»Ja, Tuwan!« antwortete sie.

Doch ich beugte meine Hoheit noch tiefer zu diesem »Gänschen« nieder und fing ein Gespräch mit ihr an. Mein Verdienst war um so grösser, als sie sehr wenig antwortete. Ich hatte recht in allem, was ich sagte ... was ebenfalls verflucht langweilig wird, und mag man noch so ein eingebildeter Kerl sein.

»Würdest du das nächste Mal gern wieder mitgehen nach Taloh-Baleh?« fragte ich.

»Wie es Tuwan-Kommandeur befiehlt.«

»Nein, ich frage dich, ob du so eine Reise angenehm findest!«

»Wenn mein Vater nichts dagegen hat«, antwortete sie.

Sagen Sie, meine Herren, war es nicht, um toll zu werden? Gleichwohl, ich wurde nicht toll. Die Sonne war hinunter, und ich war gemütlich genug aufgelegt, um noch nicht abgeschreckt zu werden durch soviel Dummheit. Oder besser, ich glaube, dass ich schliesslich Gefallen daran fand, meine Stimme zu hören—es giebt wenige unter uns, die nicht gern sich selbst zuhörten—allein nach meiner Stummheit den ganzen Tag über glaubte ich, nun ich endlich ins Reden gekommen war, etwas Besseres verdient zu haben, als die allzu einfältigen Antworten von Si Upi Keteh.

Ich werde ihr ein Märchen erzählen, dachte ich, dann höre ich mich selbst gleichzeitig und ich habe ihre Antworten nicht nötig. Nun wissen Sie doch, dass, ebenso wie beim Löschen eines Schiffes das zuletzt verladene Gut zuerst wieder zum Vorschein kommt, ebenso auch wir gewöhnlich den Gedanken oder die Erzählung löschen, die zuletzt verladen ist. In der »Zeitschrift für Niederländisch-Indien« hatte ich kurz vorher eine Erzählung von Jeronimus gelesen: »Der Japanische Steinhauer« ... Ach, nun erinnere ich mich auf einmal, wie ich soeben irrtümlicherweise an das Lied geraten bin, worin des Fischerknaben Blick aus »dunklem Augenstern« sich wohl gar bis zum Schielendwerden nach einer Richtung »westwärts bohrt« ... zu kurios! Das war eine Gedankenverkettung. Meine Verstörtheit an diesem Tage stand in Verbindung mit der Gefährlichkeit der Natalschen Küste ... Sie wissen, Verbrugge, dass kein Kriegsschiff die Reede anlaufen darf, vor allem nicht im Juli ... ja, Duclari, der Westmūsson ist dort im Juli am stärksten, gerade umgekehrt wie hier. Nun, das Gefährliche an dieser Reede verknüpfte sich fest mit meinem gekränkten Ehrgeiz, und dieser Ehrgeiz hängt wieder zusammen mit dem Liede über Djiwa. Ich hatte dem Residenten mehrfach den Vorschlag gemacht, zu Natal eine Seewehr herstellen zu lassen oder mindestens einen Kunsthafen in der Mündung des Flusses, mit der Absicht, den Handel in die Abteilung Natal zu leiten, die die so bedeutsamen Battahlande mit der See verbindet. Anderthalb Millionen Menschen im Binnenlande wussten keinen Absatz für ihre Produkte, weil die Natalsche Reede—und zu Recht!—in einem so schlechten Rufe stand. Gleichwohl, diesen Anträgen wurde durch den Residenten nicht zugestimmt, oder wenigstens: er behauptete, dass die Regierung ihnen nicht zustimmen würde, und Sie wissen, dass ein ordentlicher Resident niemals etwas vorschlägt, von dem er nicht vorher berechnen kann, es werde der Regierung gefallen. Die Anlegung eines Hafens zu Natal widerstritt im Prinzip dem herrschenden System der Abschliessung, und weit entfernt, dass man Schiffe dahin lockte, war es selbst verboten—es sei denn, dass force majeure im Spiele war—Rahschiffe in die Reede einlaufen zu lassen. Wenn nun doch ein Schiff kam—es waren meist amerikanische Walfischfänger oder Franzosen, die Pfeffer geladen hatten in den unabhängigen Reichen der nördlichen Ecke Sumatras—liess ich mir stets durch den Kapitän einen Brief schreiben, in dem er um die Erlaubnis nachsuchte, Trinkwasser einzunehmen. Der Verdruss über das Missglücken meiner Versuche, etwas zum Vorteile Natals zu bewirken, oder besser die gekränkte Eitelkeit ... war es nicht hart für mich, so wenig Bedeutung zu haben, dass ich nicht einmal einen Hafen machen lassen konnte, wo ich wollte? ... nun, dies alles in Verbindung mit meiner Kandidatur für die Leitung eines Sonnensystems hatte mich an dem Tage so unliebenswürdig gemacht. Als ich durch den Untergang der Sonne einigermassen genas—denn Unzufriedenheit ist eine Krankheit—brachte mir just diese Krankheit den »Japanischen Steinhauer« in den Sinn, und vielleicht dachte ich diese Geschichte nur darum überlaut, um—indem ich mir selbst weismachte, ich thäte es aus Wohlwollen für das Kind—verstohlenerweise den letzten Tropfen von dem Trank einzunehmen, dessen ich mich bedürftig fühlte. Doch siehe, das Kind schenkte mir Gesundheit—für einige Tage wenigstens—mehr jedenfalls als meine Erzählung, die ungefähr also gelautet haben muss:


»Upi, es war einmal ein Mann, der Steine hieb aus dem Felsen. Seine Arbeit war sehr schwer, und er arbeitete viel, doch sein Lohn war gering, und zufrieden war er nicht.