Wie es aber in der Mehrzahl derartiger Fälle, Vorsätze und Einrichtungen vorzukommen pflegt, namentlich wenn sie von Damen der hohen Aristokratie und sonstigen Damen der eleganten Welt begonnen und poussiert werden, ist das Resultat ein außerordentlich klägliches; es fehlt an dem nötigen Ernst, praktischer Erfahrung, andauernder Tätigkeit, ohne welche alle derartigen Unternehmungen stets mehr Schaden als Nutzen bringen.

Es ist dies etwas Verhängnisvolles, eine Art Ironie des Schicksals!

Die Religiosität der Fürstin äußerte sich in anderer Weise als bei den jetzt lebenden Damen der höheren Gesellschaftskreise, welche den inneren Glauben nach außen sichtbar machen wollen ohne viel Opfer, Einschränkung und sonstige Änderungen ihrer Gewohnheiten bringen zu müssen; die Religiosität der Fürstin Katharina Aleksejevna war anderer Art, sie war kennbar an ihren Taten, so daß eigentlich der Verfasser des sehr lehrreichen und interessanten Buches „Versuch über Einkommen und Eigentum unserer Klöster“ jedenfalls verpflichtet gewesen wäre, der Fürstin, als Förderin des Wohlstandes der Klöster und ihrer Vermehrung, die erste Stelle anzuweisen.

Es ist Tatsache, daß die Fürstin Vasilčikov mehr Klöster errichtet und gegründet hat als die Fürstin Anna Aleksejevna Orlov und andere adelige Damen.

So gründete sie unter anderen ein sehr bekanntes Kloster in der Nähe von Kiev, welches, Dank der Freigebigkeit und Sorge der Fürstin, über sechsunddreißig Werst Land außer sonstigen Renten verfügt, worüber jedoch in dem Buche von Rostislav, dessen ich vorerwähnte, nichts zu finden ist.

Aber schon früher, vor der Zeit, ehe sich die Fürstin mit der Errichtung neuer Klöster zu beschäftigen anfing, namentlich noch vor der Rekonstruierung des Klosters des „alten Jonii“, machte sie sich in Kiev als große Philanthropin bekannt.

Unter ihrem Protektorate wurden Wohltätigkeits-Bälle, Soiréen, Theater, Maskeraden, Concerte u. dgl. mehr oder minder angenehme Unternehmungen veranstaltet; nach dieser Richtung hin entwickelte sie einen außergewöhnlichen Eifer, dem man jetziger Zeit nicht solche Bedeutung mehr zuschreibt als dies ehemals der Fall war.

Gleichzeitig mit dem Streben, Sorge, Not und Elend aus den Einkünften der verschiedenen Lustbarkeiten und Unterhaltungen zu lindern, bemühte sich auch die Frau Fürstin um Sittenverbesserung und Verbreitung des Christentums.

Im letzteren Falle war die Fürstin, wie ich anzunehmen guten Grund habe, origineller und kühner, unternehmender, als der übrige gesamte hohe Adel in Petersburg, weil sie in Folge der Stellung ihres Gemahls, als General-Gouverneur, schon an und für sich ein gewisses Ansehen und Macht besaß, vor welchem sich sehr viele beugten, ja sogar sich fürchteten, die meisten aber verfolgten das Gebaren „ihrer Fürstin“ sehr aufmerksam, hatten aber oft Ursache über das Treiben derselben und ihres Anhanges den Kopf zu schütteln.

Nach dem Coelibat, welches zur Zeit des Bibikov’schen Regimentes im General-Gouvernements Hause herrschte, war der Einfluß einer Frau, welche sich nach keiner Richtung hin etwas zu versagen brauchte, ein ganz bedeutender, namentlich unterwarfen sich demselben fast alle Damen der höheren Stände.