Kotschkarjow. Geh doch zu deinem alten Freunde, dem Teufel. (Öffnet die Tür und ruft ihm nach.) Esel!

17. Auftritt

Kotschkarjow (allein, geht aufgeregt im Zimmer auf und ab). Hat die Welt jemals einen solchen Menschen gesehen? .. Solch ein Esel! Übrigens, wahrhaftig, ich bin auch gut! .. Nein, sagt nur, ich möchte euch alle zu Zeugen anrufen: Bin ich nicht genau solch ein alter Esel? Bin ich nicht ganz dumm? ..... Was rege ich mich auf und schreie mir die Kehle wund? .. Sagt, was ist er mir? Er ist doch nicht mein Verwandter. Und ich bin weder seine Amme, noch seine Tante, noch seine Schwiegermutter, oder gar seine Patin! Was zum Teufel rackere ich mich seinetwegen ab? Gönne mir keinen Augenblick Ruhe ... mag er doch zum Satan gehen! Weiß der Teufel, wozu das alles! Wozu nur der Mensch mitunter etwas tut? ..... Solch ein Halunke! Diese niederträchtige, widerwärtige Visage! Nehmen möchte ich dich, du dummes Rindvieh; Nase, Ohren, Mund und Zähne ... einschlagen möcht’ ich dir ... (Macht mit der Hand wütend die entsprechenden Bewegungen.) Und was das Empörendste dabei ist: er geht einfach nach Hause ... er macht sich weiter keine Kopfschmerzen ... er schüttelt’s sich ab, wie ein nasser Hund ... Nicht zum Ertragen ist dieser Gedanke! Jetzt geht er heim, legt sich aufs Sofa und raucht sich eine Pfeife an. Dieser gemeine Patron! Wahrhaftig, es gibt ekelhafte Fratzen auf der Welt; aber so eine läßt man sich denn doch nicht träumen ... Bei Gott, eine widerwärtigere Visage läßt sich gar nicht ausdenken. Tatsächlich nicht! Aber nein, jetzt gerade nicht! Ich hol’ ihn zurück, den nichtsnutzigen Kerl. Er soll mir nicht entwischen, ich bring’ ihn wieder zurück, den Lump! (Er läuft fort.)

18. Auftritt

Agathe Tichonowna (tritt ein). Wie mir das Herz klopft ... ich kann es gar nicht sagen. Wohin ich schaue, wohin ich mich wende ... überall sehe ich Iwan Kusmitsch vor mir sitzen. Es muß wohl wahr sein, daß niemand seinem Schicksal entgehen kann. Vorhin versuchte ich an ganz etwas anderes zu denken! Aber, was ich mir auch vornehme ... ich probierte Garn abzuwickeln, fing an, den Pompadour zu sticken, aber ach, immerzu, in einem fort drängt sich mir das Bild Iwan Kusmitschs auf. (Pause.) Ach, also wirklich, nun soll die große Veränderung in meinem Leben kommen ... Erst wird man mich in die Kirche führen ... dann mich mit ihm allein lassen; ... mit dem Manne ... oh, mir wird schon jetzt ganz schaurig! — ja, leb wohl, meine schöne Mädchenzeit! (Sie weint.) Wie viele Jahre hab’ ich so ruhig dahingelebt; — lebte und lebte vor mich hin! Und nun mit einem Male soll ich heiraten, die Frau eines Mannes werden. Und all die Sorgen, die einen da erwarten. Die Kinder ... ach ... und die Knaben, dieses wilde Volk ... Und dann kommen auch die Mädchen, die werden schnell groß und wollen dann ebenfalls versorgt sein. Noch gut, wenn sie brave Männer bekommen; aber vielleicht kriegen sie einen Säufer ... oder einen solchen Kerl, der alles auf eine Karte zu setzen bereit ist ... (Sie fängt wieder an zu weinen.) Eigentlich habe ich doch meine Mädchenzeit gar nicht so recht genossen ... Nur siebenundzwanzig Jahre hat sie gedauert ... (Mit veränderter Stimme.) Aber warum zögert nur Iwan Kusmitsch so lange?

Agathe Tichonowna und Podkoliessin, den Kotschkarjows Hände in die Tür hineinschieben.

Podkoliessin (stockend). Ich komme, mein Fräulein, um Ihnen eine Erklärung abzugeben ... aber ... ich wüßte nämlich gerne zuvor, ob Ihnen diese Erklärung nicht zu seltsam vorkommen wird.

Agathe Tichonowna (die Augen senkend). Um was handelt es sich denn?

Podkoliessin. Nein, Fräulein, sagen Sie mir erst, daß Sie sich nicht darüber wundern werden.

Agathe Tichonowna (wie vorher). Ich weiß doch gar nicht, was es ist.