Er erröthete; er schämte sich doch einen Wehrlosen morden zu wollen; ich sah ihm scharf in’s Auge; Einen Augenblick schien es mir, als wolle er sich mir zu Füßen werfen und um Verzeihung bitten; wie aber sollte er so niedrige Absichten bekennen? Es blieb ihm nur ein Mittel übrig — in die Luft zu feuern; ich war überzeugt, daß er es thun werde! nur Eins konnte ihn daran verhindern, der Gedanke nämlich, daß ich das Duell erneuern würde. —

„Jetzt ist es Zeit!“ raunte mir der Doktor zu, indem er mich am Aermel zupfte, „wenn Sie jetzt nicht sagen, daß wir ihre Absichten kennen, so ist Alles verloren. Sehen Sie nur, er ladet schon . . . wenn Sie nichts sagen, so werde ich selbst . . .“

— Für nichts auf der Welt, Doktor! entgegnete ich, indem ich ihn am Arme zurückhielt; Sie werden Alles verderben, und gaben mir doch Ihr Wort sich in nichts zu mischen . . . Was geht Sie’s auch an? Vielleicht will ich getödtet werden?

Er blickte mich mit Verwunderung an.

„O, das ist was Anderes! Nur beklagen Sie sich dann in jener Welt nicht über mich.“

Der Kapitain hatte unterdessen seine Pistolen geladen und gab Gruschnitzki, dem er lächelnd etwas zuflüsterte, die Eine, die Andere mir.

Ich stellte mich an den Rand des Abgrundes, fest mit dem linken Fuße auf den Stein gestemmt und ein wenig vorwärts gebogen, um mich im Falle einer leichten Wunde nicht sogleich rückwärts zu werfen. Gruschnitzki stand mir gegenüber und fing an auf ein gegebenes Zeichen die Pistole anzulegen. Seine Kniee zitterten. Er zielte mir gerade auf die Stirn.

Eine unaussprechliche Wuth begann in meiner Brust zu kochen.

Plötzlich ließ er den Lauf der Pistole etwas herabsinken und, leichenblaß, zu seinem Sekundanten gewendet, sagte er mit hohler Stimme: „Ich kann nicht!“

— Memme! erwiederte ihm der Kapitain. Der Schuß ging los. Die Kugel streifte mir das Knie. Unwillkührlich machte ich einige Schritte vorwärts, um schneller vom Rande hinwegzukommen.