Der Indische Ocean steht infolge des großen Produktenreichtums seiner Gebiete hinsichtlich der Dichtigkeit der Schiffahrtslinien an dritter Stelle.
Den dunkeln Erdteil umschwärmen im Westen und Osten nur einige wenige Linien.
Prüft man die oben angeführten Schiffahrtslinien hinsichtlich der Länge des Weges, so stehen in dieser Beziehung obenan die australischen Routen, und zwar unter diesen wieder die von der New Zealand Shipping Company befahrene Route Plymouth-Auckland mit 13694 Seemeilen; es ist dies die größte von ein und demselben Schiffe im Weltverkehr zurückzulegende Entfernung; es folgen die Linien Bremerhaven-Sydney mit 12368 Seemeilen, London-Brisbane mit 12311 und Marseille-Numea (Neu-Caledonien) [Messageries Maritimes] mit 11841 Seemeilen. — Den australischen Linien reihen sich an jene nach dem südamerikanischen Westen und Ostasien. Es beträgt z. B. die Entfernung zwischen Hamburg-Callao 10962, zwischen Liverpool-Callao 11061 Seemeilen; ferner die Entfernung zwischen London-Shanghai 10669, zwischen London-Yokohama 11591, zwischen Bremerhaven-Shanghai 11083 und zwischen Marseille-Yokohama 9853 Seemeilen. — Auf 5000–8000 Seemeilen beläuft sich die Entfernung auf den Linien nach Vorderindien, der südamerikanischen Ostküste, nach Mittelamerika, dann West- und Südafrika; so z. B. zwischen London-Calcutta auf 8083, zwischen London-Bombay auf 6274, zwischen Bremerhaven-Buenos-Aires auf 6745, zwischen Hamburg-Colon auf 5580, zwischen Hamburg-Tampico auf 6145, zwischen Lissabon-Mossamedes auf 5250 und zwischen Plymouth-Kapstadt auf 5951 Seemeilen. — Zu den kürzesten überseeischen Routen zählen jene nach den Vereinigten Staaten von Amerika (Bremerhaven-New-York 3565, Hamburg-New-York 3675 Seemeilen).
Vergleicht man die verschiedenen Schiffahrtskurse nach der Zeitdauer, die sie beanspruchen, so erfordert die längste Zeit die Linie Hamburg-Callao (65 Tage). — Nach Australien und Ostasien währt die Fahrt von Brindisi aus ca. 32–40 Tage. — Die Häfen der südamerikanischen Ostküste (Rio de Janeiro, Montevideo, Buenos-Aires), sowie jene von Mittelamerika (Colon, Veracruz) erreicht man von Hamburg und Bremerhaven in ca. 30 Tagen. — Nach Südafrika (Kapstadt) gelangt man von England aus in 20 Tagen, in der gleichen Zeit (21 Tagen) auch von Brindisi nach Zanzibar, nach Ober- und Nieder-Guinea dagegen sowohl von England wie auch von Deutschland aus erst in ca. 32–53 Tagen. — Nach den vorderindischen Häfen Bombay und Calcutta beträgt die Fahrtdauer von Brindisi aus nur 15, bezw. 26 Tage. — Zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten verkehrt man in 9–12 Tagen.
Stellen wir endlich auch noch die Preise für die verschiedenen Seefahrten ab deutschen Häfen zusammen, so ergiebt sich folgendes Resultat:
| Von | nach | Personengeld in Mark. | Eigentümer. | ||
| I. Kaj. | Zwischend. | ||||
| Hamburg | New-York | 250 | 100 | ![]() | Hamburg-Amerikan. Paket- fahrt-Aktiengesellschaft. |
| Bremerhaven | New-York | 350–500 | 100 | Norddeutscher Lloyd. | |
| Hamburg | Colon od. Veracruz | — | 210 | ![]() | Hamburg-Amerikan. Paket- fahrt-Aktiengesellschaft. |
| Hamburg | Buenos-Aires | 600 | 240 | ![]() | Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrts-Gesellschaft. |
| Bremerhaven | Buenos-Aires | 760 | Norddeutscher Lloyd. | ||
| Hamburg | Callao | 1200 | 360 | Kosmos. | |
| Bremerhaven | Sydney | 1350 | 250 | ![]() | Norddeutscher Lloyd. |
| Bremerhaven | Shanghai | 1750 | 440 | ||
Über die Vorzüge und Nachteile der verschiedenen Dampferlinien urteilt der vielgereiste Heinrich Semler also[237]:
Was die englischen Dampfer betrifft, so haben die Zwischendeckspassagiere gerechten Grund zur Klage einerseits über die schlechte Verpflegung, andererseits über die rohe Behandlung seitens des Schiffsvolks. Die Beköstigung ist in den Zwischendecken geradezu erbärmlicher Art. Was in dieser Hinsicht geboten wird, sind klebrige Hafergrütze, ungeschälte Kartoffeln und schlechtes Fleisch. Außerdem wird eine widerliche schwarze Brühe verabreicht, die morgens Kaffee und abends Thee genannt wird. — Das Benehmen der Schiffsmannschaft gegen die Passagiere, namentlich gegen solche, die nicht englisch sprechen, ist häufig empörend. „Ich habe gesehen,“ sagt Semler, „daß Seekranke im buchstäblichen Sinne des Wortes aus ihren Kojen geprügelt wurden, weil sie nicht aufstehen wollten, als gereinigt werden sollte. Die Roheit und Ungeschliffenheit des englischen Schiffsvolks, vom Kapitän bis zum Schiffsjungen herab, ist übrigens sprichwörtlich.“ Bezeichnend für die Behandlung der Zwischendeckspassagiere auf englischen Dampfern ist u. a. auch dies, daß sie auf Deck durch ein Seil von den Kajütenpassagieren getrennt werden. Mag das Zwischendeck überfüllt, mag die Kajüte nur spärlich besetzt sein, gleichviel, die Passagiere des erstern werden durch ein Seil eingepfercht, das ein Matrose zu überwachen hat.

