„Sie ist es,“ erwiderte Andres, „und sie ist ohne Zweifel das schönste Geschöpf, das man je sah.“

„So sagt man,“ entgegnete Preziosa, die jene Worte im Hereintreten gehört hatte; „aber man täuscht sich wahrlich um wenigstens die Hälfte meines wirklichen Wertes. Hübsch glaube ich freilich zu sein, aber daß ich so schön wäre, wie die Leute behaupten, das glaube ich nicht.“

„Beim Leben meines Sohnes, meines Juanico,“ erwiderte der alte Herr, „du bist noch schöner als man sagt, niedliche Zigeunerin!“

„Und wer ist Euer Juanico?“ fragte Preziosa.

„Der hübsche junge Mann da neben dir,“ erwiderte der Kavalier.

„Glaubte ich doch wahrhaftig,“ versetzte Preziosa, „Euer Gnaden schwüren bei einem Kind von zwei Jahren! Seht einmal, welch ein Don Juanico! Welch eine Pracht! Auf mein Wort, der könnte schon eine Frau nehmen; und nach den Linien auf seiner Stirne werden auch keine drei Jahre ins Land gehn, ehe er eine hat, und zwar ganz nach seinem Geschmack, falls er ihn bis dahin nicht verliert oder gegen einen andern umtauscht.“

„Seht mir doch,“ bemerkte einer der Anwesenden, „was das Mädchen von Linien versteht!“

Unterdessen hatten sich die drei Begleiterinnen Preziosens in einen Winkel des Zimmers gedrängt, steckten die Köpfe zusammen und flüsterten, um nicht gehört zu werden, ganz leise miteinander.

„Mädchen,“ sagte Christina, „das ist der Herr, der uns heute früh die drei schweren Realen gegeben hat.“

„Freilich, freilich,“ antworteten die andern, „aber wir wollen kein Wort darüber verlieren, wenn er selbst nichts sagt; wissen wir doch nicht, ob er sich gern zu erkennen gibt!“