VI

Platow reiste aus Tula ab, die Waffenschmiede aber, drei Mann, die allerkunstfertigsten — einer von ihnen schieläugig und linkshändig, trägt auf der Backe ein Muttermal, und an den Schläfen sind ihm die Haare schon in seiner Lehrzeit ausgerissen worden — verabschiedeten sich von ihren Kameraden und Familienangehörigen, und ohne irgend wem irgend etwas zu sagen, nahmen sie eine Tasche, legten da hinein, was zu essen nötig ist, und verschwanden aus der Stadt.

Man hatte nur bemerkt, daß sie nicht nach dem Moskauer Stadttor gingen, vielmehr auf die entgegengesetzte Kiewer Seite, und man glaubte, sie seien nach Kiew gegangen: die verstorbenen Wundertäter anzubeten oder sich dort mit irgend einem von den noch lebenden heiligen Männern zu beraten, die es immer im Überfluß in Kiew gab.

Das war alles nur der Wahrheit nahe, nicht aber die Wahrheit selber. Weder die Zeit noch die Entfernung erlaubten es den Tulaer Meistern, in drei Wochen zu Fuß nach Kiew zu ziehen, und dazu noch eine für die englische Nation beschämende Arbeit zu verrichten. Eher hätten sie noch nach Moskau beten gehen können, wohin es im ganzen zweimal 90 Werst sind, und heilige Wundertäter gibt es auch dort zu verehren nicht weniger. Nach der anderen Seite — bis Orjol, sind es ebensolche zweimal 90 Werst, und über Orjol hinaus bis Kiew sind es wiederum noch gute 500 Werst. Einen solchen Weg wirst du nicht rasch zurücklegen, und wenn du ihn zurückgelegt hast, wirst du nicht so rasch ausruhen — lange noch werden dir die Beine steif sein und die Hände zittern.

Einigen kam es sogar so vor, als ob die Meister sich vor Platow nur gebrüstet hätten, nachher aber, nachdem sie sich die Sache überlegt hatten, bange geworden und ganz davongelaufen wären, sowohl die goldene Tabaksdose mit sich fortnehmend, wie den Brillanten und den englischen stählernen Floh im Futteral, der ihnen soviel Aufregung verursacht hatte.

Indes war eine solche Annahme gleichfalls völlig unbegründet und kunstfertiger Leute, auf denen nunmehr die Hoffnung der Nation beruhte, unwürdig.

VII

Die Tulaer, gescheite Leute und erfahren in Metallarbeiten, sind gleichfalls berühmt als erstklassige Kenner in der Religion. Ihres Ruhmes in dieser Hinsicht ist sowohl die heimische Erde voll wie sogar der heilige Athos: sie sind nicht nur Meister im Singen mit Variationen, sie wissen vielmehr auch, wie das Bild »Der abendliche Klang« gemalt wird. Und wenn jemand von ihnen sich größere Opfer auferlegt und ins Mönchstum übertritt, so werden aus ihnen die allerbesten Klosterökonomen und gehen aus ihnen die allerfähigsten Gabeneinsammler hervor. Auf dem heiligen Athos aber weiß man, daß die Tulaer — das allergewinnbringendste Volk sind, und wenn sie nicht wären, so hätten die dunklen Winkel Rußlands wahrscheinlich nicht sehr viele Heiligtümer des fernen Ostens gesehen, und der Athos hätte viele nützliche Darbringungen russischer Freigebigkeit und Frömmigkeit entbehren müssen. Jetzt aber fahren die Tulaer vom Athos Heiligtümer in unserm ganzen Vaterlande umher und sammeln meisterhaft milde Gaben auch dort, wo eigentlich gar nichts zu holen ist. Der Tulaer ist erfüllt von kirchlicher Frömmigkeit und dabei ein großer Praktiker in dieser Sache, und deshalb begingen auch die drei Meister, die es auf sich genommen hatten, Platow zu unterstützen und mit ihm ganz Rußland, durchaus keinen Fehler, als sie sich nicht nach Moskau, vielmehr nach dem Süden aufmachten. Sie gingen aber nicht nach Kiew, vielmehr nach Mzensk, einer Kreisstadt im Orlowschen Gouvernement, in der ein altes steingemeißeltes Heiligenbild des heiligen Nikolai steht, das in den allerältesten Zeiten auf einem großen, gleichfalls steinernen Kreuz auf dem Fluß Suscha dahergeschwommen kam. Dies Heiligenbild ist von strengem und schrecklichem Aussehen, der Heilige ist auf ihm in Lebensgröße dargestellt, ganz angetan mit einem vergoldeten Silbergewand, dunkel von Angesicht, und in einer Hand hält er einen Tempel, in der andern — das Schwert, das Zeichen des Sieges. Und grade in diesem »Zeichen des Sieges« war auch der Sinn der Sache beschlossen: der heilige Nikolai ist überhaupt der Beschützer in Handels- und Kriegsangelegenheiten, und der Nikolai von Mzensk ganz im Besondern, und grade vor ihm sich zu verneigen, waren auch die Tulaer gekommen. Sie ließen einen Bittgottesdienst unmittelbar beim Heiligenbilde halten, dann beim steinernen Kreuz, endlich kehrten sie bei Nacht nach Hause zurück, und ohne irgendwem irgend etwas zu sagen, machten sie sich in furchtbarer Heimlichkeit ans Werk. Sie gingen alle drei in ein und dasselbe Häuschen zum Linkser, schlossen die Türen und die Fensterläden, entzündeten vor dem Heiligenbild des Nikolai das Lämpchen und begannen zu arbeiten.

Einen Tag, zwei, drei sitzen sie und gehen nicht aus, immer klopfen sie nur mit den Hämmerchen. Sie schmieden irgend etwas, was sie aber schmieden — ist unbekannt.

Alle sind neugierig, aber niemand kann etwas erfahren, weil die Arbeitenden gar nichts erzählen und sich nach außen nicht zeigen. Verschiedene Leute gingen zum Häuschen, klopften unter mannigfachen Vorwänden an die Türe, um Feuer oder um Salz zu bitten. Die drei Meister öffneten aber auf gar keine Bitte, und sogar womit sie sich nährten — war unbekannt. Man versuchte sie zu erschrecken: man tat so, als brenne in der Nachbarschaft ein Haus — ob sie nicht vor Schrecken herausspringen würden, und es sich dann offenbaren werde, was von ihnen geschmiedet sei. Nichts aber verführte diese schlauen Meister: einmal nur streckte sich der Linkser bis zur Schulter aus dem Fenster heraus und schrie: