Vorrede.

Schatten erhöhet die Wirkung des Lichtes. Unser verherrlichter Erlöser strahlt uns noch unendlich milder und menschenfreundlicher aus den Evangelien entgegen, wenn wir ihn den düstern Schatten des Reiches der Finsterniß gegenüberstellen.

Diese Schatten, welche die Glorie unseres Herrn erhöhen, sind die Pharisäer. In ihnen wird aber auch uns ein zurückschreckendes Bild aufgestellt, welches vor Heuchelei, die in Gottes Augen ein Greuel ist, kräftig warnt.

Lassen wir uns von Christus erleuchten und beleben, von den Pharisäern Abscheu vor Heuchelei einflößen, dann singen Gottes Boten wieder: „Ehre sei Gott in der Höhe, Frieden auf Erden!“

Dieß ist der hohe Zweck, zu dessen Erreichung der Verfasser vorliegender Schrift sein Scherflein beitragen möchte.

In einer Zeit, in welcher Selbstsucht, Eigennutz, Falschheit, Tücke, Frömmelei mehr als je zum tiefsten Schmerz und Schrecken der Freunde thatenreicher Religiosität kühn ihr Haupt erheben, thut es wahrlich noth, darauf aufmerksam zu machen, daß[1] „die Menschen auf das sehen, was in die Augen fällt, daß aber der Herr das Herz ansieht.“

Geschichte belehret am besten, und beleidiget am wenigsten, besonders heilige Geschichte. Darum machte der Verfasser es sich zur Aufgabe, nur die Gesinnungen, Lehren und Thaten der Pharisäer nach seinen Kräften deutlich darzustellen, ohne alle Rück- und Seitenblicke, welche anstößig werden könnten.

Sollten deß ungeachtet dem Verfasser hämische Absichten angedichtet oder gar aufgezwungen werden, so ist seine einzige Waffe gegen solche Zumuthungen — sein Bewußtsein vor Gott, daß er keinen Stand und keine Person ansah, sondern nur auf Belehrung und Besserung jedes Einzelnen Bedürftigen bedacht war.