Das genügte vollkommen und alle waren damit zufrieden und einverstanden, selbst der alte Dukač, den man davon unterrichtete, nickte zustimmend und sagte:
„Den Popen in Peregudi saget von mir besten Dank, daß er den Knaben nicht unglücklich machte und ihn nicht Nikolai taufte.“
Als sich die Kerasivna erholte, erzählte sie: „Der Pope von Peregudi hätte das Kind auf den Namen Nikolaus taufen wollen, was, wie er sagte, in der heiligen Schrift vorgeschrieben stehe, sie hätte jedoch dagegen protestiert und mit ihm lange gestritten, wobei sie ihm schließlich sagte: Gott mit Dir und Deiner Bibel, Väterchen! später hätte er klein wenig beigegeben, und schließlich auf den Namen Sava das Kind getauft, nachdem sie ihm deutlich und klar bewies, das Kind eines Kasaken könne nie auf den Namen Nikolaus getauft werden.“
„Du bist in der Tat eine echte rechte Kasakin,“ sagte der Dukač und befahl ihr eine Kuh zum Geschenk zu geben, er versprach ihr noch, sobald er wiederum nach Hause zurückkehre, sich ihr noch anderweitig dankbar zu bezeugen; vergessen werde er die Dienste, die sie ihm erwiesen, nie.
Mit diesem Unglücksfalle endete die Taufe des Kindes; darauf folgte das Begräbnis des Agap und eine lange, lange Trauerzeit.
Denn Agap ist nicht mehr zum Bewußtsein gekommen, trotz aller Eis- und Schneeumschläge konnte die durch eine starke Ladung mit grobem Schrott erzeugte Wunde am Kopfe nicht geheilt werden, und gegen Abend des anderen Tages hauchte der Unglückliche seine Seele aus. Denselben Abend brachten drei mit großen dicken Stöcken bewaffnete Dorfinsassen den Dukač in die Stadt und übergaben ihn dem Gerichtsprokuror, welcher ihn gleich einem Verbrecher in das Gefängnis überführen ließ.
Den Agap beerdigte man; der Dukač befand sich in der Untersuchungshaft, das Kind wuchs zur Freude seiner Mutter, doch die Kerasivna, obzwar sie nicht zu Bette lag, kränkelte und was noch auffallender war, sie änderte vollständig ihren Charakter — es war nicht mehr jene Christy, jene energische, eigenwillige Kerasivna; im Gegenteil, sie wurde still, nachgiebig, schwermütig, fast einsilbig; sie zankte nie mehr mit ihrem Manne, noch mit den Nachbaren, so daß Kerasenko es sich gar nicht zu enträtseln vermochte, was denn eigentlich mit seiner Frau vorgefallen sei.
Sein Leben, sonst so stark beeinflußt von dem Starrsinn und Eigenwillen und der Herrschsucht seines Weibes, verlief jetzt auffallend still und ruhig: er hörte kein böses Wort mehr von seiner Frau, keinen Widerspruch, keine Vorwürfe, es gab keine Szenen mehr weder bei Tag noch bei Nacht, auch der Rogačever Adelige verschwand unbekannt wohin, so daß Kerasenko gar nicht wußte, wie er sich über sein häusliches Glück freuen und gegen wen und wodurch er diese Freude äußern könnte.
Diese merkwürdige Charakteränderung der Kerasivna bildete lange Zeit das Tagesgespräch im Orte und wurde von allen Frauen nach allen Seiten besprochen, ja selbst ihre größten Feindinnen, die Marktweiber, denen sie früher empfindliche und starke Konkurrenz bereitete, sind darüber einig geworden, daß die Kerasivna eine brave Frau sei.
Und wenn sie ihr jetzt nicht einen, sondern sogar zwei Käufer von ihrem Stand, auf welchem sie Kuchen und Brot verkaufte, weglockten, so ließ sie es ruhig geschehen, ohne jede Äußerung, während sie früher alle Teufel auf ihren Hals gehetzt hätte.