„Ja, wir sind Alle einverstanden,“ riefen die Kosaken.

„Die Versammlung ist also beendet?“

„Die Versammlung ist beendet,“ riefen die Kosaken.

„So vernehmt denn jetzt den Heeresbefehl, Kinder,“ sagte der Hetman, trat vor und setzte die Mütze auf; und alle Saporoger, so viel ihrer da waren, nahmen die ihren ab und hörten ihn entblößten Hauptes und mit zu Boden gesenkten Blicken an, wie es bei den Kosaken Sitte war, wenn einer der Ältesten sprechen wollte. „Jetzt teilt euch in zwei Teile, ihr Herren und Brüder. Wer gehen will, begebe sich auf die rechte Seite, wer bleibt, auf die linke. Geht der größere Teil einer Abteilung mit, so folgt ihnen auch der Führer, ist es jedoch nur der kleinere Teil, so mögen sich die Übrigbleibenden einer anderen Abteilung anschließen.“

Und Alle teilten sich in zwei Gruppen und stellten sich teils auf die rechte, teils auf die linke Seite. Wohin sich der größere Teil einer Abteilung begab, dahin folgte auch der Führer: kleinere Teile schlossen sich an die größeren Abteilungen an. Und es stellte sich heraus, daß beide Gruppen fast gleichstark waren. Folgende Abteilungen hatten sich zum Bleiben entschlossen: beinahe die ganze Abteilung Nesamaikow, die größere Hälfte der Abteilung Popowitsch, die ganze Abteilung Uman und Kanew, und die größere Hälfte der Steblikiwschen und Tymoschewschen Abteilungen. Die übrigen Abteilungen zogen es vor, die Tataren zu verfolgen. Auf beiden Seiten gab es viele tapfere und wackere Kosaken. Unter denen, die beschlossen hatten, den Tataren nachzujagen, befanden sich: ein wackerer, alter Kosak, Tscherewaty, ferner Pokotypole, Lemisch und Prokopowitsch Choma. Auch Demid Popowitsch hatte sich ihnen angeschlossen, denn er hatte eine recht hohe Meinung von sich und liebte es nicht, lange an ein und demselben Ort zu sitzen: er hatte sich nun mit den Polen gemessen, jetzt wollte er es wieder einmal mit den Tataren aufnehmen. Die Anführer der einzelnen Abteilungen waren folgende: Nostjugan, Pokryschka, Newylytschki und noch viele andere wackere und tapfere Kosaken, die Schwert und Kraft im Kampf gegen die Tataren erproben wollten. Aber nicht weniger tapfere und brave Kosaken waren unter denen, die da bleiben wollten: die Abteilungsführer Demytrowitsch, Kukubenko, Wertychwist, Balaban, Bulbenko und Ostap. Außer ihnen gab es da noch viele andere berühmte und gewaltige Kosaken: Wowtusenko, Tscherewytschenko, Stepan Guska, Ochrim Guska, Mykola Gustyj, Sadoroschny, Metelizja, Iwan Sakrutyguba, Mossy Schilo, Degtjarenko, Sydorenko, die drei Pissarenko und noch viele andere ausgezeichnete Kosaken, alles erfahrene, und erprobte Leute. Sie waren an den Küsten Anatoliens, in den Steppen der Krim, auf allen großen und kleinen Flüssen, die in den Dnjepr münden, und in den Schluchten und auf den Inseln dieses Flusses gewesen; sie hatten die Moldau, die Wallachei und die Türkei besucht, hatten das ganze schwarze Meer mit ihren zweiruderigen Kosakenbooten durchkreuzt und mit deren fünfzig die größten und reichsten Schiffe überfallen, nicht wenig Galeeren zum Kentern gebracht und viel, sehr viel Pulver in ihrem Leben verschossen. Oft genug hatten sie kostbare Seiden- und Sammetstoffe zerrissen um sich Fußlappen daraus zu verfertigen, und ihre Beutel am Hosengurt mit goldenen Zechinen vollgestopft. Und wieviel Geld und Gut jeder von ihnen schon vertrunken und verjubelt hatte, — einem andern hätte es für das ganze Leben gereicht — das war garnicht auszurechnen. Sie hatten nach Kosakenart alles verschwendet: alle Welt bewirtet, und Musikanten bestellt, damit alles, was da lebte, lustig sei! Noch jetzt hatten die meisten irgendwo Wertgegenstände vergraben: Becher, silbernes Trinkgeschirr und Armbänder, die sie im Schilf auf den Inseln des Dnjepr versteckt hielten, damit die Tataren sie nicht auffinden konnten, wenn es diesen gelingen sollte, die Sjetsch in einem unglücklichen Augenblick plötzlich zu überfallen. Aber es wäre den Tataren schwer geworden, diese Schätze zu finden, wußten doch oft die Besitzer selbst nicht mehr, wo sie sie vergraben hatten. Das waren die Kosaken, die da bleiben wollten, um die treuen Waffenbrüder und den christlichen Glauben an den Polen zu rächen. Der alte Kosak Bowdjug wollte gleichfalls mit ihnen zurückbleiben und sagte: „Ich bin nicht mehr jung genug, um hinter den Tataren herzulaufen; auch dies ist ein Platz, wo man einen ehrlichen Kosakentod sterben kann! Schon lange bete ich zu Gott, daß ich, wenn ich denn sterben soll, mein Leben im Kampf für die heilige Sache Christi hingeben dürfe. Nun ist es so gekommen. Einen schöneren Tod kann es für einen alten Kosaken nirgends geben.“

Nachdem sie auseinandergegangen waren und sich in zwei Gruppen nach den Abteilungen aufgestellt hatten, schritt der Hetman die Reihen ab und sagte:

„Nun ihr Herren und Brüder, sind die beiden Teile miteinander zufrieden?“

„Wir sind alle zufrieden Väterchen,“ riefen die Kosaken.

„Nun, dann küßt euch und drückt euch zum Abschied die Hände, denn Gott weiß, ob ihr euch noch einmal im Leben wiederseht. Gehorcht eurem Hetman, und tut euer Bestes: ihr wißt ja selbst, was die Kosakenehre von euch fordert.“

Und alle Kosaken, so viele ihrer waren, küßten einander. Die Führer machten den Anfang, sie strichen sich über ihre grauen Schnurrbärte und küßten sich dreimal, dann drückten sie sich die Hände und hielten sie lange fest, als ob sie sagen wollten: „Werden wir uns noch einmal wieder sehen, Herr Bruder oder nicht?“