Das Mädchen sah ich nicht: ich sah nichts! Es wurde mir alles grün und gelb vor den Augen. Ich stammelte einen Aoristus primus von ich weiss nicht welchem Zeitwort ...
—Plaît-il? sagte sie.
Ich sammelte mich einigermassen und fuhr fort:
—»Meenin aeide thea«, und ... Egypten sei ein Geschenk des Nil.
Ich bin überzeugt, dass es mir geglückt wäre, mit dem Mädchen vertrauter zu werden, wenn nicht in diesem Augenblick einer meiner Kameraden in seiner jungsmässigen Ausgelassenheit mir einen so harten Stoss in den Rücken gegeben hätte, dass ich sehr unsanft gegen den Ausstellkasten anflog, der in halber Mannshöhe die Vorderseite des Krams abschloss. Ich fühlte einen Griff in meinen Nacken ... einen zweiten Griff weiter unten ... ich schwebte einen Augenblick ... und bevor ich recht begriff, wie die Sachen standen, war ich in der Bude des Griechen, der in verständlichem Französisch sagte, dass ich ein »gamin«, ein Gassenjunge sei, und dass er die Polizei rufen werde. Nun war ich wohl recht dicht bei dem Mädchen, doch Vergnügen machte es mir nicht. Ich weinte und bat um Gnade, denn ich war schrecklich in Angst. Doch es half nichts. Der Grieche hielt mich am Arm fest und schüttelte und knuffte mich. Ich sah mich nach meinen Kameraden um—wir hatten gerade den Morgen viel mit Scaevola zu thun gehabt, der seine Hand ins Feuer hielt, und in ihren lateinischen Aufsätzen hatten sie das so sehr schön gefunden—jawohl! Niemand war dageblieben, um für mich eine Hand ins Feuer zu stecken ...
So glaubte ich. Doch sieh, da flog auf einmal mein Shawlmann durch die Hinterthür zur Bude herein. Er war nicht gross und stark und so seine dreizehn Jahre alt, aber er war ein behendes und tapferes Kerlchen. Noch sehe ich seine Augen blitzen—sonst sahen sie matt in die Welt—gab dem Griechen einen Faustschlag, und ich war gerettet. Später habe ich gehört, dass der Grieche ihn tüchtig geschlagen hat, aber da ich von jeher den festen Grundsatz habe, mich nicht in Dinge zu mischen, die mich nichts angehen, so bin ich sofort weggelaufen. Ich habe es also nicht gesehen.
Das sind die Gründe, warum seine Züge mich so an Parfum erinnerten, und weshalb man in Amsterdam Streit mit einem Griechen kriegen kann. Wenn auf späteren Jahrmärkten dieser Mann wieder mit seiner Bude auf dem Westermarkt stand, suchte ich mein Vergnügen anderswo.
Da ich viel von philosophischen Betrachtungen halte, muss ich dir doch eben sagen, Leser, wie wunderbar doch die Dinge dieser Welt miteinander verknüpft sind. Wenn die Augen dieses Mädchens weniger schwarz gewesen wären, wenn sie kürzere Zöpfe gehabt hätte, oder wenn man mich nicht gegen den Ausstellkasten geschuppst hätte, so würdest du nun dies Buch nicht lesen. Sei also dankbar, dass es so gekommen ist. Glaube mir, alles in der Welt ist gut, so wie es ist, und unzufriedene Menschen, die fortwährend klagen, sind meine Freunde nicht. Da hast du z.B. Busselinck & Waterman ... doch ich muss fortfahren, denn mein Buch muss vor der Frühjahrsauktion fertig sein.
Geradeaus gesagt—denn ich gebe was auf Wahrheit—mir war das Wiedersehen mit dieser Person nicht angenehm. Ich bemerkte sogleich, dass es keine solide Konnektion war. Er sah sehr bleich aus, und als ich ihn fragte, wie spät es sei, wusste er es nicht. Das sind Dinge, auf die ein Mensch achtet, der so seine Jahre zwanzig die Börse besucht und schon so viel mitgemacht hat. Ich hab’ schon manches Haus purzeln sehen.
Ich glaubte, dass er rechts gehen werde, und sagte daher, dass ich links müsste. Aber o weh, er ging auch links, und ich konnte also einem Gespräch nicht aus dem Wege gehen. Aber es ging mir nicht aus dem Sinn, dass er nicht wusste, wie spät es war, und obendrein bemerkte ich, dass sein Rock bis unters Kinn dicht zugeknöpft war—was ein sehr schlechtes Zeichen ist—so dass ich den Ton unserer Unterhaltung etwas kalt bleiben liess. Er erzählte mir, dass er in Indien gewesen war, dass er verheiratet sei, dass er Kinder habe. Ich hatte nichts dagegen, doch fand es auch nicht besonders von Wichtigkeit. Beim Kapelsteg—ich gehe sonst niemals durch diese Gasse, weil sich das für einen anständigen Mann nicht passt, finde ich—doch diesmal wollte ich den Kapelsteg hinein rechts abschwenken. Ich wartete, bis wir die kleine Strasse beinah vorbei waren, damit es sich gut herausstellte, dass sein Weg geradeaus führte, und darauf sagte ich sehr höflich ... denn höflich bin ich stets, man kann nicht wissen, wie man später jemanden nötig hat: