G. p. 303. — Capitolo, Fragment, wahrscheinlich 1524–26, in Florenz. Die Auffassung des Gedichtes schliesst sich an die H. Grimms an. In jener Zeit arbeitete Michelangelo in Florenz an den Grabdenkmälern der Medici. Die Unbeständigkeit seines Auftraggebers, Clemens VII., der seine Arbeiten durch andere Pläne unterbrach und auch über die Ausführung der Gräber öfter seine Ansichten wechselte, Zwistigkeiten mit seiner Familie, Schwätzereien der Florentiner, Verdächtigungen und Intriguen seiner Feinde brachten ihn in diese Stimmung, in der ihm die Stadt wie eine grausame, spottlustige, launische Geliebte erschien. (Vgl. Grimm, „Fiorenza“, Pr. Jahrb. Bd. 47, p. 319ff.). — Frey hält das Capitolo für ein Liebesgedicht, eine von vier Versionen, die 1546 von Michelangelo zu einem Madrigal (G. p. 100) verarbeitet wurden.
G. p. 3. — Epigramme, 1545. — 1492 war Lorenzo il Magnifico gestorben. Auf ihn folgte sein Sohn Piero II. 1494 zog Karl VIII. von Frankreich über die Alpen, um seine Ansprüche auf Neapel geltend zu machen. Nun hatte Piero mit Alfons II. von Neapel Beziehungen angeknüpft und war so dem Angriff des Franzosen ausgesetzt, zumal auch Lodovico il Moro Karl gegen Florenz hetzte. In der Gefahr verlor er alle Fassung und lieferte schon in den ersten Verhandlungen die Festungen des Landes aus. Die entrüsteten Florentiner vertrieben ihn bei seiner Rückkehr aus der Stadt, die nun in die Hände der Franzosen fiel. Es folgte die Zeit Savonarolas, der 1498 gestürzt wurde. Die 1495 eingerichtete republikanische Regierungsform musste wieder fallen, als 1512 Julius II. Giovanni und Giuliano de Medici, die Brüder Pieros II., in die Stadt zurückführte. Giovanni wurde 1513 als Leo X. Papst; auf ihn folgte Giuliano und dieser gab bald seine Herrschaft an Pieros Sohn Lorenzo II. Nach ihm Giulio, der 1523 als Clemens VII. den päpstlichen Thron bestieg, die Herrschaft über Florenz aber mitbehielt. Als 1527 Rom durch die kaiserlichen Truppen erobert und geplündert wurde, machten in Florenz die Republikaner den Versuch, die frühere Regierungsform wieder herzustellen, aber das vereinigte Heer der Kaiserlichen und des Papstes zwangen die Stadt nach zehnmonatlicher Belagerung (Michelangelo war bei der Befestigung tätig) zur Übergabe (1530). Zur Herrschaft kam Lorenzos II. natürlicher Sohn Alexander, der 1537 durch seinen Vetter Lorenzino ermordet wurde. Nun gelangte Cosimo, des ersten Cosimo Urenkel, zur Herzogswürde und wusste in geschickter Weise seine Herrschaft endgültig zu befestigen. — 1545, als für die aus Florenz geflüchteten Republikaner jede begründete Hoffnung auf Wiederherstellung der Republik geschwunden war, entstanden die Epigramme. Michelangelo antwortet in Rom auf einen Vierzeiler des Giovanni di Carlo Strozzi (1517–1570). Dieser lebte in Florenz humanistischen Studien und war Mitglied der Akademie.
G. p. 25. — Madrigal, 1545–46. — Ein Zwiegespräch der verbannten Florentiner mit ihrer Heimatstadt.
G. p. 156. — Sonett, wohl 1511, gegen Ende der Arbeiten an der Sixtinadecke (1508–12).
G. p. 158. — Sonetto caudato oder ritornellato; das eigentliche Sonett schliessen 1–2 Ritornelle, Kehrreime. Etwa 1508–11. — Giovanni da Pistoja, vielleicht, was Frey bezweifelt, Kanzler der Florentiner Akademie. — Das Gedicht spricht von den Mühen der Arbeit an der Sixtinadecke.