhas Leben dargestellt sind.—Noch zu erwähnen ist der Wat Radschabophit mit den Grabmälern der Königskinder; Wat Sutat mit Riesenbuddha, dem 72 überlebensgroße Jünger gegenüber sitzen; der Palast Sarānrom mit schönen Fresken.

Siamesische Volksfeste. Das Hauptfest Kathin (Besuch der Tempel) ist im Oktober; der König besucht am ersten Tage zu Wagen, die beiden nächsten zu Fuß oder in prächtigem vergoldeten Tragstuhl mit militärischem Aufzug die Tempel, wobei die ganze Stadt festlich geschmückt ist, an den folgenden vier Tagen in seiner 50 m langen grotesken Galeere Rüa Pratinang, von 60 Ruderern bewegt, mit etwa 40 märchenhaft ausgerüsteten Prachtbarken, worin die Prinzen und der Hofstaat folgen, mit Musik und Gesang der Ruderer die Tempel auf dem rechten Flußufer. Wenn diese Aufzüge zu Ende sind, beginnen die Volksfeste mit Illumination, Feuerwerk und phantastischen Aufzügen.—Andre Feste sind: die Zeremonie des Haarknotenabschneidens bei den Königskindern; die Verbrennung verstorbener Prinzen und Prinzessinnen, wo die Festlichkeiten: Paraden, Umzüge, Feuerwerke, Laternentänze, Theater-und Marionettenvorstellungen, meist drei Tage dauern, u. a.—Ähnlich, mit märchenhafter Illumination des Palastes, der Stadt und der Kriegsschiffe, wird der Geburts-und Krönungstag des Königs gefeiert.
Ausflüge: 1) Nach Phrabāt (oder Prabat ), einem berühmten Wallfahrtsort, 16 km nördl. von Bangkok auf einem Berg. Eisenbahn (nach Lop buri ) bis (102 km) Tarna, von da mit Straßenbahn noch 20 km. Phrabāt ist ein Kloster, das in vergoldetem Turm auf mit Silberplatten belegtem Fußboden hinter silbernem Gitter eine heilige Fußspur Buddhas, mit goldenem Geschmeide bedeckt, enthält; im Hintergrund eine Buddhafigur unter goldenem, mit Edelsteinen verziertem Thronhimmel.

2) Nach *Ayuthia, 70 km nördl., sehr lohnend, Führer und Mundvorrat mitnehmen! Eisenbahn von Bangkok nach Ayuthia in 2 St.; der Bahnhof in Ayuthia liegt 1 / 2 St. von den Ruinen und dem Elefantenkral. Empfehlenswerter ist die * Fahrt auf dem Menam mit selbstgemietetem kleinen Dampfer der Siam Steam Packet Co.; man muß für Verpflegung selbst sorgen. Fahrzeit zu Berg etwa 10-12 St., zu Tal 6-9 St. Auf der Flußfahrt beobachtet man siamesisches Leben auf den schwimmenden Häusern; die Ufer sind mit wohlhabenden Dörfern, Gärten und Reisfeldern bestanden. Grüne Ufer findet man beim königlichen Sommerschlosse Bang Pha-in (auch mit der Bahn zu erreichen; zum Besuch ist Erlaubniskarte erforderlich, 4-5 Tage vor dem Ausflug beim Konsulat zu bestellen), mit schönen Gärten, zierlichen Pavillons, Elefantenstall, Bädern etc., auch einen Buddhatempel in gotischem Kirchenstil! Nun teilt sich der Fluß, der östliche Arm führt zum Ort Ayuthia; man landet beim * Elefantenkral, Riesenzaun aus 3-4 m hohen und 1 / 2 m dicken Teakholzpfosten, die etwa 1 / 2 m voneinander in die Erde gerammt sind; mit zahmen weiblichen Elefanten werden die wilden Herden aus den Dschungeln der Umgegend in die Nähe des Krals gelockt, dann durch eine Treiberkette mit Geschrei, Tamtam, Fackeln und Schüssen in den Kral getrieben. Der König sieht dem Eintreiben auf hohem Pavillon zu. Dann besorgen zahme Elefanten das Zähmen der wilden, von denen die schönsten in den Marstall des Königs kommen (noch im Anfang des 19. Jahrh. sollen bis zu 6000 Kriegselefanten an den Schlachten in Hinterindien teilgenommen haben), die übrigen als Arbeitstiere bei den Holzfällern, an Sägemühlen und Bauunternehmer verkauft werden.—Die malerischen Ruinen der alten Hauptstadt (ihre Blüte war 1350-1767) liegen auf einer Insel von 8 km Umfang, die mit Zinnenmauer umgeben war; kleine Kanäle führten vom Fluß in die Stadt; am schönsten sind die Trümmer des alten Palastes mit *Riesenbuddha und die der königlichen Tempel. Am Südende der Stadt hatten die Niederländer eine Handelsfaktorei, gegenüber die Portugiesen und französischen Jesuiten, die eine Zeitlang sehr einflußreich waren. Von einem vierstöckigen Wachtturm guter Überblick über Alt-und Neu-Ayuthia; der neue Ort Krungkao mit etwa 20000 Einw. ist eine Pfahlbautenstadt, in der man mit Sampan in die Läden und Spielhöllen, viele in schwimmenden Hütten, fährt.—Etwa 6 km von der Stadt liegt in der Ebene die sehr hohe und daher sehr heilige Pyramide oder Phratschedi Palavi, umgeben von Sümpfen, daher nur im Sampan oder auf Elefanten zu erreichen; oben *Aussicht; im dritten Stockwerk eine riesige vergoldete Buddhafigur.
3) Nach Lopburi, etwa 50 km stromauf von Ayuthia am Menam, mit Dampfer; der Ausflug soll sehr anstrengend, aber auch sehr lohnend sein (Auskunft bei den deutschen Eisenbahnbaumeistern in Bangkok).

Indochina.

Von Singapore nach Saïgon.