Fig. 31.

Noch augenfälliger zeigt sich die Schwere der Kohlensäure an folgendem Experiment auf meiner Wage. Auf die eine Wageschale habe ich ein Glas gestellt und durch Gewichte auf der andern Seite die Wage wieder ins Gleichgewicht gebracht. Ich gieße nun dieses mit Kohlensäure gefüllte Glas in das Gefäß auf der Wage aus, das erst nur atmosphärische Luft enthielt, und Ihr seht, wie es sofort niedersinkt. Auch jetzt will ich die Untersuchung mit meinem brennenden Wachsstock nicht unterlassen – wir sehen, wie ihm das Fortbrennen in dem Gefäß auf der Wage unmöglich wird, wissen also, daß sich wirklich Kohlensäure darin befindet.

Blase ich eine Seifenblase, natürlich mit gewöhnlicher Luft, und lasse sie in dieses Gefäß mit Kohlensäure fallen, so wird sie schwimmen. Aber ich will zuerst einen dieser kleinen, mit Luft gefüllten Ballons nehmen. Ich bringe ihn in dieses, zum Teil mit Kohlensäure gefüllte Gefäß. Er schwimmt auf der Kohlensäure, und wir können daran die Höhe erkennen, bis zu welcher sie das Gefäß erfüllt. Gieße ich noch mehr Kohlensäure hinein, so wird der Ballon gehoben. Jetzt ist das Gefäß nahezu voll davon; und nun will ich sehen, ob ich eine Seifenblase darauf blasen und sie in derselben Weise schwimmen lassen kann. [Der Vortragende bläst eine Seifenblase, läßt sie in das Gefäß mit Kohlensäure fallen, und sie schwimmt richtig mitten darin.] Sie schwimmt wie vorher der Ballon, weil die Kohlensäure schwerer ist als die Luft.

Wir haben nun die Kohlensäure kennen gelernt, sowohl hinsichtlich ihrer Bildung aus der Kerze oder dem Marmor, als in ihren wichtigsten physikalischen Eigenschaften, besonders in ihrer Schwere; und bei unsrer nächsten Zusammenkunft denke ich Euch zu zeigen, wie sie zusammengesetzt ist, d. h. aus welchen Elementen sie besteht.

Fußnoten:

[17] Dieses »Prüfgas« ist das sogenannte Stickoxyd der Chemiker, eine Verbindung von Stickstoff (von welchem in dieser Vorlesung ausführlich die Rede ist) und Sauerstoff. Es ist ausgezeichnet durch die Eigenschaft, sich in Berührung mit freiem Sauerstoff sogleich mit diesem zu einer sauerstoffreicheren Verbindung zu vereinigen. Da Stickoxyd und Sauerstoff farblose und unsichtbare Gase sind, das Gas, welches durch ihre Verbindung entsteht, aber dunkel rotbraun gefärbt ist, so zeigt in der Tat das Stickoxyd die Gegenwart von freiem Sauerstoff in einer sehr augenfälligen Weise an.

[18] Siehe [Fig. 9], Seite 74.

[19] Bei unvollständiger Verbrennung.

[20] Fix kommt aus dem Lateinischen und bedeutet fest.