Eure ergebene

Marchesa di Pescara.

2.

[Rom, 1538–41 oder 1545/46.]

Einziger Meister Michelangelo und mein ganz besonderer Freund! — Ich habe Euren Brief erhalten und den Kruzifixus gesehen. Er hat wahrhaftig in meinem Gedächtnis alle anderen Darstellungen, die mir je zu Gesicht gekommen sind, ans Kreuz geschlagen. Man kann sich nichts Lebendigeres und Vollendeteres denken als dieses Bild, und ich würde mich vergeblich bemühen, wenn ich die ausserordentliche und wunderbare Feinheit seiner Ausführung schildern wollte. Ich bin entschlossen, das Bild von keinem anderen malen zu lassen. Gebt mir darum Gewissheit; rührt die Zeichnung von einem anderen her, dann muss ich wohl auf sie verzichten, sollte sie aber Euch gehören, so würde ich sie Euch unter allen Umständen rauben.

Stammt sie nicht von Euch, und wolltet Ihr das Bild von einem Eurer Gesellen ausführen lassen, so müssten wir erst darüber reden. Ich kenne nämlich recht wohl die Schwierigkeit, die Eigenart der Zeichnung in der Ausführung zu bewahren, und würde dann lieber den Betreffenden etwas anderes malen lassen. Wenn sie aber Euer Werk ist, dann — vergebt — erhaltet Ihr sie nicht wieder. Ich habe sie bei Licht und mit der Lupe und im Spiegel betrachtet und versichere Euch, ich habe nie etwas Vollendeteres gesehen.

Eure ergebene

Marchesa di Pescara.

3.

[Rom, 1538–41 oder 1545/46.]