»Machen die solchen Lärm?«

»Ja, Sie können es sich wohl selbst denken: es sind lauter Junggesellen, die immer auf und ab rennen und pfeifen ... Ich muß es Ihnen sagen, damit Sie uns später keine Vorwürfe machen ... Wir können ja die jungen Leute nicht bändigen.«

»Das wäre ja nicht schlecht! Selbstverständlich darf sich niemand unterstehen, Offizieren Ruhe zu gebieten! Was wäre das für ein Leben? ... Ich bin aber müde und glaube, daß ich schon irgendwie einschlafen werde.«

»Natürlich werden Sie einschlafen. Ich mußte aber Euer Gnaden für jeden Fall darauf aufmerksam machen. Darf ich das Gepäck und das Bettzeug hinauftragen?«

»Trag es nur hinauf, mein Bester. Ich komme direkt aus Moskau, habe mich unterwegs nirgends aufgehalten und bin so müde, daß mich wohl kein Lärm wecken wird.«

Der Kellner führte den Gast hinauf, und wir begaben uns in das größte Zimmer, das dem Schwadrons-Rittmeister gehörte. Hier war unsere ganze Gesellschaft versammelt mit Ausnahme des Vetters der Kommandeuse: er klagte über Unwohlsein, wollte weder trinken noch spielen und ging immer den Korridor auf und ab.

Der Bruder der Kommandeuse hatte an unserer Fensterparade teilgenommen und sich gleich uns an den Kartentisch gesetzt. Sascha aber blickte nur einmal in das Spielzimmer hinein und begann dann wieder im Korridor auf- und abzugehen.

Er machte einen seltsamen Eindruck, so daß wir auf ihn aufmerksam werden mußten. Er schien entweder krank oder verstimmt; wenn man ihn aber genauer ansah, schien keines von beiden der Fall zu sein. Er machte nur den Eindruck, wie wenn er im Geiste irgendwo weit von uns allen schweifte und an etwas, was uns allen fremd und ferne lag, dächte. Wir sagten im Scherze: »Du hast dich wohl in die Hebamme vergafft!« legten aber seinem Benehmen keine große Bedeutung bei. Er war ja noch sehr jung und den beliebten Offizierstrank »aus neun Elementen« nicht gewohnt. Es war sehr wahrscheinlich, daß sein Zustand nur eine Folge der vorhergehenden Trinkgelage war. Im Spielzimmer war es wie immer so vollgeraucht, daß man leicht Kopfweh bekommen konnte; schließlich war es auch möglich, daß seine Finanzen zerrüttet waren: er hatte in der letzten Zeit sehr hoch gespielt und größere Summen verloren; er hatte aber gewisse moralische Grundsätze und scheute sich, seinen Eltern mit solchen Dingen zu kommen.

Wir ließen also den jungen Mann in dem mit einem Tuchläufer belegten Korridor auf und abgehen. Wir selbst aber spielten, tranken und aßen, stritten und lärmten und dachten weder an die späte Stunde, noch an das freudige Ereignis, das im Hause des Kommandeurs erwartet wurde. Diese Vergessenheit wurde vollständig, als sich bald nach Mitternacht etwas ereignete, wobei der unbekannte Gast, der, wie gesagt, vor unseren Augen dem Reiseschlitten entstiegen war, die Hauptrolle spielte.

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