Neue Fackeln glühten auf, und der Sturm griff in die knisternden Flammen hinein und jagte die funkensprühenden Stückchen des Teerbrandes über den Sand davon.
Allen voran drängte Mike nach dem Strand. Sie strebte dem nahenden Boot so ungestüm entgegen, daß die Spritzer der Brandung helle Tropfen in ihren Brautkranz warfen und die Frauen und Mädchen sie lachend und so lebhaft, wie während der ganzen Hochzeitsfeier nicht, zurückrissen und den guten Feststaat vor weiterem Verderben retteten.
Das Einlaufen des Bootes an Land erwies sich diesmal noch schwieriger als zuvor, da die Brandung von Minute zu Minute furchtbarer ward und das nicht allzu schwere Fahrzeug jeden Augenblick beizudrehen drohte.
Jede Welle, welche es überholte, warf den Heck empor und drückte den Bug nieder, und der erst so ungestüme Jubel der Harrenden verwandelte sich wieder in angstvolle Stille, als man den schweren Kampf beobachtete, in welchem die kühnen Retter rangen.
Das Sturmgewölk war beinahe völlig hinweggefegt, der Mond stand an dem bleifarbenen Himmel und beleuchtete hell den letzten Akt des aufregenden Schauspiels, welches sich in stiller Nacht an dem einsamen, weltfernen Strande abspielte.
Die Brandung rollte unter dem Kiel des Bootes fort, die Kämme der See hüllten es in wahre Schaumwolken, und das ganze Fahrzeug mit den kühn verwegenen Gestalten der so überaus angestrengt arbeitenden Männer erschien wie ein Schattenbild, welches sich in wildem Tanze nähert.
Und es kam näher und näher, und endlich konnten die zurückgebliebenen Fischer ihm mit rauhkehligem »Hojohe!« entgegenspringen, es kraftvoll zu packen und an Land zu schieben.
Im letzten Augenblick erst hatte sich Guntram Krafft von seinem Sitz erhoben, sein edles, leidenschaftlich erregtes Antlitz spiegelte noch die Anstrengungen, mit welchen man in dieser schweren Stunde gerungen, aber seine Lippen lachten, daß die festen, weißen Zähne durch den Schnurrbart blinkten, und die großen Blauaugen blitzten so siegesfreudig und glückselig, wie bei einem Menschen, für welchen die gute Tat schon allein ihren vollen Lohn in sich trägt! —
Wie schön war er! wie unbeschreiblich schön! — Gabriele ist Schritt für Schritt herzugewankt, mit glückzitterndem Herzen und brennendem Blick schaut sie ihm entgegen, und dann schlägt dieses Herz plötzlich so wild auf, daß sie vor seinem Ungestüm selber erschrickt und angstvoll zurückweicht, weiter und weiter ... dahin, wo die roten Lichter der Fackeln sie nicht mehr erreichen, wo keines Menschen Blick erspähen kann, welche Gefühle sich in ihrem Auge verraten! —
Voll toller, ausgelassener Freude springt Jöschen als erster über den Bootsrand, watet die letzten Schritte durch das weit ausrollende Wasser und umfängt sein junges Weib, um all das Glück dieses Wiedersehens in schallenden Küssen auszudrücken.