Icharew. Sehr gern, warum nicht: um Ihnen zu beweisen, daß die Freundschaft ... (Geht an die Kassette und nimmt einen Haufen Geldscheine hervor.) Hier habt ihr achtzigtausend.
Uteschitelny. Und hier hast du die Wechsel. Jetzt eile ich gleich zu Glow, ich will ihn herbeiholen und alle Formalitäten erledigen. Krugel, bring das Geld auf mein Zimmer. Hier hast du den Schlüssel zu meiner Kassette. (Krugel ab.) Ach, wenn wir es einrichten könnten, daß wir heute abend abreisen können! (Ab.)
Icharew. Natürlich, natürlich, hier ist keine Minute zu verlieren.
Schwochnew. Und dir rate ich auch, hier nicht noch lange sitzen zu bleiben. Sowie du das Geld bekommen hast, komme sofort zu uns. Mit den zweihunderttausend — weißt du, was man damit machen kann? Man kann einfach den ganzen Jahrmarkt in die Luft sprengen ... Ach, ich habe ganz vergessen, dem Krugel etwas Wichtiges zu sagen. Warte nur, ich komme gleich zurück. (Schnell ab.)
23. Auftritt
Icharew (allein). Was für eine Wendung doch die Umstände genommen haben, was? Noch heute morgen bloß achtzigtausend, und gegen abend schon zweihunderttausend, wie? Für manchen bedeutet das ja ein ganzes Leben voll Dienst und Arbeit, den Preis für ein ständiges Sitzen, Entbehrungen, Verlust der Gesundheit, und hier bist du in einigen Stunden, ja in einigen Minuten ein regierender Prinz. Eine Kleinigkeit das: Zweihunderttausend! Ich kann mir denken, was aus mir geworden wäre, wenn ich auf dem Lande gesessen wäre und mich mit den Starosten und Bauern herumgeschlagen hätte, um jährlich dreitausend einzuheimsen. Ist denn Bildung eine Kleinigkeit? Die Unbildung, die sich auf dem Lande an dir festsetzt, die kannst du nachher nicht mit dem Messer abkratzen. Womit hätte man da seine Zeit verloren? Mit Gesprächen mit den Starosten und den Bauern ... Ich aber will mich mit gebildeten Menschen unterhalten! Jetzt bin ich sichergestellt, jetzt habe ich freie Zeit. Jetzt kann ich mich damit beschäftigen, was zu unserer Bildung beiträgt. Wenn ich nach Petersburg will, kann ich auch nach Petersburg reisen, da gehe ich ins Theater, sehe die Münze, da spaziere ich am Palais, am Englischen Quai vorbei, gehe in den Sommergarten. Oder ich gehe nach Moskau und diniere bei Jar, ich kann mich nach der Mode der Residenz kleiden, kann mich mit den andern gleichstellen und die Pflichten eines aufgeklärten Menschen erfüllen. Und was ist die Ursache davon? Was gibt mir die Möglichkeit dazu? Das, was man Betrügerei nennt. Ach, Unsinn, das ist eben gar keine Betrügerei, ein Betrüger kann man in einer Minute werden, hierzu aber ist Praxis, Studium nötig. Aber zugegeben, es sei Betrügerei. Es ist doch eben eine notwendige Sache; was kann man denn ohne sie machen? Sie ist gewissermaßen eine Warnung. Wenn ich z. B. nicht alle Feinheiten kennte, wenn ich das alles nicht begriffen hätte, wie hätte man mich da nicht beschwindeln können! Sie haben mich ja auch wirklich beschwindeln wollen. Dann sahen sie aber, daß sie es nicht mit einem gewöhnlichen Menschen zu tun haben, und gingen mich selbst um meine Hilfe an. O nein, Verstand — das ist eine große Sache; und in der Welt ist Feinheit notwendig. Ich sehe das Leben von einem ganz anderen Standpunkt an. So leben, wie ein dummer Kerl, so kann jeder leben, das ist kein Kunststück, aber mit Witz und mit Kunst leben, alle betrügen und doch selbst nicht betrogen werden, das ist die eigentliche Aufgabe, das wahre Ziel.
24. Auftritt
Icharew und Glow, der eilig eintritt.
Glow. Wo sind sie denn? Ich bin eben im Zimmer gewesen, das ist leer.
Icharew. Sie sind soeben hier gewesen, sie sind nur auf einen Augenblick fortgegangen.