Und die Spatzen, diese Vagabunden der Vogelwelt, hurtig, lebhaft, gewandt, leidenschaftlich, stets bereit und aufgelegt zum Streit und Hader, wie zum ausgelassensten Spiele und zur Ausführung allerlei Unsinnes und Schabernacks, erscheinen plötzlich in solcher Menge auf den von der Sonne beschienenen Stellen, daß man darüber staunt und nicht zu enträtseln vermag, von wo dieselben gekommen sein mögen.
Noch gestern waren sie nicht da, waren nicht bemerkbar und heute beleben sie die warme Luft wie ein Mückenschwarm.
Sie erfüllen die Luft mit ihrem lustigen, durchdringenden Gezwitscher, sie fliegen hin und her, jagen einander von den Ästen der bereiften Bäume und überschütten die unterhalb gehenden Menschen mit silberglänzendem, schimmernden winterlichen Putz.
Wo nur ein schneefreies, von der Sonne beschienenes Plätzchen sichtbar wird, ist auch er da, der Haufe der kleinen, schreienden, lärmenden Vagabunden, aber die größte Menge derselben ist stets dort, wo es eine besonders von der Sonne beleuchtete und deshalb warme Stelle gibt, hoch oben auf den Kirchentürmen oder den Dächern der höchsten Häuser, denn dort glänzt und glitzert alles vom Sonnenstrahl.
An solchen Stellen findet man eine ganze internationale Gesellschaft aller Art von Vögeln; auf den Karnisen machen sich die Tauben im süßen far niente breit und putzen ihr Federkleid; hin und her gehen die schwatzhaften Staare und zwischen ihnen die hin und her springenden und fliegenden Spatzen.
Mit einem Wort, überall, in der ganzen Natur lebt jetzt alles auf; Mensch und Tier werden lebendiger, lebenslustiger, freudiger, beweglicher unter dem Einflusse der wärmenden Sonnenstrahlen; alles atmet leichter auf und freut sich des Augenblickes und des Lebens.
Josef Hall sagt ganz richtig: die Welt ist ein wunderbares Ding, eine Sache, der menschlichen Seele nahestehend; in ihr nimmt alles neues Leben an und wir selbst verändern uns in ihr selbst zum Besseren.
Die warmen Sonnenstrahlen beleuchten und erwärmen die Körper, als wenn sie die Rauhheiten der Seele wegschmelzen wollten, sie geben dem Geiste eine größere Klarheit und jene Wärme dem Herzen, welche die Menschen zur Ausübung des Guten tauglicher und bereitwilliger macht.
Der Geist des Menschen wird erleuchtet, er fürchtet sich nicht mehr vor der Dunkelheit, der Finsternis, der Kälte des Herzens, er selbst ist bereitwillig zu erwärmen, zu erleuchten, den noch im kühlen, dämmerigen Schatten wandelnden Bruder ...
Solche bezaubernd schöne, warme Tage, welche ungeahnt die winterliche Kälte verjagen, habe ich außer in der Ukraina und namentlich in Kiev, nirgends gefunden.