In seiner Freundschaft zu mir lag etwas unbequemes, beschwerliches, drückendes, und ich hätte unter allen Umständen dieser Freundschaft die üblichen gesellschaftlich-freundschaftlichen Verhältnisse vorgezogen.

Der Grund lag darin, daß mir seine Frau Maria Sergievna außerordentlich gefiel.

Verliebt in sie war ich nicht, aber mir gefiel ihr Gesicht, ihre Augen, ihr Haar, Stimme, Gang, mit einem Wort, ich sehnte mich nach ihrer Gesellschaft, wenn ich sie längere Zeit nicht sah und in dieser sah ich nur diese schöne, geschmeidige, junge Gestalt vor meinem geistigen Auge, in meiner Einbildung schweben.

In Bezug auf sie hatte ich keine bestimmten Absichten und machte mir auch keine Gedanken darüber, aber ich weiß nicht warum, so bald wir zu zweien uns gegenüber saßen, da erinnerte ich mich allemal dessen, daß mich der Mann seinen einzigen, wahren und treuesten Freund nannte und ich fühlte mich höchst unbehaglich.

Wenn sie meine Lieblingsstücke auf dem Flügel vortrug, so hörte ich mit dem größten Vergnügen zu; wenn sie mit ihrer melodischen Stimme vorlas, so durchzogen mein Gehirn verschiedene Gedanken, welche darin gipfelten, daß sie wohl ihren Mann nicht liebt, daß dieser mein größter Feind ist und sie selbst in mir einen solchen sieht; dann wurde meine Stimmung dadurch verdorben, ich wurde langweilig, träge, unfreundlich.

Sie pflegte diese Veränderungen zu bemerken und sagte dann gewöhnlich:

„Sie scheinen sich in meiner Gesellschaft recht zu langweilen; ich werde gleich nach ihrem Freunde schicken und ihn bitten lassen, hierher zu kommen.“

Und als dann Dimitrij Petrovič ankam, da meinte sie:

„Nun freuen Sie sich, Ihr Freund ist angekommen.“

So verliefen anderthalb Jahre. — —