Durch Euren letzten Brief erfuhr ich, wie Eure Sache steht. Es bekümmert mich sehr, aber ich kann nichts machen. Doch sollt Ihr Euch nicht entmutigen lassen und Euch auch kein bisschen grämen, denn wenn das Gut verloren geht, ist darum doch nicht das Leben verloren, und ich werde so viel verdienen, dass der Verlust reichlich gutgemacht wird. Doch bedenkt wohl, Ihr dürft nicht darauf zählen, denn die Erfüllung solcher Versprechungen ist doch unsicher. Tut gewissenhaft das Eure und danket Gott, dass diese Prüfung, wenn sie schon kommen soll, doch zu einer Zeit kommt, da Ihr Euch besser behelfen könnt, als es früher hätte geschehen können. Gehabt Euch wohl und lasst lieber das Geld fahren, als dass Ihr Euch Kummer macht. Ich will Euch am Leben haben, und wäre es auch in Armut; denn mit Eurem Tod möchte ich nicht alles Gold der Welt erkaufen. Und wenn die Schwätzer dort oder sonst jemand Euch tadeln, so lasst sie reden; es sind Menschen ohne Gewissen und ohne Liebe.
Euer Michelangelo, Bildhauer.
6.
An Lodovico …
Rom, [Oktober 1512.]
Liebster Vater! — Ihr warnt mich in Eurem letzten Brief davor, Geld im Haus zu halten oder bei mir zu tragen; dann sagt Ihr mir, man erzähle sich bei Euch, ich habe Böses gegen die Medici gesagt.
Nun, das Geld, das ich besitze, habe ich bei Balduccio auf der Bank liegen und behalte nur das im Haus oder in der Tasche, was ich für den Tag brauche. Was die Medici angeht, so habe ich nicht anders über sie gesprochen, als es allgemein und von jedermann geschieht, wie jüngst über das Geschick von Prato. Und da hätten die Steine geredet, wenn sie sprechen könnten. Auch sonst wurde hier vielerlei gesagt; wenn ich es hörte, erwiderte ich stets: Wenn sie wirklich so handeln, tun sie unrecht. Nicht als ob ich es geglaubt hätte; wolle Gott, dass es nicht so sei! Noch vor einem Monat haben einige, die mir Freundschaft bezeigen, sehr schlecht von den Taten der Medici gesprochen. Ich tadelte sie und sagte, sie täten unrecht, so zu reden, und sie sollten nichts mehr dergleichen in meiner Gegenwart äussern. Ich wünschte aber, dass Buonarroto vorsichtig in Erfahrung zu bringen suchte, woher der Betreffende gehört hat, ich rede gegen die Medici. Vielleicht kann ich dann ermitteln, von wem diese Gerüchte stammen, und mich in acht nehmen, wenn es vielleicht einer von denen ist, die sich meine Freunde nennen. Sonst habe ich nichts zu sagen. Ich bin noch untätig und warte, dass der Papst mir einen Auftrag gibt.
Euer Michelangelo, Bildhauer.
7.
An Buonarroto … in Florenz.