(Amerika, Europa und Afrika)
Eine zweite durchgehende Linie zieht sich durch Europa in südöstlicher Richtung nach dem Süden Asiens und weiterhin nach Australien[23]. Sie nimmt ihren Weg von Konstantinopel über Bagdad und Basra, zieht hierauf über Bombay nach Madras, um von dort per Kabel Singapur zu erreichen. Von Singapur führt dann eine Doppelleitung über Java nach Port Darwin in Australien, wo sich der Überlandtelegraph anschließt. — Mit dieser Weltlinie vereinigen sich in Bombay die zwei von Suez über Aden kommenden Kabel und in Buschir am Persischen Meerbusen die von Europa über Tiflis, Teheran und Ispahan laufende Leitung. Ferner zweigt von Singapur ein Kabel ab über Hongkong, Shanghai, Nagasaki (Japan) nach Wladiwostock zum Anschluß an die sibirische Linie.
Zur Vollendung des telegraphischen Weltnetzes fehlt nur noch die Verbindung zwischen Amerika und Asien. Ist diese Verbindung hergestellt, dann ist der elektrische Gürtel um die Erde geschlossen.
Viertes Kapitel.
Leitungsstörungen[24].
Die Beeinträchtigungen, welche die Telegraphenanlagen zu erleiden haben, sind mannigfacher Art. Was zunächst die oberirdischen Leitungen betrifft, so sind dieselben zahlreichen schädlichen Einwirkungen durch die elementaren Naturkräfte ausgesetzt. Als besonders nachteilig erweisen sich z. B. die aus dem Wechsel der Witterung hervorgehenden atmosphärischen Einflüsse. Die Niederschläge, wie Regen, Nebel und Tau, stören nämlich die Isolation der Leitungen, und dadurch wird der galvanische Strom so geschwächt, daß er oft nicht im stande ist, die Apparate auf weitere Strecken hin in Thätigkeit zu setzen. Scheidet sich im Winter der Wassergehalt der Atmosphäre in gefrorenem Zustande aus, so hängt er sich als Rauhfrost oder Schnee an die Drähte und überzieht dieselben mit dicken Krusten von beträchtlicher Schwere. Es sind in dieser Beziehung Fälle beobachtet worden, in welchen die Eiskruste einen Durchmesser von 15–20 cm erreichte und jeden einzelnen Draht innerhalb der gewöhnlichen Stangenintervalle mit einem Mehrgewicht von 1000–1500 kg belastete. Daß eine solche Vermehrung des eigenen Gewichtes, zumal bei starken Luftströmungen, vielfach Draht- und Stangenbrüche im Gefolge hat, bedarf keiner Ausführung. — Durch Eisgang und Hochwasser werden nicht selten Stangen, die aus örtlichen Gründen im Überschwemmungsgebiet der Flüsse haben aufgestellt werden müssen, unterspült und demnächst fortgerissen. — Ferner fegt der Sturmwind, der die Stangen niederlegt und ihre Drähte zu schwer entwirrbaren Knäueln verwickelt, breite Breschen in die oberirdischen Leitungen. So hat der orkanartige Sturm, der in den Tagen vom 9. bis 12. März 1876 das mittlere Europa, an letzterem Tage namentlich Mitteldeutschland heimsuchte, ⅖ der sämtlichen Telegraphenleitungen des Deutschen Reichs, nämlich 52390 km Leitung mit einem Anlagewert von ca. 9 Millionen Mark, auf mehrere Tage außer Betrieb gesetzt. Tagelang gab es in Mittel- und Süddeutschland, einem großen Teil von England, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und bis nach Rußland hinein keinen telegraphischen Verkehr. Der Sturm am 4. November 1878 richtete in den österreichisch-ungarischen Telegraphenleitungen derartige Verheerungen an, daß Wien vier Tage lang von jeder elektrischen Verbindung abgeschnitten war. — Der schädliche Einfluß der Gewitter auf die Telegraphenlinien äußert sich in doppelter Weise. Trifft ein Blitzschlag die Linie unmittelbar, so werden zumeist die Tragstangen zersplittert und umgeworfen, die Isolatoren zertrümmert, die Leitungsdrähte beschädigt; außerdem wirken die in der Nähe der Leitungen sich vollziehenden Entladungen auf die Betriebsfähigkeit insofern, als sie in den Leitungen elektrische Strömungen hervorrufen, welche die Wirkung der Telegraphenströme zeitweise stören oder aufheben. — Noch nachhaltiger als die Gewitterstörungen sind die Einwirkungen der in der Regel mit Nordlichterscheinungen verknüpften sogen. magnetischen Gewitter, die in den Telegraphenleitungen oft stundenlang andauernde Gegenströmungen von erheblicher Stärke hervorrufen.
Ein nicht unerheblicher Teil der an den oberirdischen Leitungen vorkommenden Beschädigungen ist auf die gewöhnliche Abnutzung der verwendeten Materialien zurückzuführen. Es gilt dies namentlich von den hölzernen Stangen, die zwar mit antiseptischen Stoffen (Kupfervitriol, Quecksilbersublimat) getränkt sind, deren endliche Zerstörung dadurch indes nur aufgehalten, nicht aber vollständig abgewendet werden kann, und ferner von den Eisendrähten, die nach dem unausbleiblichen Schwinden des Zinküberzuges dem Roste mehr und mehr erliegen und schließlich reißen. — An stark mit Leitungen belasteten Gestängen treten Berührungen der Leitungsdrähte unter sich ein; sie werden durch Stürme, durch Lockerung oder Brechen der Bindedrähte hervorgerufen und veranlassen dadurch Stromüberleitungen von einem Draht auf den andern und somit gleichfalls Betriebsstörungen. Auch Berührungen der Leitungen mit Baumzweigen u. dgl. können Überleitungen von einer Leitung zur andern, wie Ableitungen zur Erde zur Folge haben. Desgleichen sind Verunreinigungen der Isolatoren geeignet, unter Umständen Anlaß zu Stromableitungen zu geben.
Auch seitens mancher Tiere erfahren die oberirdischen Leitungen Beschädigungen. So hacken die Spechte in die Telegraphenstangen Löcher, welche nicht selten die ganze Stange durchdringen. Betriebsstörungen entstehen ferner durch das Anfliegen größerer Vögel gegen die Leitungen. Ein Drahtbruch oder eine Verschlingung mehrerer Leitungsdrähte kann hiervon die Folge sein. Man hat dergleichen Störungen durch gegenfliegende Schwäne, Störche, Trappen, wilde Enten und andere Vögel beobachtet. Namentlich aber sind es die Gänse, welche in Gegenden mit starker Gänsezucht zu einer wahren Plage für die Telegraphenleitungen werden können. Gar manche Stangen werden auch von Bären und Wölfen umgelegt, da sich diese Tiere, durch den Ton der durch die Luft in Schwingung versetzten Drähte getäuscht, in der Nähe eines Bienenstockes zu befinden glauben und nach dem Honig fahnden. In Japan sind es die Spinnen, welche die Depeschen verderben. Während der Nacht nämlich weben und spinnen diese fleißigen Arbeiter ihre Netze zwischen den in der Luft schwebenden Drähten und den sie stützenden Stangen. Zu gewissen Jahreszeiten fällt nun reichlicher Tau, und dann werden diese Spinngewebe in nassem Zustande zu guten Elektricitätsleitern, welche oft große Abweichungen und Stromverluste hervorbringen, so daß manchmal des Morgens von einem Punkte der Linie bis zum andern die größte Konfusion herrscht. Erst nach Sonnenaufgang, wenn die Gewebe wieder trocknen, oder nachdem man dieselben zerstört hat, tritt wieder Ordnung ein.
Neben den vorerwähnten Einflüssen kommen bei der Instandhaltung der oberirdischen Leitungen auch solche Beschädigungen in Betracht, welche durch Erd- und Gesteinsrutschungen, Felsstürze, Feuersbrünste, Eisenbahnunfälle etc. entstehen.