Chlestakóff (allein). Auch eine Zigarre ist mal ganz nett. Wieviel Beamte es doch hier gibt usw.
V.
Vorwort
zu einer zum Besten der Armen geplanten Ausgabe des „Revisor“.
1846.
Fast alle russischen Schriftsteller haben aus Teilen ihrer Werke Spenden zum Besten der Armen gemacht: manche gaben zu diesem Zweck ganze Bücher heraus, andere steuerten bereitwillig zu Sammelwerken bei; noch andere endlich veranstalteten eigens dafür öffentliche Vorlesungen. Ich allein hatte mich abseits gehalten. Vom Wunsche beseelt, diese meine Unterlassung, wenn auch spät, zu sühnen, bestimme ich die vierte und fünfte gleichzeitig in Moskau und Petersburg erscheinende Ausgabe des „Revisor“ zum Besten der Notleidenden. Sie ist um eine dem Publikum noch unbekannte Skizze: „Die Deutung des Revisors“ vermehrt, die aus verschiedenen Gründen und Umständen bisher nicht veröffentlicht werden konnte und hier zum erstenmal ihren Platz findet.
Der Erlös dieser beiden Ausgaben soll ausschließlich solchen Bedürftigen zugute kommen, welche sich in unscheinbaren, niedrigen Stellungen befinden und bei einem Einkommen, das kaum für den eigenen Unterhalt notdürftig hinreicht, noch ärmere Anverwandte zu unterstützen, oft sogar zu erhalten gezwungen sind; mit einem Wort: er ist für diejenigen bestimmt, denen das bittere Los fiel, die doppelte Last des Lebens zu tragen. Und deshalb bitte ich alle meine Leser, welche bereits durch den Kauf dieses Buches das wohltätige Werk begonnen haben, es auch in gleicher Weise fortzusetzen, namentlich aber, soweit es ihre Zeit erlaubt, über alle in erster Linie Bedürftigen in Moskau sowohl wie in Petersburg nach Möglichkeit Kunde einzuziehen, sich die Mühe nicht verdrießen zu lassen, um in deren drückende Verhältnisse selbst hineinzuschauen, und alle derartigen Nachrichten denen zu übermitteln, die mit der Verteilung der Unterstützungen betraut sind.
Es herrscht viel Elend um uns her, von dem wir nichts wissen; oft siecht in derselben Stadt, derselben Straße, ja in demselben Hause, in dem wir wohnen, ein Mensch unter der schweren Last der Not und dem durch sie erzeugten Herzenskummer dahin, dessen ganzes Schicksal vielleicht abgewendet werden konnte, wenn wir nur einmal den Blick auf ihn gerichtet hätten; wir aber schauten uns nicht nach ihm um; wir leben sorglos und unbekümmert weiter, hören fast teilnahmslos die Nachricht, daß ein jemand, der neben uns lebte, zugrunde gegangen ist, und ahnen nicht einmal, daß die Ursache seines Unterganges lediglich die war, daß wir uns nicht die Mühe gaben, nach ihm hinzusehen. Um Christi willen bitte ich inständigst einer mündlichen Rücksprache mit solchen nicht aus dem Wege zu gehen, welche verschlossen und zurückhaltend sind, stumm sich grämen, stumm leiden und stumm dahinsterben, so daß man nur selten und oft erst nach ihrem Tode erfährt, sie seien unter der unerträglichen Last ihres Kummers zusammengebrochen. Alle diejenigen meiner Leser, welche durch wichtige Geschäfte und Pflichten gebunden nicht die Muße haben, sich direkt der Lage der Bedürftigen anzunehmen, bitte ich, sich einer möglichst weitgehenden pekuniären Beihilfe nicht zu versagen und diese einer von den mit der Verteilung der Unterstützungen betrauten Personen zu überweisen, deren Namen und Adressen am Schluß dieses Vorwortes verzeichnet sind.
Ich erachte es für meine Pflicht hierbei mitzuteilen, daß ich für diese Mühewaltung lediglich solche von den mir bekannten Persönlichkeiten ausgewählt habe, welche, ohne durch eigene Sorgen und Geschäfte an der für dergleichen Angelegenheiten notwendigen Muße gekürzt zu sein, sich überdies aus Herzensbedürfnis gedrungen fühlen, dem Nächsten zu helfen und diese mühselige Arbeit freudig auf sich genommen haben, ungeachtet dessen, daß sie sie vieler angenehmer gesellschaftlicher Vergnügungen beraubt, auf die man sonst ungern verzichtet. Deshalb darf sich jeder Gebende überzeugt halten, daß die von ihm gewährte Unterstützung auch mit Überlegung verteilt und keine Kopeke nutzlos vergeudet werden wird. Die Betreffenden werden keinem Menschen eher beispringen, bevor sie ihn nicht aus der Nähe kennen gelernt, alle obwaltenden Umstände erwogen und so die volle Einsicht gewonnen haben, auf welche Art und Weise die jenem zugedachte Unterstützung zur Anwendung kommen soll. In solchen Fällen jedoch, wo der Unglückliche sein schweres Los selbst verschuldet hat und sein Elend mit Gewissensfragen in Verbindung steht, werden sie die Beihilfe nur durch erfahrene Geistliche und namentlich solche Beichtiger zur Ausführung bringen lassen, die nicht zum erstenmal mit Seele und Gewissen des Menschen zu tun hatten. Es wäre wünschenswert, wenn jeder, der Nachforschungen nach Bedürftigen anzustellen gedenkt, sich der Mühe unterziehen wollte, die Ergebnisse den Verteilern der Unterstützungsgelder persönlich und nicht schriftlich darzulegen; denn bei mündlicher Rücksprache lassen sich all’ jene Mißverständnisse leicht beseitigen, die bei brieflicher Mitteilung nie zu vermeiden sind. Auf diese Weise wird jeder sich nach Beschaffenheit seines Falles selber darüber ein Urteil bilden können, an welche der bezeichneten Personen er sich lieber, bequemer und zweckentsprechender wenden mag, auch erwägen können, wann die mitfühlende Beteiligung einer Frau, wann das kräftige, brüderlich ermutigende Wort eines Mannes im besonderen vonnöten sei. Noch nützlicher wäre, wenn zu solchen Besprechungen ein für allemal eine bestimmte Stunde festgesetzt würde, beispielsweise von 11-12, eine Stunde, die überhaupt für alle, wenigstens für die Mehrzahl, die geeignetste ist; und sollte sie trotzdem dem einen oder anderen nicht genehm sein, so wird der zu dieser Stunde Vorsprechende auf jeden Fall die Ansage einer anderen, geeigneteren erhalten können.
Zur Verteilung der Unterstützungsgelder haben sich bereit erklärt:
In Moskau:
Awdotja Pietrowna Jelagina.
Katerina Alexandrowna Swjerbejewa.
Wjera Sergejewna Aksakowa.
Alexej Stjepanowitsch Chomjakoff.
Nikolai Filippowitsch Pawloff.
Pjotr Wassiljewitsch Kirejewski.
In Petersburg: