Das junge Mädchen schüttelte aufgeregt den Kopf, in ihren Augen leuchtete es plötzlich auf wie heiße, leidenschaftliche Begeisterung.

»Ich bleibe bei Ihnen! Schnell, Gräfin — schnell ... ach, lassen Sie uns eilen ... lassen Sie mich das Unbegreifliche schauen!«

Und sie wartete nicht mehr auf den schützenden Arm Gundulas, sondern flog wie von den Sturmesschwingen getragen, dem Rettungsschuppen zu.

Ein grelles Flackerfeuer, wie von geschwungenen Teerfackeln herrührend, flammte wieder auf dem gefährdeten Schiffe auf, gleicherzeit leuchtete am Strand drunten, dicht neben dem Schuppen, ein rotes Licht, mehrere Augenblicke gezeigt, dann wieder verschwindend.

XXVI.

Ein aufgeregtes, überhastiges Leben entwickelte sich am Strand.

Die Leute hatten in größter Eile ihre hochzeitlichen Kleider mit dem in dem Schuppen bereithängenden Ölzeug vertauscht und waren soeben, voll ausgerüstet, bereit, den Wagen, auf welchem das Boot stand, durch den tiefen Sand bis an die See zu schieben. Eine schwierige, unsagbar mühselige Arbeit bei solchem Sturm!

Gabriele hatte sich in den Schutz des Gebäudes gegen die Mauer gedrückt und starrte mit hochklopfendem Herzen das fremdartige Treiben an.

Sie sah Guntram Kraffts herrliche Gestalt in dem derben Lotsenanzug, — welcher ihr schöner und kleidsamer deuchte wie die reichste Galauniform, — grell beschienen von den lodernden Fackeln, welche von schwieligen Fäusten geschwungen wurden, — sah, wie er mit Bärenkräften zufaßte und half und schaffte, der erste seiner Lotsen, ein ruhiger, besonnener, gewaltiger Kommandeur, ein Mann, welcher nicht nur befiehlt, sondern selber arbeitet und Hand anlegt!