»Gewiß. Ich habe sogar Gelegenheit gehabt, ihn mir sehr genau anzusehen. Er ist so sehr in Gedanken versunken, daß er vorhin aus Versehen in mein Zimmer statt in das seinige eintrat, mich auf dem Bette garnicht liegen sah, direkt auf die Kommode zuging und etwas zu suchen begann. Ich glaubte sogar, daß es ein Schlafwandler sei, und rief Marko herbei.«

»Seltsam!«

»Als Marko ihn fragte, was er bei mir zu suchen habe, verstand er im ersten Augenblick garnicht, was man von ihm wollte. Und als er seinen Irrtum einsah, wurde er furchtbar verlegen ... Ich gedachte der alten Zeiten und sagte mir gleich: der muß eine Herzensaffaire haben!«

»Ach, was, Herzensaffaire! Das wird wohl bald vergehen. Bei Ihnen in Polen mißt man solchen Gefühlsduseleien viel zu viel Bedeutung bei; wir Moskowiter sind aber ein rohes Volk.«

»Ja, der junge Mann sieht aber gar nicht roh aus; im Gegenteil, er scheint mir sehr empfindsam und furchtbar erregt.«

»Er ist einfach müde, und unsere Lebensphilosophie lehrt, daß man in einem solchen Falle Gewalt anwenden muß. Meine Herren, zwei von Ihnen möchten hinausgehen und Sascha herbringen: soll er sich nur gegen die Beschuldigung, daß er hoffnungslos verliebt sei, verteidigen.«

Zwei Offiziere gingen in den Korridor und kamen mit Sascha zurück, auf dessen jugendlichem Gesicht Müdigkeit, Verlegenheit und ein Lächeln miteinander kämpften.

Er sagte, er fühle sich tatsächlich unwohl, und es rege ihn auf, daß man von ihm Rechenschaft fordere. Als man ihm im Scherz sagte, daß auch der »fremde Herr« der Ansicht sei, es sei wohl eine Liebesaffaire im Spiele, wurde Sascha plötzlich über und über rot, warf unserm Gast einen unsagbar gehässigen Blick zu und rief erbost aus:

»Unsinn!«

Er bat um Erlaubnis, auf sein Zimmer zu gehen und sich schlafen zu legen; wir erinnerten ihn aber daran, daß heute ein wichtiges Ereignis bevorstehe, das wir alle gemeinsam begrüßen wollten; es sei daher unstatthaft, die Gesellschaft zu verlassen. Als er vom »Ereignis« hörte, erbleichte er wieder.