Der Hetman gab seine Anweisungen, und alle verneigten sich tief vor ihm und begaben sich, ohne die Mützen aufzusetzen, zu ihren Wagen und ins Lager zurück; erst als sie schon ganz weit waren, bedeckten sie wieder ihre Häupter. Alle begannen sich zu rüsten und zum Kampfe vorzubereiten, sie prüften die Säbel und Lanzen, schütteten Pulver aus den Säcken in die Pulverhörner, rückten und stellten die Wagen zurecht und suchten sich die besten Pferde aus.
Als Taraß zu seiner Abteilung zurückkehrte, dachte er lange darüber nach, wo wohl Andrij weilen könnte, und er konnte es sich durchaus nicht erklären, wo er geblieben war. Er fragte sich, ob man ihn vielleicht zusammen mit den andern gefangen genommen oder ihn im Schlafe gefesselt habe — aber nein, Andrij war nicht der Mann, sich lebend gefangen nehmen zu lassen. Unter den erschlagenen Kosaken war er auch nicht zu finden. Taraß verfiel in tiefes Sinnen und schritt draußen seine Abteilung ab, ohne zu hören, daß ihn schon lange jemand beim Namen rief. „Wer will was von mir,“ sagte er endlich, wie aus einem Traume erwachend. Vor ihm stand der Jude Jankel.
„Herr Hauptmann, Herr Hauptmann,“ sagte der Jude schnell und hastig, wie wenn er ihm eine wichtige Nachricht mitzuteilen hätte, „ich war in der Stadt, Herr Hauptmann.“
Taraß sah den Juden an und wunderte sich, daß er es fertiggebracht hatte, sich in die Stadt zu stehlen.
„Wer zum Teufel hat dich denn da hineingebracht?“
„Ich will’s Euch sofort erzählen,“ sagte Jankel. „Wie ich bei Tagesanbruch das Schreien und Schießen der Kosaken hörte, da ergriff ich so schnell wie möglich meinen Kaftan und lief ohne ihn anzuziehen so rasch ich konnte dorthin; erst unterwegs fuhr ich in die Ärmel. Ich wollte nämlich die Ursache des Lärms erfahren und nachsehen, warum die Kosaken in so früher Stunde schießen. Ich lief immer vorwärts und kam grad in dem Augenblick an das Tor, als das letzte Regiment in die Stadt einzog. Plötzlich sehe ich den Herrn Fähnrich Galjandowitsch an der Spitze der Truppen. Ich kenne ihn sehr gut, er schuldet mir schon seit drei Jahren hundert Dukaten. Ich ging also hinter ihm her, wie wenn ich ihn an seine Schuld mahnen wollte, und gelangte auf diese Weise in die Stadt.“
„Wie bist du denn in die Stadt hineingekommen, wenn du doch nur eine Schuld eintreiben wolltest,“ sagte Bulba, „hat er dich denn nicht sofort aufhängen lassen wie einen Hund?“
„Ja, bei Gott, das wollte er tun!“ antwortete der Jude. „Seine Diener hatten mich schon gepackt und mir den Strick um den Hals gelegt; ich aber flehte den Herrn an und sagte, daß ich mit meiner Schuld warten würde, solange der Herr es wünscht, ja ich versprach ihm sogar ihm noch mehr zu leihen, wenn er mir nur helfen wolle, das Geld von den anderen Rittern einzutreiben; denn der Herr Fähnrich hatte — um gleich alles zu sagen — nicht einen einzigen Dukaten in der Tasche. Wenn er auch viel Land, einige Güter, vier Schlösser und Grund und Boden besitzt, der bis an das Tor der Stadt Schkloff reicht, er hatte doch keinen baren Groschen — wie ein rechter Kosak! Und wenn ihn jetzt zum Beispiel nicht ein paar Breslauer Juden ausgerüstet hätten, hätte er gar nicht in den Krieg ziehen können. Deshalb war er auch nicht zum Reichstag gekommen.“
„Und was hast du in der Stadt gemacht? Hast du die Unsrigen gesehen?“
„Gewiß! Da gibt es doch viele von unseren Leuten. Den Itzig, den Rachum, den Schmul, den Chaiwalch, einen jüdischen Pächter ...“