Eine warme milchweiße Dämmerung schwebte über der Stadt. Sinowij Borissowitsch war noch immer nicht von der Mühle heimgekehrt. Auch der Schwiegervater Boris Timofejewitsch war nicht zu Hause: er war zu einem alten Freund zum Namenstag gefahren und hatte angesagt, daß man ihn zum Abendessen nicht erwarten solle. Katerina Lwowna aß früh zu Abend, stand dann wieder am Fenster ihres Schlafzimmers, lehnte sich mit der Wange an den Pfosten und knackte Sonnenblumenkerne. Die Leute hatten eben in der Küche genachtmahlt und begaben sich zur Ruhe: der eine in die Tenne, der andere in den Speicher, der dritte auf den duftenden Heuboden. Als letzter kam aus der Küche Ssergej. Er schlenderte durch den Hof, ließ die Kettenhunde los, pfiff ein Liedchen, ging am Fenster Katerina Lwownas vorbei, blickte zu ihr hinauf und verneigte sich vor ihr.
»Guten Abend,« sagte Katerina Lwowna leise von ihrem Fenster herab, und auf dem Hofe wurde es plötzlich so still wie in einer Wüste.
»Gnädige Frau!« tönte es zwei Minuten später vor der versperrten Türe des Schlafzimmers.
»Wer ist da?« fragte Katerina Lwowna erschrocken.
»Erschrecken Sie nicht: ich bin es, Ssergej.«
»Ich habe eine Bitte an Sie, Katerina Lwowna. Gestatten Sie mir, daß ich für einen Augenblick eintrete.«
Katerina Lwowna sperrte die Türe auf und ließ ihn ein.
»Was willst du?« fragte sie, wieder ans Fenster tretend.
»Ich möchte Sie fragen, Katerina Lwowna, ob Sie mir nicht irgendein Büchlein zum Lesen geben können. Ich vergehe vor Langweile.«