„Ja, ich bin alt geworden,“ antwortete Iwan Nikiforowitsch. „Ich bin heute aus Poltawa gekommen.“

„Was Sie sagen! Bei dem schlechten Wetter sind Sie nach Poltawa gefahren?“

„Was soll man machen — der Prozeß!“

Unwillkürlich seufzte ich.

Iwan Nikiforowitsch hatte meinen Seufzer gehört und sagte: „Beunruhigen Sie sich nicht; ich habe die bestimmte Nachricht erhalten, daß die Sache in der nächsten Woche entschieden sein wird, und zwar zu meinen Gunsten.“

Ich zuckte die Achseln und ging, um mich nach Iwan Iwanowitsch zu erkundigen.

„Iwan Iwanowitsch ist hier, er ist oben auf dem Chor,“ sagte mir jemand. Ich erblickte eine magere Gestalt. War das wirklich Iwan Iwanowitsch? Sein Gesicht war mit Runzeln bedeckt, die Haare waren schneeweiß, und nur die Pekesche hatte sich nicht verändert. Nach der ersten Begrüßung wandte sich Iwan Iwanowitsch mit dem heiteren Lächeln, das seinem trichterförmigen Gesicht so gut stand, zu mir hin und sagte: „Soll ich Ihnen eine frohe Neuigkeit mitteilen?“

„Eine Neuigkeit?“ fragte ich.

„Morgen wird meine Sache entschieden; das Appellationsgericht hat es mir bestimmt versprochen!“

Ich seufzte noch tiefer und beeilte mich mit dem Abschied, da ich in einer sehr wichtigen Angelegenheit reiste. Ich bestieg meinen Wagen. Die elenden Gäule, die in Mirgorod unter dem Namen Kurierpferde bekannt sind, zogen an und verursachten mit ihren, in der grauen Schmutzmasse einsinkenden Hufen ein unangenehmes Geräusch. Der Regen floß in Strömen auf den auf dem Bock sitzenden Juden herab, der sich durch eine Matte zu schützen suchte. Die Feuchtigkeit drang mir durch Mark und Bein. Der wehmütige Schlagbaum mit dem Wärterhäuschen, in dem der Invalide seine graue Uniform flickte, zog langsam an mir vorüber. Und wieder breitete sich das stellenweise aufgewühlte schwarze, hie und da grünlich schimmernde Feld vor mir aus: nasse Krähen und Raben, der monotone Regen und ein tränenfeuchter, trostlos grauer Himmel!