»Hat sich für sein Herzliebchen aufgeopfert!«
Da steht so eine alte Tante aus der Vorstadt und jammert:
»Der Liebe, Herzige ... hat aus adliger Gesinnung das Leben hingegeben ...«
Und wo man auch lauschte, überall konnte man nur ähnliche warme, herzliche Worte hören. Alle duzten ihn dabei und bemühten sich, möglichst freundlich zu sprechen, gleichsam sein Herz zu liebkosen:
»Mein lieber Kleiner! ... Du Junger, Edler! ...«
»Du mein gefühlvoller Engel! ... Wie sollte man dich nicht lieben?!«
Alles in diesem Sinne. Damen vom Adel, Kaufmannsfrauen, Popentöchter, Kleinbürgerinnen, Dienstmädchen und Varieté-Zigeunerinnen — diese letzteren als Meisterinnen und Priesterinnen des tragischen Stils in der Liebe in erster Linie — alle stammeln mit bebenden Lippen herzliche Worte und beweinen ihn wie ihren besten Freund, wie ihren eigenen Geliebten, als ob sie ihn zum letzten Male in ihren Armen hielten und liebkosten.
Alle diese Frauen waren aber in keiner Beziehung hervorragend; sie kannten Sascha auch garnicht, hatten ihn vorher noch nie gesehen und hätten ihn vielleicht auch nicht lieb gewonnen, wenn sie ihn, so wie er im Leben war, mit allen seinen guten und schlechten Eigenschaften gekannt hätten. Aber jetzt, wo sie wußten, daß er aus »adliger Gesinnung« für sein »Herzliebchen« gestorben war, hatten sie gar keine Zeit, sich durch irgendwelche Überlegungen zu ernüchtern: sie konnten nur weinen und klagen ... Jede Seele verging vor Wehmut.
Der bekannte Kanzelredner, Erzbischof Innokentij rührte einmal alle Herzen, als er statt einer richtigen Grabpredigt nur die Worte sagte: »Er liegt im Sarge, — laßt uns weinen.« Nur diese Worte sagte er, und alle flossen in Tränen. Ein Fieber hatte alle Herzen ergriffen. Als die Frauen Sascha im Sarge sahen (in unseren Städten werden die Toten in offenen Särgen zum Friedhof getragen), fanden sie sein durchaus gewöhnliches Gesicht erhaben und herrlich ... Sie sagten: »In diesem Gesicht steht geschrieben: Treue bis in den Tod!«
Es ist ganz gleichgültig, ob in seinem Gesicht tatsächlich das oder etwas ganz anderes geschrieben stand. Sie lasen nur das, was ihre Augen sahen, und das genügt.