»Katerina Lwowna! Wie sollte ich davon nicht reden? Wenn es vielleicht schon bestimmt und beschlossen ist, daß Ssergej nicht etwa in der Zukunft, sondern schon morgen dieses Haus räumen muß ...«
»Nein, nein, sprich nicht davon, Sserjoscha! Es ist unmöglich, daß ich ohne dich bleibe«, suchte ihn Katerina Lwowna zu beruhigen. »Wenn es einmal so weit ist, so muß entweder er oder ich aus dem Leben scheiden. Du aber bleibst in jedem Falle bei mir.«
»Das kann unmöglich sein, Katerina Lwowna«, sagte Ssergej, mit traurigem Kopfschütteln. »Diese Liebe macht mich nicht froh. Wenn ich jemanden liebte, der mir gleich wäre, so wäre ich zufrieden. Wie kann ich aber daran auch nur denken, daß Sie immer mit mir bleiben? Ist es denn eine Ehre für Sie, meine Geliebte zu sein? Ich wollte, ich könnte vor dem heiligen Altar des ewigen Gottes Ihr Gatte werden; ich würde mich dann zwar immer für geringer halten als Sie, wäre aber froh, den Leuten zu zeigen, was für Ehren ich bei meiner Frau dank meiner Liebe genieße ...«
Katerina Lwowna war von diesen Worten Ssergejs, von seiner Eifersucht und seinem Wunsche, sie zu heiraten, wie berauscht: solch ein Wunsch ist der Frau stets angenehm, selbst wenn sie vor der Verheiratung ein noch so kurzes Verhältnis mit dem Manne gehabt hat. Katerina Lwowna war jetzt bereit, für Ssergej ins Feuer und Wasser zu gehen, Kerker und Kreuz zu erdulden. Er hatte sie so verliebt gemacht, daß ihre Ergebenheit ganz grenzenlos war. Sie war vor Glück wie wahnsinnig; ihr Blut siedete, und sie konnte nichts mehr hören. Sie drückte ihm den Mund mit der Hand zu, schmiegte seinen Kopf an ihre Brust und sagte:
»Ich weiß schon, wie ich es einrichte, daß du ein Kaufmann wirst und ich mit dir in richtiger Ehe zusammenleben kann. Mache mir aber jetzt keinen Kummer, solange wir noch nicht so weit sind.«
Und sie überschüttete ihn wieder mit ihren Küssen.
Der alte Verwalter, der in der Scheune schlief, hörte in der Stille der Nacht bald ein Flüstern und Kichern, als ob ausgelassene Kinder sich berieten, wie sie den Alten einen Streich spielen könnten; bald ein helles lustiges Lachen, wie wenn die Nixen im See jemand kitzelten. Katerina Lwowna wälzte sich, vom Mondlichte übergossen, auf dem weichen Teppich und spielte mit dem jungen Burschen. Die weißen Blüten des Apfelbaums regneten auf sie herab und hörten schließlich zu regnen auf. Die kurze Sommernacht ging aber zu Ende, der Mond zog sich hinter den steilen Giebel des hohen Speichers zurück und blickte auf die Erde immer trüber herab; vom Küchendache herab erklang ein durchdringendes Katzenduett; dann hörte man ein böses Fauchen, und gleich darauf rollten zwei oder drei Katzen vom Dache herab.
»Komm schlafen«, sagte Katerina Lwowna, langsam, wie zerschlagen, stand vom Teppich auf und ging im bloßen Hemd und Unterrock, so wie sie war, durch den stillen, wie ausgestorbenen Hof. Ssergej trug ihr aber den Teppich und die Jacke nach, die sie im mutwilligen Spiel von sich geworfen hatte.
VII
Kaum hatte Katerina Lwowna die Kerze ausgeblasen und sich auf dem weichen Pfühle ausgestreckt, als sie auch sofort einschlief. Nach den ausgelassenen Spielen dieser Nacht schläft sie so fest, daß auch Arme und Beine wie erstarrt sind; und sie hört durch den Schlaf, wie die Türe aufgeht und der gestrige Kater als ein schweres Knäuel aufs Bett springt.